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Dschabal Thawr bei Mekka: Geologisches Archiv und die Höhle von Thawr

Mann untersucht faszinierenden Kristall in einem felsigen Höhlenfenster mit Blick auf eine Wüstenstadt.

Der Dschabal Thawr erhebt sich südlich der Großen Moschee in Mekka und ist weltweit wegen seiner Rolle in der islamischen Geschichte bekannt. Nach offiziellen saudischen Besucherinformationen suchten der Prophet Muhammad und sein Gefährte Abu Bakr während der Auswanderung nach Medina für drei Nächte Schutz in der Höhle von Thawr.

Doch der Berg trägt zugleich eine deutlich ältere Geschichte in sich – nicht in Handschriften, sondern in Mineralen. Thomas Winslow Sisson, Forschungsgeologe beim US-amerikanischen Geologischen Dienst (U.S. Geological Survey), bezeichnet ihn als geologisches „Archiv“. Allerdings fehlt bislang eine direkte Labor-Datierung; ohne sie lässt sich das exakte Alter des Dschabal Thawr nicht endgültig festlegen.

Ein uralter Hinweis unter Mekka

Offizielle geologische Angaben führen das Gestein des Dschabal Thawr als Tonalit: ein grobkörniges, hellgraues Gestein, das vor allem aus Plagioklas (einem häufigen Feldspatmineral) besteht, dazu aus Quarz sowie dunklen Mineralen wie Biotit und Amphibol.

Tonalit gehört zu einer Gruppe granitähnlicher Gesteine, die entstehen, wenn Magma unter der Erdoberfläche eingeschlossen wird und so langsam abkühlt, dass sichtbare Kristalle wachsen können.

Eine regionale Übersicht aus dem Jahr 2025 zum Arabischen Schild – dem uralten felsigen Untergrund unter großen Teilen Westarabiens – nennt für magmatisch gebildete Gesteine im Makkah-Bogen Alter von etwa 824 Millionen und 802 Millionen Jahren.

Dieser Bogen ist ein alter Gürtel aus vulkanischen und unterirdischen magmatischen Gesteinen rund um Mekka. Die genannten Datierungen machen es plausibel, dass einige nahegelegene Formationen ein Alter von über 800 Millionen Jahren erreichen.

Gleichzeitig sind diese Werte lediglich regionale Indizien und keine direkte „Geburtsurkunde“ für den Dschabal Thawr. In anderen Bereichen des weiteren Arabischen Schildes kommen auch Gesteine vor, die sich vor rund 665 Millionen Jahren gebildet haben; sie gehören jedoch zu eigenständigen Einheiten und dürfen nicht automatisch als zweite Aufbauphase gerade dieses Berges interpretiert werden.

Wie winzige Kristalle Tiefenzeit sichtbar machen

Wie kann ein Kristall, kleiner als ein Sandkorn, Zeiträume erschließen, die jede Vorstellung sprengen? In der Geologie ist Zirkon dafür ein zentrales Mineral: Er ist widerstandsfähig und kann beim Erstarren geschmolzenen Gesteins Uran in seine Kristallstruktur einbauen.

Uran wandelt sich mit bekannten Raten zu Blei um – eine natürliche Uhr. Werden in Zirkonen beide Elemente gemessen, lässt sich abschätzen, wann Magma zu festem Gestein auskühlte; zudem liefern zwei unabhängige Uran-Zerfallsreihen eine interne Gegenprüfung.

Der entscheidende fehlende Schritt ist leicht zu benennen, auch wenn die Laborarbeit anspruchsvoll ist: Es bräuchte repräsentative Proben vom Dschabal Thawr, eine sorgfältige Dokumentation der Entnahmestellen und anschließend eine direkte Uran-Blei-Datierung von Zirkonen, bevor ein präzises Kristallisationsalter für den Berg angegeben werden kann.

Uraltes Gestein, jüngerer Berg

Das Alter eines Gesteins ist nicht automatisch das Alter der heutigen Bergform. Tonalit kann vor mehr als 800 Millionen Jahren tief unter der Oberfläche erstarrt sein, während sich das heutige Relief Westarabiens erst viel später herausbildete – im Zuge der Öffnung des Rifts am Roten Meer, als sich Arabien von Afrika zu lösen begann.

