Italien hat die Tür für einen möglichen Beitritt Deutschlands zum Global Combat Air Programme (GCAP) geöffnet – dem Gemeinschaftsvorhaben, das Rom zusammen mit dem Vereinigten Königreich und Japan vorantreibt, um bis 2035 ein Kampfflugzeug der sechsten Generation zu entwickeln. Der Vorstoss erfolgt in einer Phase zunehmender Spannungen zwischen Berlin und Paris rund um das parallele europäische Projekt Future Combat Air System (FCAS).
Italien und Deutschland im GCAP: Öffnung für neue Partner
In einer parlamentarischen Anhörung erklärte Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto, dass mehrere Staaten Interesse an einem Einstieg in GCAP signalisiert hätten. „Deutschland könnte diesem Projekt in Zukunft wahrscheinlich beitreten“, sagte er. Zudem gebe es Anfragen aus Australien, Saudi-Arabien und Kanada.
GCAP wird von Mitsubishi Heavy Industries in Japan, BAE Systems im Vereinigten Königreich und Leonardo in Italien getragen. Geplant ist die Entwicklung eines Tarnkappen-Kampfflugzeugs, das im Verbund mit Drohnen und kollaborativen Gefechtssystemen operiert. Crosetto hob hervor, dass sich die drei Gründungsnationen auf eine Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ verständigt hätten. „Je mehr Länder beitreten, desto grösser ist die kritische Masse, in die wir investieren können, desto mehr intellektuelle Kapazität können wir zusammenführen, desto höher ist der wirtschaftliche Ertrag – und desto weniger kostet es uns“, so der Minister.
FCAS unter Druck: Streit zwischen Paris und Berlin
Italiens Bemühungen um zusätzliche GCAP-Partner laufen parallel zu den Spannungen, die FCAS belasten – das europäische Projekt, das 2017 gestartet wurde und mit 100 Milliarden Euro veranschlagt ist. Das von Frankreich, Deutschland und Spanien geführte Programm, an dem Dassault Aviation, Airbus Defence & Space und Indra beteiligt sind, soll Rafale und Eurofighter Typhoon etwa ab 2040 ablösen.
Allerdings haben sich die Differenzen zwischen Paris und Berlin verschärft. Nach Angaben aus dem Umfeld der Verhandlungen hat das deutsche Verteidigungsministerium aufgrund des stockenden Fortschritts zuletzt mögliche Alternativen zusammen mit Airbus geprüft. Zu den Streitpunkten zählen die Arbeitsaufteilung und die technologische Führungsrolle im Next-Generation Weapon System (NGWS), das den künftigen bemannten Jet New Generation Fighter (NGF) sowie mehrere begleitende Systeme umfasst.
Im Juli wurde berichtet, Dassault habe vorgeschlagen, bis zu 80 % der NGWS-Aufgaben zu übernehmen – was in Berlin auf Widerstand stiess. Französische Stellen wiesen diesen Prozentsatz zurück, doch die Debatte vertiefte die ohnehin fehlende Einigung zusätzlich.
Der deutsche Abgeordnete Andreas Schwarz warnte gegenüber Politico: „Irgendwann wird das [deutsche] Parlament sagen müssen: ‚Entweder wir brauchen dieses Flugzeug oder wir brauchen es nicht‘“ – und verwies damit auf Verzögerungen und Risiken für das Projekt.
Welche Optionen Deutschland derzeit prüft
Vor diesem Hintergrund wägt Deutschland mehrere Handlungsoptionen ab. Dazu gehören eine engere Zusammenarbeit mit Spanien, die Einbindung Schwedens über Saab oder die Suche nach einer Annäherung an das Vereinigte Königreich als treibende Kraft von GCAP. Letztere Variante gilt als heikel, weil ein möglicher Interessenkonflikt im Raum steht: BAE Systems führt innerhalb desselben Programms die Entwicklung des Tempest-Kampfflugzeugs.
Schweden wird als technisch praktikable Option genannt – nicht zuletzt wegen Saabs Rolle bei der Entwicklung des Gripen sowie der Erfahrung des Unternehmens in den Bereichen Avionik, Sensorik und Leichtbau.
Auch auf politischer Ebene ist das Thema angekommen. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in Madrid an der Seite des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez: „Wir teilen die Einschätzung, dass die aktuelle Situation unbefriedigend ist. Wir kommen mit diesem Projekt nicht voran. Wir beide haben mit der französischen Regierung gesprochen, und wir wollen so schnell wie möglich eine Lösung.“
Der Sprecher der Bundesregierung, Stefan Kornelius, erklärte: „Die Verteilung der Lasten und der Arbeit in diesem Rüstungsprojekt muss gemäss Vertrag erfolgen“, und verwies darauf, dass es hierzu Abstimmungen mit Madrid gebe.
Während die Spannungen innerhalb von FCAS weiter ungelöst sind, hält Italien daran fest, dass zusätzliche Beitritte zu GCAP die industrielle, technologische und finanzielle Tragfähigkeit des Programms stärken könnten. Crosettos Aussagen deuten darauf hin, dass Rom sich als Akteur positionieren will, der Partner in einem strategischen Segment für die europäische und indo-pazifische Verteidigung anzieht. Sollte Deutschland seine Rolle in FCAS neu bewerten, würde eine mögliche Annäherung an GCAP das Kräfteverhältnis in beiden Projekten – und in der künftigen Luftkampfähigkeitsarchitektur des Kontinents – spürbar verändern.
Kurz: Bilder dienen nur der Illustration.
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