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Große Umfrage in der Schweiz: Haustierbesitz und Gesundheit

Frau füllt Tabelle aus, Hund schaut über Arm, Katze liegt auf Holztisch, Fenster mit Bergblick im Hintergrund.

Viele Menschen sind überzeugt, dass ein Hund oder eine Katze der Gesundheit guttut. Eine große Umfrage in der Schweiz fand jedoch kaum Hinweise darauf, dass der Besitz eines Haustiers tatsächlich einen spürbaren Unterschied macht.

Geleitet wurde die Untersuchung von Rahel Marti an der Universität Basel in der Schweiz. Das Team wertete die Antworten von 2.328 Erwachsenen aus, die in einer Befragung Angaben zu ihren Haustieren, ihrer Gesundheit und ihrem Alltag gemacht hatten.

Für die Auswertung arbeitete die Gruppe zudem mit Forschenden des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) nahe Basel zusammen.

Wer typischerweise Haustiere hatte

Schon zu Beginn unterschieden sich Haustierhalterinnen und Haustierhalter von Personen ohne Haustier. Im Durchschnitt waren sie etwa vier Jahre jünger und häufiger weiblich.

Außerdem lebten sie eher im ländlichen Raum und in größeren Haushalten. Ein Hochschulabschluss war bei ihnen seltener, und auch der Anteil der Personen im Ruhestand lag niedriger.

Für die Interpretation sind solche Unterschiede wichtig. Um einen faireren Vergleich zu ermöglichen, berücksichtigte das Team in den Analysen unter anderem Alter, Geschlecht, Einkommen und weitere Einflussfaktoren.

Trotz dieser statistischen Anpassungen blieb die kleine Differenz beim Gesundheitsstatus bestehen. Genau deshalb vermuten die Forschenden, dass nicht das Haustier selbst die Ursache ist.

Haustierbesitz zeigte kaum gesundheitlichen Nutzen

Insgesamt waren Menschen mit Haustier nicht gesünder als Personen ohne Haustier. Wenn überhaupt, beschrieben sie ihren Gesundheitszustand minimal schlechter.

Auch beim Rauchen gab es eine kleine Abweichung: Haustierhaltende gaben im Schnitt etwa 0.19 Zigaretten pro Tag mehr an als Nicht-Haustierhaltende. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das ungefähr 70 Zigaretten, wobei das Team den Unterschied als gering einstuft.

Bei den Bereichen, in denen man häufig positive Effekte durch Haustiere erwartet, zeigte sich hingegen keine Veränderung. Beide Gruppen lagen gleichauf bei Einsamkeit, Lebenszufriedenheit, psychischem Wohlbefinden und der alltäglichen Unterstützung durch andere Menschen.

Auch bei Arztbesuchen ergaben sich keine Unterschiede. Und selbst Personen, die regelmäßig Zeit mit Tieren außerhalb des eigenen Haushalts verbrachten, ohne ein Tier zu besitzen, zeigten überhaupt keinen gesundheitlichen Unterschied.

Emotionale Unterstützung durch Haustiere war nicht gesünder

Entscheidender als der reine Besitz schien die Beziehung zum Tier zu sein – jedoch nicht immer in der Richtung, die man vermuten würde.

Wer angab, sich vom eigenen Tier emotional besonders unterstützt zu fühlen, berichtete mehr Einsamkeit statt weniger. Gleichzeitig war das psychische Wohlbefinden leicht niedriger.

Das widerspricht der gängigen Erzählung, Haustiere würden vor allem trösten und entlasten. Eine mögliche Deutung ist, dass Menschen, die stark auf ein Tier als Stütze setzen, bereits zuvor belastet sind.

Die aufgewendete Zeit mit dem Tier zeigte ein gemischtes Bild: Mehr Stunden gingen mit höherem psychischem Wohlbefinden einher, zugleich aber auch mit leicht mehr Rauchen.

Engere Bindungen bei Hunden

Am deutlichsten traten Muster in der Qualität der Mensch-Tier-Beziehung hervor.

