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2.200 Jahre alter Elefanten-Sprunggelenkknochen belegt karthagischen Kriegselefanten in Spanien

Archäologe hebt großen Knochen im Boden, hinter ihm marschieren Elefanten mit Reitern und Soldaten.

Archäologinnen und Archäologen haben einen 2.200 Jahre alten Elefanten-Sprunggelenkknochen als unmittelbaren physischen Beleg für einen karthagischen Kriegselefanten identifiziert.

Der Fund verankert einen Krieg zwischen Rom und der nordafrikanischen Macht Karthago an einem einzigen erhaltenen Gliedmassenknochen – und verlagert die Erzählung von antiken Berichten hin zu handfester Evidenz.

Ein Knochen im Schutt

In einer befestigten Siedlung an einer Biegung des Guadalquivir in Südspanien, nahe der heutigen Stadt Córdoba, kam der Knochen in einer von Kampfspuren gezeichneten Nutzungsschicht zum Vorschein.

Rafael M. Martínez Sánchez von der Universität Córdoba (UCO) untersuchte das Stück und bestätigte, dass Grösse und Aufbau zum rechten Vorderfuss eines Elefanten passen, der von karthagischen Truppen in eine Schlacht geführt wurde.

Der Knochen lag in Trümmern, die auf ein gewaltsames Ereignis an der Siedlung zurückgehen. Damit wird das Tier in einen konkreten Konfliktmoment eingebettet – auch wenn offenbleibt, um welches einzelne Tier es sich handelte und auf welchem Weg es an diesen Ort gelangte.

Das Sprunggelenk genau bestimmen

Im Labor zeigte sich, dass das würfelförmige Fragment zu keinem der lokalen Knochen von Hirsch, Rind oder Pferd aus derselben Schicht passte.

Der Abgleich mit Museumskeletten ergab: Es handelt sich um einen Karpalknochen, also um einen handgelenkartigen Knochen, der den Vorderfuss stabilisiert.

Bei Elefanten trägt dieses Gelenk bei jedem Schritt enorme Lasten; deshalb bleiben die Gelenkflächen in ihren klaren Formen oft erkennbar, selbst wenn das Material beschädigt ist.

Mit der Bestimmung war geklärt, welches Tier vorliegt – nicht jedoch, wann es eintraf oder was sich unmittelbar um den Fund herum abspielte.

Datierung der Belege

Um den Knochen zeitlich einzuordnen, analysierte das Team die eingestürzte Schuttschicht, in der das Stück über Jahrhunderte gelegen hatte.

Eine Radiokarbondatierung erfasste den verbliebenen Kohlenstoff im Material und grenzte das Alter auf ein bestimmtes Zeitfenster ein.

Die Ergebnisse datieren den Befund ins 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. – und damit in die Zeit des Zweiten Punischen Krieges.

Rom sicherte diese Region erst um etwa 150 v. Chr., was den Knochen in eine Phase legt, in der Heere noch aktiv um die Kontrolle kämpften.

Hinweise auf einen Angriff im Gefecht

Neben dem Knochen fanden die Ausgräber 12 glatte Steinkugeln, die weder zu Kochen, Handwerk noch zu gewöhnlichen Bauarbeiten passen.

Katapulte schleuderten runde Geschosse mit hoher Geschwindigkeit über grosse Distanzen; die Forschenden werteten die Kugeln daher als Artilleriemunition karthagischer Kräfte.

Weitere Indizien am Fundort sprechen dafür, dass während des Krieges eine karthagische Einheit in der Nähe lagerte – und dass der Elefant vermutlich in den Kämpfen starb.

Dieser Kontext deutet auf einen Kriegselefanten in Spanien hin, nicht auf einen Überlebenden von Hannibals Alpenmarsch nach Italien.

Elefanten als Kriegswaffe

Karthago, eine Seemacht an der Küste des heutigen Tunesiens in Nordafrika, betrachtete Elefanten als Waffen – nicht als Kuriositäten.