Die maßgebliche Dehnung setzte ungefähr vor 29 bis 26 Millionen Jahren ein; Studien verorten in den darauf folgenden mehreren Millionen Jahren wichtige Phasen von Hebung und Abtragung entlang der Ränder der Riftzone.

In Teilen des Roten Meeres entstand bis etwa vor 13 Millionen Jahren neuer Ozeanboden, wobei der Zeitpunkt entlang dieser langen und komplexen Plattengrenze variiert.

Praktisch betrachtet veränderten Dehnung und Erwärmung die Mächtigkeit und den Auftrieb der Erdkruste. Dadurch konnte Westarabien ansteigen, während Erosion das darüberliegende Gestein abtrug.

Dabei handelte es sich nicht um einen einzelnen, klaren Aufwärtsschub. Stattdessen deuten Mineral-Abkühlungsgeschichten auf mehrere Phasen von Hebung und Erosion hin.

Wie die Höhle von Thawr entstanden sein könnte

Auf Fotografien sind gerundete Blöcke und breite Klüfte zu erkennen, wie sie für stark verwittertes, unterirdisch erstarrtes magmatisches Gestein typisch sind.

In einer fotobasierten Deutung schlug der Geologe vor, dass Verwitterung scharfe Kanten entlang von Rissen nach und nach abrundete, während die Schwerkraft große Blöcke hangabwärts verlagerte.

Ein Block könnte sich schließlich oberhalb einer Lücke zwischen größeren Gesteinen verkeilt und so das natürliche „Dach“ des Unterschlupfs gebildet haben.

Dieses Modell ist schlüssig, doch allein anhand von Fotos lässt sich nicht jeder Schritt eindeutig klären. Um es zu prüfen, wären detaillierte Kartierungen im Gelände erforderlich.

Drei Uhren in einem Berg

Die erste Uhr erfasst die Kristallisation. Eine Uran-Blei-Datierung von Zirkon könnte zeigen, wann das ursprüngliche Magma abkühlte – und wäre damit der stärkste direkte Test, ob das Gestein des Dschabal Thawr zu einer Episode gehört, die älter als 800 Millionen Jahre ist.

Eine zweite Uhr beschreibt die Abkühlung während des Weges des Gesteins zur Oberfläche. Verfahren, die mikroskopische Schadensspuren in Apatit oder in Mineralen eingeschlossenes Helium auswerten, können rekonstruieren, wann tief begrabenes Gestein aufstieg, auskühlte und das Material verlor, das es einst bedeckte.

Danach folgt die Oberflächen-Uhr: Kosmische Strahlung erzeugt in den obersten Zentimetern freiliegenden Gesteins seltene Isotope. Ihre Messung kann verraten, wie lange ein Block oder eine Felswand dem Himmel ausgesetzt war – ein Prozess, der manchmal mit einem geologischen „Sonnenbrand“ verglichen wird.

Warum direkte Tests wichtig sind

Der Dschabal Thawr könnte drei zusammenhängende Kapitel der Erdgeschichte bewahren: von der Kristallisation des Magmas über die Hebung des Gebirges bis zur endgültigen Freilegung an der Oberfläche.

Mit direkter Probenahme ließe sich eine überzeugende regionale Deutung in eine standortspezifische Zeitachse überführen. Gleichzeitig könnte Feldarbeit – bei voller Achtung seiner religiösen Bedeutung – den vorgeschlagenen Entstehungsweg der Höhle prüfen.

Derzeit ist die treffendste Schlussfolgerung zugleich eindrucksvoll und zurückhaltend: Der Berg könnte Gestein enthalten, das mehr als 800 Millionen Jahre alt ist; sein exaktes Alter bleibt jedoch eine offene Messfrage und keine bereits gesicherte Tatsache.

Die wichtigste regionale geologische Übersicht, geleitet von Wadee Kashghari, wurde vom Saudischen Geologischen Dienst als Kritische Überprüfung des stratigraphischen Rahmens des Arabischen Schildes veröffentlicht.


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