Frauen berichteten im Vergleich zu Männern von stärkerer Bindung an ihre Tiere und davon, mehr emotionale Unterstützung zu erhalten.

Hunde lagen dabei vor allen anderen Tierarten. Personen, die mit einem Hund zusammenlebten oder regelmäßig Zeit mit einem Hund verbrachten, gaben die engsten Beziehungen an.

Mehr gemeinsame Zeit bedeutete eine stärkere Bindung. Das Zusammenleben mit dem Tier – im Gegensatz zum bloßen Besuchen – erhöhte ebenfalls das Gefühl von Nähe und Unterstützung.

Menschen, die nie verheiratet waren, berichteten ebenfalls eine stärkere Verbundenheit. In größeren Haushalten und bei Personen im Ruhestand fiel diese Bindung hingegen tendenziell schwächer aus.

Andere Tiere, andere Muster

Bei weniger interaktiven Tieren zeigte sich ein anderes Bild. Regelmäßiger Kontakt mit Fischen, Reptilien oder Insekten war mit geringerem psychischem Wohlbefinden verbunden.

Kontakt zu Nutztieren oder Pferden hing mit einer schwächeren Bindung zusammen. Diese Tiere bieten womöglich nicht die gleiche alltägliche Nähe wie ein Hund oder eine Katze.

Ein Ergebnis passte nicht in dieses Gesamtmuster: Regelmäßiger Kontakt mit Tieren aus einer „Sonstige“-Kategorie war mit höherer Lebenszufriedenheit verknüpft, auch wenn das Team diesen Befund vorsichtig bewertet.

Die Autorinnen und Autoren interpretierten solche Unterschiede insgesamt zurückhaltend. Tiere, mit denen Menschen regelmäßig über Berührung und gemeinsame Aktivitäten interagieren, könnten das Wohlbefinden auf andere Weise beeinflussen als etwa ein Aquarium.

Ursache und Wirkung bleiben unklar

Die Befragung wurde zu einem einzigen Zeitpunkt durchgeführt. Ein solches Design kann Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht belegen, was was verursacht.

Für die beobachtete Gesundheitsdifferenz kommen mehrere Erklärungen infrage. Möglich wäre, dass Haustierbesitz ungünstigere Gewohnheiten fördert – oder dass Personen mit schlechterer Gesundheit eher ein Tier anschaffen, um Gesellschaft zu haben.

Das Team hält die zweite Erklärung, einen Selektionseffekt, für plausibler. Menschen unter Stress, die tendenziell mehr rauchen, könnten gezielt ein Tier als Trost suchen.

Zudem war die Studie explorativ angelegt und prüfte viele mögliche Beziehungen gleichzeitig.

Jedes Ergebnis stützte sich dabei auf jeweils eine einzelne Umfragefrage. Und da alle Teilnehmenden in der Schweiz lebten, lassen sich die Resultate möglicherweise nicht ohne Weiteres auf andere Bevölkerungen übertragen.

Was wichtiger ist als der Haustierbesitz

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der bloße Besitz eines Haustiers nicht mit besserer Gesundheit oder mehr Wohlbefinden verbunden ist. Stattdessen haben wir festgestellt, dass die Beziehung, die Menschen zu ihren Tieren haben, deutlich nuancierter ist als eine einfache Ja-oder-Nein-Frage zum Haustierbesitz“, so die Forschenden.

„Zwei Menschen können beide einen Hund besitzen, aber ihre Beziehungen zu diesem Hund können sehr unterschiedlich sein.“

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das Verständnis dieser Unterschiede aufschlussreicher sein kann, als einfach Haustierhalterinnen und Haustierhalter mit Nicht-Haustierhaltenden zu vergleichen.“

Die Autorinnen und Autoren betonten, dass in manchen Fällen nicht das bloße Halten eines Haustiers entscheidend war, sondern ob Menschen ihr Tier als Quelle emotionaler Unterstützung betrachteten und wie viel Zeit sie miteinander verbrachten.

Unterstützt wurde die Forschung durch den Schweizerischen Nationalfonds.

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