Wann wird aus einem gewöhnlichen Witz ein Vaterwitz? Sobald er offensichtlich ist.
Solche flachen Wortspiele gelten als Inbegriff des „Vaterwitzes“ – einer Bezeichnung, die sich aus der verbreiteten Neigung von Vätern ableitet, mit albernen Sprüchen und überdehnter Wortakrobatik zu punkten.
Trotzdem: Auch wenn Vaterwitze oft nur Stöhnen und Augenrollen auslösen, könnte die dahinterstehende heitere Haltung Vätern – und ebenso Müttern sowie Eltern bzw. Sorgeberechtigten allgemein – dabei helfen, eine bessere Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen. Darauf deutet eine neue Studie hin.
Vaterwitze und Humor in der Elternschaft: Warum das Thema bisher zu kurz kam
Humor im Kontext von Erziehung und Elternsein sei wissenschaftlich bislang kaum untersucht worden, erklären die Autorinnen und Autoren. Das verwundere umso mehr, weil Humor im menschlichen Zusammenleben allgegenwärtig ist und es in anderen Forschungsfeldern bereits zahlreiche Arbeiten dazu gibt.
Gerade mit Blick auf Ergebnisse aus früheren Studien wirke es wie eine Lücke, dass wir über Humor in der Elternschaft so wenig wüssten, so das Forschungsteam.
„Humor kann Menschen kognitive Flexibilität vermitteln, Stress abbauen und kreatives Problemlösen sowie Widerstandskraft fördern“, sagt der leitende Autor Benjamin Levi, Kinderarzt am Penn State College of Medicine.
„Mein Vater hat Humor eingesetzt, und das war sehr wirksam. Ich nutze Humor in meiner klinischen Praxis und bei meinen eigenen Kindern“, sagt Levi. „Die Frage war dann: Wie setzt man Humor konstruktiv ein?“
Zwar habe frühere Forschung einzelne Aspekte von Humor und Spiel in der kindlichen Entwicklung sowie in anderen Zusammenhängen betrachtet, merken die Autorinnen und Autoren an. Welche Rolle Humor konkret im Erziehungsalltag spielt, sei jedoch weiterhin nur unzureichend verstanden.
Machtgefälle, Stress und Humor: Parallelen zwischen Familie und Arbeitswelt
Aufgrund des in Eltern-Kind-Beziehungen angelegten Machtgefälles könne Humor in Familien womöglich ähnlich helfen, wie Studien es aus der Geschäftswelt nahelegen, sagt Erstautorin Lucy Emery. Sie war während der Arbeit an der Studie Medizinstudentin an der Penn State und ist inzwischen Assistenzärztin in der Pädiatrie am Boston Children’s Hospital.
„Es gibt eine interessante Parallele zwischen Wirtschaft und Elternschaft, die beide hierarchisch sind“, sagt Emery.
„Auch wenn Eltern-Kind-Beziehungen liebevoller sind als Geschäftsbeziehungen, kommen stressige Situationen beim Elternsein häufig vor“, ergänzt sie. „Humor kann helfen, diese Anspannung und Hierarchie zu entschärfen und beiden Seiten das Gefühl geben, mit einer stressigen Situation besser umgehen zu können.“
Pilotstudie: Wie die Befragung aufgebaut war
Weil es kaum Vorarbeiten gab, führte Emery mit ihren Kolleginnen und Kollegen eine kleine Pilotstudie durch. Untersucht werden sollten die Vorstellungen von Menschen zur Rolle von Humor in der Elternschaft – einschliesslich ihrer Erfahrungen als Kinder, die erzogen wurden, sowie ihrer Erfahrungen als Eltern.
Die Autorinnen und Autoren verstehen die Ergebnisse als Ausgangspunkt für weitere Forschung, die genauer klären soll, wie und wann Eltern Humor sinnvoll und konstruktiv einsetzen können.
Für die Studie entwickelte das Team einen Fragebogen mit 10 Items, der Erfahrungen und Einschätzungen zum Thema Humor und Elternschaft erfassen sollte. Anschliessend nutzten die Forschenden ein Online-Tool, um geeignete Teilnehmende zu finden.
Am Ende nahmen 312 Personen im Alter von 18 bis 45 Jahren teil. Die meisten ordneten sich als männlich (63,6 Prozent) und weiss (76,6 Prozent) ein.
Ergebnisse: Positive Einstellungen und Zusammenhang mit der Eltern-Kind-Beziehung
Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, in der eigenen Kindheit mit Humor erzogen worden zu sein. Ausserdem äusserten fast 72 Prozent die Überzeugung, dass Humor eine wirksame Erziehungsmethode ist.
Die meisten Teilnehmenden berichteten zudem, dass sie Humor bei ihren eigenen Kindern einsetzen oder dies vorhaben. Ebenso überwog die Ansicht, Humor habe eher das Potenzial zu helfen als zu schaden.
Darüber hinaus zeigten die Antworten einen Zusammenhang zwischen dem humorvollen Erziehungsstil der Eltern und einigen relevanten Einschätzungen, die die inzwischen erwachsenen Kinder dazu äusserten.
Teilnehmende, die angaben, eine gute Beziehung zu ihren Eltern zu haben, berichteten im Vergleich zu jenen, die eine gute Beziehung verneinten, mit 43 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit, dass ihre Eltern bei der Erziehung Humor genutzt hätten.
Diese Personen waren ausserdem mit nahezu 30 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit bereit, Humor in der Erziehung der eigenen Kinder einzusetzen oder dies zu planen.
Dass Menschen, die selbst humorvoll erzogen wurden, ähnliche Strategien bei ihren Kindern anwenden, erscheint plausibel – dennoch hatten die Studienautorinnen und -autoren keinen so deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen erwartet.
Insgesamt liefere die Studie erste Hinweise darauf, dass „Amerikanerinnen und Amerikaner im gebär- und erziehungsrelevanten Alter Humor als Erziehungsinstrument positiv bewerten und dass ein solcher Einsatz von Humor mit verschiedenen vorteilhaften Ergebnissen verbunden sein kann“, schreiben sie.
Künftige Forschung solle unter anderem untersuchen, wie Eltern unterschiedliche Arten von Humor verwenden, wie Kinder das erleben und wie sich diese Befunde in das bestehende Wissen über die sozialen Funktionen von Humor einordnen lassen, fügen sie hinzu.
„Ich hoffe, dass Menschen lernen können, Humor als wirksames Instrument in der Elternschaft zu nutzen – nicht nur, um Spannung abzubauen, sondern auch, um in sich selbst Widerstandskraft sowie kognitive und emotionale Flexibilität zu entwickeln und dies ihren Kindern vorzuleben“, sagt Levi.
Die Studie wurde in PLOS One veröffentlicht.
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