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MRT-Studie zeigt: Achtsamkeitsmeditation lindert Schmerzen ohne Placebo

Junger Mann meditiert mit EEG-Halstuch vor Monitoren mit Gehirn-Scans in einem Labor.

Wenn man starke Schmerzen hat, wirkt der Rat, tief durchzuatmen und die Empfindungen im Körper einfach anzunehmen, zunächst oft alles andere als tröstlich.

Neue Forschung, die Schmerz-Signaturen in MRT-Scans ausgewertet hat, deutet jedoch darauf hin, dass Achtsamkeitsmeditation zur Schmerzlinderung über einen reinen Placeboeffekt – also die Erwartung, dass etwas helfen wird – hinausgeht: Sie kann Schmerzen tatsächlich messbar reduzieren.

Achtsamkeitsmeditation bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst bei auftauchenden Sinneseindrücken zu halten, während diese vorbeiziehen, ohne sie zu bewerten oder abzuwehren. Ihren Ursprung hat die Praxis in hinduistischen und buddhistischen Traditionen; seitdem sie in den 1970er-Jahren in der westlichen Popkultur ankam, rückt sie auch im westlichen Wissenschaftsbetrieb zunehmend in den Fokus.

„Der Geist ist enorm mächtig, und wir versuchen noch immer zu verstehen, wie wir ihn für das Schmerzmanagement nutzen können“, sagt der Anästhesist Fadel Zeidan von der Universität von Kalifornien in San Diego (UCSD).

„Indem man Schmerz vom Selbst trennt und auf wertende Urteile verzichtet, kann Achtsamkeitsmeditation direkt verändern, wie wir Schmerz erleben – ganz ohne Medikamente, ohne Kosten und überall praktizierbar.“

Studiendesign: zwei klinische Versuche mit Hitze-Reiz und MRT

Der Neurowissenschaftler Gabriel Riegner (UCSD), Zeidan und Kolleginnen und Kollegen wollten die unterschiedlichen Schmerz-Signaturen im Gehirn voneinander abgrenzen und prüfen, ob die schmerzlindernde Wirkung von Achtsamkeitsmeditation – wie sie vermuteten – mehr ist als nur Placebo.

Dafür rekrutierte das Team 115 gesunde Teilnehmende, die auf zwei getrennte klinische Studien verteilt wurden. In beiden Versuchen berührten die Forschenden die Rückseite der rechten Wade jeder Person mit einer erhitzten Sonde. Dadurch entstanden Wellen schmerzhafter, aber ungefährlicher Hitze.

Vor und nach den Experimenten wurden die Gehirne der Teilnehmenden per MRT untersucht. Zusätzlich bewerteten sie selbst die Intensität ihrer Schmerzen sowie deren Unangenehmheit auf einer 0–10-Schmerzskala.

Ein Teil der Gruppe erhielt im Vorfeld ein Training in Achtsamkeitsmeditation: Erfahrene Kursleitende unterrichteten die Technik in vier separaten Sitzungen zu jeweils 20 Minuten. Dabei lernten die Teilnehmenden, die wechselnden Rhythmen ihres Atems zu beobachten und aufkommende Gedanken, Gefühle und Emotionen wahrzunehmen, ohne darauf zu reagieren oder sie zu beurteilen.

Andere Teilnehmende bekamen eine gleich lange Schein-Achtsamkeitsmeditation, die ausschließlich aus tiefem Atmen bestand. Wieder andere erhielten eine Placebo-Creme aus Vaseline, von der ihnen gesagt wurde, sie würde Schmerzen reduzieren.

Als weitere Kontrollbedingung hörte eine Gruppe statt Meditationsanleitung ein Hörbuch: Naturgeschichte und Altertümer von Selborne des Pfarrers und Naturforschers Gilbert White aus dem 18. Jahrhundert.

Welche Schmerz-Signaturen im Gehirn ausgewertet wurden

Die MRT-Scans lieferten Daten zu mehreren unterschiedlichen Schmerz-Signaturen, darunter: die nozizeptiv-spezifische Schmerzsignatur (NPS), die mit der Schmerzintensität in Verbindung steht; die negativ-affektive Schmerzsignatur (NAPS), die den emotionalen Anteil des Schmerzerlebens abbildet; sowie die reizunabhängige Schmerzsignatur (SIIPS-1). Letztere hängt mit psychosozialen Faktoren zusammen – etwa mit unseren Erwartungen an Schmerz – und erfasst damit placebo-basierte Dimensionen.

Ergebnisse: Achtsamkeitsmeditation senkt Schmerz ohne Placebo-Muster

Achtsamkeitsmeditation führte im Vergleich zu Placebo und Kontrollen zu einer stärkeren Abnahme der selbst berichteten Schmerzen und zugleich zu niedrigeren Werten bei NPS und NAPS. Bei der placebo-basierten Signatur SIIPS-1 zeigte jedoch nur eine Maßnahme eine deutlich geringere Reaktion: die Placebo-Creme.

Das spricht dafür, dass die positiven Effekte der Achtsamkeitsmeditation durch andere Mechanismen zustande kommen als durch Placebo. Denn wenn es hier eine relevante Überlappung gäbe, hätte die Meditationsintervention ebenfalls einen signifikanten Effekt auf SIIPS-1 zeigen müssen.

„Lange wurde angenommen, dass sich der Placeboeffekt mit den Gehirnmechanismen aktiver Behandlungen überschneidet – doch diese Ergebnisse legen nahe, dass das bei Schmerz nicht der Fall sein muss“, sagt Zeidan.

„Stattdessen sind diese beiden Gehirnreaktionen vollständig voneinander getrennt, was die Nutzung von Achtsamkeitsmeditation als direkte Intervention bei chronischen Schmerzen stützt – und nicht als Methode, den Placeboeffekt zu aktivieren.“

Das Team hofft, dass die Resultate helfen, Behandlungen für die Millionen Menschen zu verbessern, die täglich mit chronischen Schmerzen leben, und so ihre Lebensqualität zu steigern.

„Wir freuen uns darauf, die Neurobiologie der Achtsamkeit weiter zu erforschen und zu verstehen, wie wir diese uralte Praxis in der Klinik nutzen können“, sagt Zeidan.

Diese Forschung wurde in der Fachzeitschrift Biologische Psychiatrie veröffentlicht.

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