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Cloggs Cave: GunaiKurnai verbrannten Gras 25.000 Jahre lang für Rituale

Älterer Mann in traditioneller Kleidung macht Feuer in einer Höhle mit Sonnenstrahlen und Wandmalereien.

Menschen trugen ganze Graspflanzen tief in eine Höhle im Südosten Australiens und verbrannten sie dort. Zurück blieben hauchdünne Ascheschichten auf dem Boden – und dieses Vorgehen wiederholte sich über 25.000 Jahre.

Eine neue Untersuchung mikroskopisch kleiner Pflanzenreste aus der Cloggs Cave auf GunaiKurnai-Land kommt zu dem Ergebnis, dass Gräser gezielt gesammelt und bewusst in die Höhle hineingebracht wurden.

Die Höhle diente weder als Wohnplatz noch als Ort zum Essen. Überliefertes GunaiKurnai-Wissen und Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert beschreiben sie als abgeschiedenen Rückzugsort. Heilkundige nutzten sie, um Magie und Heilrituale auszuüben.

Das verbrannte Gras verknüpft dieses rituelle Leben mit einer konkreten Handlung, die sich über Hunderte Generationen hinweg immer wiederholte.

Hinweise, die im Höhlensediment verborgen sind

Gräser hinterlassen mehr als nur Pollen. Während des Wachstums nehmen viele Pflanzen gelöste Kieselsäure (Siliziumdioxid) aus dem Boden auf und lagern sie in ihren Zellen ab. So entstehen winzige Körnchen, sogenannte Phytolithe, die die Form der Zellen noch lange bewahren – selbst dann, wenn die Pflanze verfault oder vollständig verbrannt ist.

Elle Grono, Archäologiewissenschaftlerin an der Australian National University (ANU), gewann gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen Phytolithe aus den schichtweise aufgebauten Sedimenten der Höhle.

Cloggs Cave liegt in den Kalkstein-Ausläufern der Victorianischen Alpen im Südosten Australiens. In den Proben dominierten Gräser bei weitem; holzige Pflanzen aus der Umgebung waren dagegen kaum vertreten.

Eine frühere Pollenstudie aus denselben Ablagerungen hatte bereits gezeigt, dass Menschen blühende Pflanzen in die Höhle hineintrugen. Kalksteinhöhlen sammeln von sich aus selten derart viel Pollen. Die Phytolithe liefern nun eine zweite, unabhängige Beleglinie für dasselbe Verhalten.

Ein Signal stach dabei als eindeutig menschlich heraus: Einige Körnchen waren so stark erhitzt worden, dass sie verschmolzen oder ihre Farbe veränderten. Auf den Höhlenboden konnten sie nur durch Feuer gelangen, die Menschen entzündet hatten.

Damit wurden verbrannte Phytolithe zu einem klaren Marker für menschliche Aktivität in einem ansonsten schwer eindeutig zu interpretierenden Archiv.

Menschen trugen Gräser unter Tage

Die Gras-Phytolithe stammten nicht bloß aus einem einzigen Pflanzenteil. Gronos Team fand Körnchen, die in den Samenständen und blühenden Spitzen entstehen, ebenso wie solche aus Blättern sowie Halmen und Stängeln.

Diese vollständige Bandbreite deuten die Forschenden so, dass ganze Graspflanzen gesammelt und hineingetragen wurden – und nicht lediglich Samen ausgeschüttelt oder lose Pflanzenteile eingetragen wurden.

Die verbrannten Gras-Phytolithe lagen gehäuft in dünnen Aschelagen, die sich flach und großflächig über den Boden zogen. Es war nicht das kompakte, begrenzte Streumuster, das ein Kochfeuer typischerweise hinterlassen würde. In diesen Schichten waren sämtliche Pflanzenteile des Grases verbrannt nachweisbar.

Nach Einschätzung des Teams spricht dieses Muster dafür, dass Menschen die Gräser absichtlich in die Höhle brachten und gezielt verbrannten, um Asche zu erzeugen. Die Feuer dienten weder dem Kochen noch dazu, den Raum zu wärmen. Das Ziel war die Asche – immer wieder neu hergestellt, in flachen, bewusst angelegten Lagen.

Pflanzen zu verbrennen, um Asche zu gewinnen, ist auch andernorts seit Langem belegt. In der Border Cave in Südafrika legten Menschen Gräser über Asche, um Insekten fernzuhalten; eine Arbeit datierte diese Praxis auf ungefähr 200.000 Jahre.

Der australische Befund ist jedoch anders gelagert, weil Cloggs Cave nie ein Haushalt war, in dem eine solche praktische „Hauswirtschaft“ naheliegend wäre.

