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Spukhaus-Schreck könnte das Immunsystem stärken – Studie der Aarhus Universität

Junger Mann im Flur wirkt erschrocken, umgeben von gezeichneten, leuchtenden Mikroben oder Viren.

Ein Besuch im Spukhaus könnte das Immunsystem spürbar beeinflussen. Neue Daten deuten darauf hin, dass ein gezielter Schreckmoment die körpereigene Abwehr anstossen kann – ähnlich wie ein kurzer Kältereiz, etwa beim Eisbaden.

Studie in Dänemark: Spukhaus-Besuch als kontrollierter Angst-Reiz

Für die Untersuchung verbrachten 22 Teilnehmende mit niedrigen (niedriggradig erhöhten) Entzündungsmarkern im Blut rund 50 Minuten in einem Spukhaus. In dieser Zeit wurden sie mit typischen Horrorszenarien konfrontiert: mörderische Clowns, verwesende Zombies sowie Angreifer mit Kettensägen, blutigen Metzgerschürzen und Schweinemasken.

Drei Tage nach dem Besuch stellten Forschende der Aarhus Universität in Dänemark fest, dass die Entzündungswerte bei mehr als 80 Prozent der Gruppe gesunken waren. Bei fast der Hälfte der Teilnehmenden hatten sich die Werte sogar vollständig normalisiert.

Zusätzlich betraten 91 weitere Freiwillige das Spukhaus, die zu Beginn keine Ausgangsentzündung aufwiesen. Auch in dieser Gruppe beobachtete das Team erneut Veränderungen im Immunsystem.

Warum „sicherer Schrecken“ mehr ist als nur Nervenkitzel

Spukhäuser ähneln anderen sicheren, aber furchteinflössenden Freizeitaktivitäten: Sie gehen mit einem Adrenalinschub und einem Anstieg von Endorphinen einher – vergleichbar mit dem „Runner’s High“.

Allerdings ist bislang weniger klar, was solche freiwillig erlebten Angstzustände im Körper konkret bewirken. Zwar können Achterbahnen oder Horrorfilme starke psychische Reaktionen auslösen, die manche Menschen als angenehm und befreiend empfinden. Welche körperlichen Vorteile „Freizeitangst“ haben könnte, ist jedoch noch nicht gut verstanden.

Die aktuelle Spukhaus-Studie aus Dänemark soll genau diese Lücke verkleinern. Sie hatte keine Kontrollgruppe, und die Vergleichsgruppen waren ungleich gross. Trotzdem legen die Ergebnisse nahe, dass sich absichtlich erlebter Schrecken positiv auf die Gesundheit auswirken könnte.

Gemeinsam mit früheren Arbeiten „könnte dies eine mögliche strukturelle Verbindung in der Beziehung zwischen mentalen Zuständen und Entzündung offenlegen“, schreiben die Autorinnen und Autoren um die klinische Forscherin Marie Louise Bønnelykke-Behrndtz.

„Während Angst offenbar mit niedriggradiger, chronischer Entzündung verknüpft ist, könnte Furcht mit dem Höhepunkt und der anschliessenden Auflösung von Entzündung verbunden sein.“

Veränderungen im Blut: welche Immunzellen nach dem Spukhaus sanken

In der Gruppe ohne Entzündung zu Beginn nahmen nach dem Spukhaus-Erlebnis mehrere Immunzelltypen im Blut ab. Dazu gehörten:

  • Lymphozyten, die beim Abtöten von Tumorzellen helfen
  • Monozyten, die Krankheitserreger aufspüren und zerstören
  • zwei Arten weisser Blutkörperchen: Eosinophile und Basophile

In der Entzündungsgruppe hingegen registrierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Rückgänge nur bei Lymphozyten und Monozyten.

Insgesamt sprechen die Daten dafür, dass ausgelöste Angst „zum Spass“ das Immunsystem beeinflussen kann, indem sie die Balance von Immunzellen und Entzündungsmarkern im Blut neu justiert.

Möglicher Mechanismus: das adrenerge System als Schaltstelle

Wie genau dieser Effekt zustande kommt, ist noch offen. Studien an Mäusen weisen jedoch darauf hin, dass Furcht und akuter Stress die Nebennieren stimulieren können. Dadurch werden adrenerge Rezeptoren auf Immunzellen aktiviert.

Das adrenerge System steuert die klassische „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion. Bei Mäusen scheint dieses System das Immunsystem zu mobilisieren und den Körper auf mögliche Verletzungen oder Infektionen vorzubereiten.

Beim Menschen lässt sich das adrenerge System unter anderem durch Kältereize aktivieren. Untersuchungen verknüpfen solche frostigen Erfahrungen mit anti-entzündlichen Markern. Ob „Freizeitangst“ das adrenerge System auf vergleichbare Weise nutzen kann, ist jedoch bislang unklar.

Intensität der Reaktion im Spukhaus

Während der etwa 50-minütigen Spukhaus-Phase gaben die Teilnehmenden im Mittel einen Schreckensgrad von 5.4 auf einer Skala von 1 bis 9 an. Die Herzfrequenz lag während des Erlebnisses durchschnittlich bei etwa 112 Schlägen pro Minute.

Das spricht für ein moderates bis hohes Angstniveau, das über nahezu eine Stunde hinweg anhielt.

Ähnlich wie ein kaltes Bad im Meer im Winter zeigt auch diese Erfahrung Anzeichen dafür, Entzündung zu reduzieren.

„Zukünftige Forschung sollte die Rolle des adrenergen Systems untersuchen und die Beständigkeit dieser Effekte bestätigen“, schliesst das Aarhus-Team.

Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Gehirn, Verhalten und Immunität.

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