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Neuer Fund in Jerusalem: Form für Statuetten aus dem Ersten Tempel entdeckt

Archäologe hält eine antike Terrakotta-Statue mit Ausgrabungswerkzeugen auf Holztisch im Freien.

Das israelische Tourismusministerium teilte mit, dass Forschende der Israelischen Altertumsbehörde bei Ausgrabungen im Davidsturm-Museum in Jerusalem einen aussergewöhnlichen Fund gemacht haben: Erstmals wurde eine Form entdeckt, mit der Figurinen aus der Zeit des Ersten Tempels hergestellt wurden. Zwar sind in der Stadt bereits zahlreiche solche Tonfiguren ans Licht gekommen, doch ein entsprechender Produktionsabdruck wurde bislang nie gefunden – und liefert nun deutliche Hinweise darauf, dass ein Teil dieser Stücke vor Ort gefertigt wurde.

Fund am Davidsturm-Museum in Jerusalem: die Form aus dem Kishle-Areal

Die Form wurde im Bereich Kishle innerhalb des Museumskomplexes entdeckt. Nach dem Fund reinigten und restaurierten Fachleute das Stück sorgfältig, sodass die feinen Details der im Inneren geformten Frauenmaske wieder sichtbar wurden. Zu erkennen sind zarte Gesichtszüge sowie eine aufwendig gestaltete, gelockte Frisur. Die Bergung und die anschliessende Rekonstruktion bzw. Reproduktion der Form erfolgten durch Konservierungsspezialistinnen und -spezialisten der Altertumsbehörde.

Figurinen aus der Zeit des Ersten Tempels: Datierung, Grösse und Herstellung

Die Tonstatuetten werden in die Zeit zwischen dem 8. und dem 6. Jahrhundert v. Chr. datiert und sind typischerweise etwa 10 bis 20 Zentimeter hoch. Viele Exemplare wurden mit Bruchstellen auf Hals-Höhe gefunden – ein Umstand, der auf die handwerkliche Technik hinweist: Die Figuren bestanden aus separat gefertigten Teilen, wobei das Gesicht mithilfe eines eigenen Formstücks hergestellt wurde.

Judean Pillar Figurines und weitere Motive: Aussehen und Bemalung

Bei den weiblichen Figurinen, die als „Judean Pillar Figurines“ bekannt sind, handelt es sich um Darstellungen von Frauen mit charakteristischen Frisuren und Händen, die unterhalb der Brüste positioniert sind. Zum bekannten Repertoire gehören ausserdem Statuetten von Reitern auf Pferden sowie zoomorphe Figuren, überwiegend Pferde. Die Objekte erhielten eine weisse Engobe und wurden anschliessend mit gelben, roten und schwarzen Pigmenten bemalt.

Deutung und Nutzung: Debatte um Amulette, Fruchtbarkeit oder Spielzeug

Wie diese Statuetten zu verstehen sind und wozu sie dienten, ist laut Debbi Ben-Ami, Kuratorin für die Eisenzeit bei der Behörde, weiterhin Gegenstand von Diskussionen. Da die Funde sowohl in Wohnhäusern als auch auf Strassen und in Gräbern auftauchen, reichen die Deutungen von häuslichen Amuletten über Fruchtbarkeitssymbole im Zusammenhang mit der Göttin Aschera bis hin zu Kinderspielzeug. Der nun entdeckte Formfund könnte dazu beitragen, diese Fragen künftig präziser zu beantworten.

Eilat Lieber, Direktorin des Davidsturm-Museums, betonte die Begeisterung über die Entdeckung und lud Besucherinnen und Besucher ein, sich im Sommer an den archäologischen Arbeiten zu beteiligen, indem sie Erdmaterial aus den Kishle-Ausgrabungen durchsieben. „Jedes gefundene Fragment hilft dabei, die Geschichte Jerusalems zu erzählen, und macht die Besucher zu Partnern bei der Bewahrung des Erbes der Stadt.“

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