Menschen von Possums unterscheiden

Nicht alles, was sich in Höhlen ablagert, gelangt durch menschliche Hand dorthin. Possums suchen in Höhlen Schutz und hinterlassen Kot. Diese Ausscheidungen enthalten viele Phytolithe aus den Pflanzen, die die Tiere fressen – und sie können in denselben Schichten landen, die auch Menschen nutzten.

Um beide Quellen auseinanderzuhalten, zerlegte das Team einzelne, gut erhaltene Kotballen, die im Sediment eingebettet waren, und dokumentierte die darin enthaltenen Phytolithe.

Die Pflanzenkörnchen aus Possum-Kot ähnelten stark den Körnchen, die in den Ablagerungen insgesamt gefunden wurden – mit einer entscheidenden Ausnahme: Possums entzünden keine Feuer. Verbrannte Phytolithe sind daher ausschließlich Menschen zuzuordnen.

Diese Überschneidung setzt zugleich eine klare Grenze dessen, was sich aus unverbrannten Schichten ablesen lässt. Wo keine Asche vorhanden war, konnte Gronos Team nicht sicher bestimmen, welche Gräser von Menschen eingebracht wurden und welche von Tieren.

Wahrscheinlich enthalten diese Lagen eine Mischung aus beidem. Nur die Ascheschichten lassen sich eindeutig mit menschlicher Aktivität verknüpfen.

Ein Ort für Heilung und Magie

Warum all das geschah, erklärt sich aus der kulturellen Funktion der Höhle. GunaiKurnai-Heilkundige, bekannt als mulla-mullung, nutzten abgeschiedene Höhlen wie diese, um Heilung und Magie fernab des Alltags zu praktizieren.

GunaiKurnai-Elders berichten bis heute von solchen Praktiken, und der Ethnograph Alfred Howitt hielt sie in den 1880er-Jahren fest.

Diese rituelle Welt hinterließ greifbare Spuren. In derselben Höhle fand die Forschungspartnerschaft zuvor kleine Feuerstellen, in denen fettverschmierte Stäbe aus Casuarina-Holz lagen. Diese Stäbe wurden auf etwa 11.000 und 12.000 Jahre datiert.

Eine andere Publikation beschrieb diese Praxis als eines der ältesten, weltweit durchgehend weitergegebenen Rituale.

Zu einer weiteren rituellen Anlage gehörte ein aufrecht aufgestellter Stein, der in einen Boden aus weißer Asche hineingedrückt wurde. Die neue Phytolith-Studie liefert nun einen Hinweis darauf, woher solche Asche stammte: Das Verbrennen gesammelter Gräser erzeugt genau die dünnen, hellen Lagen, die einen solchen Stein stabilisieren konnten.

Die Forschung erfolgte gemeinsam mit der GunaiKurnai Land and Waters Aboriginal Corporation (GLaWAC), die die Traditionellen Besitzer vertritt.

Die Organisation lud Archäologinnen und Archäologen auf ihr Land ein – nach Jahrzehnten früherer Ausgrabungen, die die Höhle lediglich als einfachen Lagerplatz interpretiert hatten.

Für die GunaiKurnai bewahren die Ascheschichten ein Protokoll der Handlungen ihrer Vorfahren. Forschende holen diese Geschichte nun Körnchen für Körnchen unter dem Mikroskop wieder ans Licht.

Alte Asche bewahrt menschliche Geschichte

Vor dieser Arbeit stützte sich das pflanzliche Archiv aus der Cloggs Cave vor allem auf Pollen. Pollen zeigen, was blühte, sagen jedoch wenig darüber aus, wie eine ganze Pflanze behandelt oder genutzt wurde. Phytolithe schließen einen Teil dieser Lücke.

Sie belegen, dass vollständige Gräser geerntet, unter Tage getragen und über die lange Nutzungszeit der Höhle hinweg zu bewusst angelegten Ascheschichten verbrannt wurden.

Diese Kombination aus Ganzpflanzen-Sammeln und wiederholtem Verbrennen war zuvor in den Daten nicht erkennbar.

Gleichzeitig schärft die Methode das Instrumentarium der Archäologie: Verbrannte Phytolithe lassen sich mit Pflanzenkörnchen vergleichen, die in Tierkot eingeschlossen sind. So kann menschliche Aktivität von natürlicher Anreicherung in Höhlen getrennt werden, wo beides lange miteinander vermischt war.

Außerdem können Forschende mehrere unabhängige Pflanzen-Beleglinien miteinander abgleichen, statt sich auf nur eine Quelle zu stützen. Dieser Ansatz könnte verändern, wie ähnliche Ablagerungen an Fundorten weit über dieses Tal hinaus interpretiert werden.

Die Gräser der Cloggs Cave sind vor Tausenden Jahren verbrannt – doch ihr Abdruck ist bis heute lesbar.

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