Treiber fingen wilde Tiere und trainierten sie durch Wiederholung und Belohnung, doch Elefanten wurden nie so domestiziert wie Pferde.

Auf dem Schlachtfeld konnten Grösse und Lärm Infanterie und Pferde einschüchtern; Reiter setzten die Tiere ein, um Linien aufzubrechen oder Flanken zu sichern.

Gleichzeitig barg diese Stärke Risiken: Ein verängstigter Elefant konnte durchgehen, Verbündete niedertrampeln und Chaos auslösen.

Versorgung einer Armee in Bewegung

Elefanten während eines Feldzugs am Leben zu halten, erforderte stetige Versorgung mit Futter und Wasser; karthagische Befehlshaber transportierten Vorräte daher ebenso sorgfältig wie Waffen.

Im Mittelmeerraum wurden die Tiere vermutlich per Schiff verlegt, denn in der Antike lebten in Spanien keine Elefanten von Natur aus.

Da Elefantenknochen in europäischen archäologischen Schichten nur selten auftreten, ist der Grossteil dieses Skeletts wahrscheinlich längst zerfallen.

Kleine, dichte Gelenkknochen können überdauern, wenn grössere Teile zerbröseln – als ungewöhnlicher Rest, den spätere Generationen leicht falsch deuten.

Frühere Spuren in den Alpen

Bevor dieser Knochen entdeckt wurde, stützten sich Historikerinnen und Historiker beim Nachweis von Elefantenmärschen mit Heeren durch Europa vor allem auf schriftliche Quellen.

In seinen Historien schilderte Polybios, wie Hannibal damit rang, 37 Elefanten über den Fluss Rhône zu bringen.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 zu konservierten Schlammablagerungen an einem hohen Pass zwischen Frankreich und Italien identifizierte aufgewühlte Erde und Tierreste, die mit Elefanten vereinbar sind.

„Es gab keinen direkten archäologischen Nachweis für den Einsatz dieser Tiere“, schrieb Sánchez in einer E-Mail.

Warum dieser Knochen überdauerte

Oft entscheidet Zufall darüber, was erhalten bleibt: Dieser Knochen lag in einer Nische, die ihn vor Regen und Wurzeln schützte.

Unter einer seitlich eingestürzten Lehmziegelmauer blieb der Karpalknochen im Schutt eingepackt und entging so der Verwitterung, die frei liegende Knochen zerstört.

Mit einer Länge von etwa 10 Zentimetern war er klein genug, um ihn mitzunehmen – ein Soldat könnte ihn also als Andenken behalten haben.

So oder so: Der Fund erlaubt bislang keine sichere Bestimmung der genauen Elefantenart, und diese Lücke begrenzt, was archäologisch belastbar behauptet werden kann.

Grenzen eines einzelnen Knochens

Aus nur einem Sprunggelenkknochen eine Elefantenart zu bestimmen, ist schwierig, weil viele Elefanten sehr ähnliche Gelenkformen besitzen.

Eine Analyse aus dem Jahr 2014 zu karthagischen Elefanten kam zu dem Schluss, dass die Artzuordnung weiterhin ungeklärt ist.

Einige Hinweise sprechen für einen kleineren afrikanischen Elefanten, der heute nicht mehr existiert, doch der Knochen kann ein asiatisches Tier nicht ausschliessen.

Ohne weitere Knochen oder genetisches Material muss das Team die Artfrage offenlassen – während der Knochen selbst als Kriegsbeleg gewertet wird.

Kriegsgeschichte neu fassen

Im Kontext gelesen verbindet ein einzelner Elefantenknochen eine befestigte Siedlung nahe Córdoba mit karthagischen Feldzügen, die sonst meist nur anhand von Texten rekonstruiert werden.

Künftige Ausgrabungen in Südspanien könnten zusätzliche Details liefern; schon jetzt liegt Archäologinnen und Archäologen jedoch ein physisches Artefakt vor, das sich direkt mit dem historischen Befund abgleichen lässt.

Bildnachweis: Agustín López und Rafael Martínez

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