Die Schweiz zählt inzwischen zu den Regionen, die sich weltweit am schnellsten aufheizen. Neue nationale Klimaszenarien rechnen bis zum Ende dieses Jahrhunderts mit einer Erwärmung von ungefähr 5°C.
Dass die regionale Erwärmung die globale so deutlich übertrifft, macht künftige Klimarisiken hierzulande zu einer akuten Aufgabe für die Planung – nicht zu einer fernen Projektion.
Ein heisseres Ausgangsniveau in der Schweiz
Aktuelle nationale Klimaszenarien zeigen, dass die Schweiz bereits fast 2,9°C über dem Referenzniveau des späten 19. Jahrhunderts liegt.
Fachleute von MeteoSwiss haben dafür jüngste Messreihen und Projektionen zusammengeführt und die Beobachtungen mit dem sich beschleunigenden Erwärmungstrend im Land verknüpft.
Im gleichen Zeitraum stiegen die globalen Temperaturen nur um rund 1,3°C – damit erwärmt sich die Schweiz mit mehr als dem Doppelten des weltweiten Mittels.
Diese Abweichung führt zu der Leitfrage, die den weiteren Blick auf die Risiken prägt: Weshalb erwärmt sich dieses Alpenland so viel schneller als die Welt insgesamt?
Warum sich die Schweiz schneller erwärmt
Landflächen heizen sich rascher auf als Ozeane, und die Schweiz liegt zudem in einem Teil Europas, der sich besonders stark erwärmt.
Weil Wasserflächen fehlen, die Wärme aufnehmen könnten, fliesst ein grösserer Anteil der Energie in eine höhere Lufttemperatur, statt Verdunstung anzutreiben.
In grösseren Höhenlagen kann sich das sogenannte höhenabhängige Erwärmen verstärken – also eine schnellere Erwärmung in höheren Lagen –, wie das Faktenblatt zu den Bergen erläutert.
Dieses Muster trägt dazu bei zu erklären, weshalb sich die globale Erwärmung für die Schweiz häufig in eine deutlich heissere Zukunft übersetzt.
Hitze nimmt in Städten besonders zu
Extreme Hitzeereignisse haben stärker zugelegt als die mittleren Temperaturen, und laut den Szenarien werden die heissesten Tage weiter zunehmen.
Entlang dieses globalen Entwicklungspfads würden extrem heisse Tage, die früher nur etwa alle 50 Jahre erwartet wurden, ungefähr 17-mal häufiger auftreten.
„Hier in der Stadt ist die Hitze erdrückend, und vor allem nachts kühlt es kaum ab“, sagte eine Stadtbewohnerin in Climate CH2025.
Nachts kann der Wärmeinseleffekt – also dass Städte wärmer bleiben als ihr Umland – dazu führen, dass einzelne Stadtquartiere bis zu 7,2°C heisser sind.
Im Sommer wird Wasser knapper
Heissere Sommer entziehen den Böden mehr Wasser, und Messdaten zeigen, dass der Schweizer Boden in den letzten zwei Jahrzehnten trockener geworden ist.
Steigende Temperaturen erhöhen die Evapotranspiration, also den Wassertransfer von Boden und Pflanzen in die Atmosphäre – dadurch trocknen Felder und Wälder stärker aus.
Im heisseren Szenario träfe eine Sommerdürre, die früher etwa alle zehn Jahre erwartet wurde, bereits alle drei Jahre ein – und die Defizite fielen dabei um 44% grösser aus.
Weniger Feuchtigkeit im Sommer bereitet zudem den Boden für schwierigere Bedingungen bei Waldbrandwetter und verschärft die Konkurrenz um Wasser zwischen Landwirtschaft, Flüssen und Wasserkraft.
Unwetter bringen heftigeren Starkregen
Starke Niederschläge sind bereits häufiger geworden, obwohl die durchschnittlichen Sommerniederschläge in vielen Regionen eher abnahmen.
Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf speichern; wenn genügend Feuchte vorhanden ist, können Gewitter deshalb in kurzer Zeit mehr Regen freisetzen.
Bei demselben Erwärmungsniveau würden Tagesniederschläge, die früher nur etwa alle 50 Jahre beobachtet wurden, ungefähr doppelt so oft auftreten.
Solche intensiveren Regenstösse erhöhen ausserdem das Risiko von Sturzfluten und machen Hagelschäden zu einer grösseren Sorge.
Die Schneesaison schrumpft weiter
Im Winter nahmen die Niederschläge insgesamt zu, doch ein grösserer Anteil fiel als Regen, und die natürliche Schneedecke ging in tieferen Lagen zurück.
Mit steigenden Temperaturen verschiebt sich die Nullgradgrenze – die Höhe, in der die Luft um den Gefrierpunkt bleibt – nach oben und verändert die Bedingungen im Gebirge.
Im Fall starker Erwärmung prognostiziert der Bericht einen weiteren Anstieg dieser Grenze um 550 Meter, wodurch die Zahl der Schneetage in den Tälern sinkt.
Seit 1960 hat die Schneedecke in tiefen Lagen um etwa 40% abgenommen; damit können Wintersportorte und Wasserbewirtschafter nicht mehr auf die früheren Wintermuster bauen.
Wenn Risiken zusammen auftreten
Probleme verschärfen sich besonders dann, wenn Hitze, Dürre und Starkregen nicht nacheinander kommen, sondern zusammentreffen – und die Szenarien warnen, dass genau das möglich ist.
Eine wärmere Atmosphäre erhöht die Wahrscheinlichkeit von Extremen, während die interne Variabilität – natürliche Schwankungen von Jahr zu Jahr in den Wettermustern – weiterhin bestimmt, wo sich Unwetter festsetzen.
Nach Wochen trockener Hitze können plötzliche Wolkenbrüche Überschwemmungen und Erdrutsche auslösen, weil ausgehärtete Böden Wasser schneller abweisen.
Solche Kaskadenereignisse können Notfallpläne überfordern, die Gefahren einzeln behandeln – besonders in engen Tälern.
Planung muss sich anpassen
Wer sich nur an der Vergangenheit orientiert, verfehlt heute die steile Trendlinie, die weiter nach oben zeigt.
Ein robuster Ansatz verbindet historische Daten mit Projektionen und legt dann rechtzeitig Verbesserungen für Gesundheitsschutz, Landwirtschaft und Infrastruktur fest, bevor teure Ausfälle eintreten.
Weil die Szenarien Beobachtungen mit möglichen Zukunftspfaden abgleichen, können Behörden sie nutzen, um Hitzewarnungen festzulegen und Hochwasserschutz zu dimensionieren.
Regelmässige Aktualisierungen der Szenarien bleiben wichtig, da neue Modelle und längere Datenreihen Details verschieben können, ohne die zentrale Aussage zur Erwärmung zu verändern.
Jede Zehntelgrad zählt
Wie stark die Temperaturen künftig steigen, hängt von den Emissionen ab – und der Bericht betont, dass schon kleine Reduktionen Schäden verringern.
Klimaziele definieren ein Emissionsbudget: die verbleibende Menge an Verschmutzung, die noch ausgestossen werden darf, bevor ein Ziel überschritten wird – und dieses Budget schrumpft jedes Jahr.
Im Pariser Abkommen haben Staaten das Ziel gesetzt, unter 2°C zu bleiben und 1,5°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau anzustreben.
Netto-Null zu erreichen – Emissionen durch Entnahmen aus der Luft auszugleichen – bleibt bis zur Mitte des Jahrhunderts zwar schwierig, begrenzt jedoch Extreme.
Nächste Schritte für die Schweiz
Die Szenarien legen die Erwärmung auf eine Zeitachse. Sie zeigen, wie heutige Hitzerekorde mit künftigen Wasserengpässen, Hochwasserrisiken und kürzeren Schneesaisons zusammenhängen.
Fortlaufende Aktualisierungen, stärkere lokale Planung und Emissionsminderungen können die Werte weiterhin nach unten drücken, auch wenn die Schweiz globale Trends nicht allein steuern kann.
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