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Studie: Natur als virtueller Hintergrund auf Zoom kann Videokonferenz-Müdigkeit senken

Junger Mann sitzt am Schreibtisch und schaut konzentriert auf den Laptop mit Landschaftsbild.

Nach einem langen Videoanruf völlig ausgelaugt? Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie könnte ein Teil der Müdigkeit mit dem Hintergrund zusammenhängen, den Sie auf dem Bildschirm einblenden – und ein Naturmotiv könnte helfen.

Ob berufliche Besprechungen, Fernunterricht in der Schule oder ein kurzer Austausch mit Freunden und Familie: Videoanrufe gehören für viele Menschen längst zum Alltag – besonders seit der COVID-Pandemie.

Mit der wachsenden Bildschirmzeit hat sich ein neues Phänomen etabliert, das als „Videokonferenz-Müdigkeit“ bezeichnet wird. Dahinter kann sich körperliche, emotionale oder kognitive Erschöpfung verbergen.

Was „Videokonferenz-Müdigkeit“ antreibt

Mehrere Auslöser für Videokonferenz-Müdigkeit sind bereits bekannt: etwa steigende Anspannung durch das eigene Spiegelbild im Bild, paralleles Multitasking oder ganz banale Verbindungsprobleme.

Zwei Forschende in Singapur wollten nun einen weiteren möglichen Einflussfaktor prüfen: den virtuellen Hintergrund, den viele nutzen, um zu verbergen, was tatsächlich hinter ihnen zu sehen ist.

Das ist auch deshalb relevant, weil frühere Forschung „darauf hindeutet, dass Nutzende während Videokonferenzen die überwiegende Zeit auf sich selbst fokussieren“, sagte der Forscher Heng Zhang von der Technologischen Universität Nanyang in Singapur gegenüber AFP.

Statt die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner im Blick zu behalten, scheint ein grosser Teil der Videotelefonate darauf zu entfallen, das eigene Bild zu kontrollieren.

Wenn Menschen ihren Hintergrund auswählen, „entscheiden sie sich im Grunde für einen ‚neuen Anzug‘ für sich selbst“, erklärte Zhang, Mitautor der neuen Studie in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychologie.

„Der virtuelle Hintergrund ist nicht nur Dekoration – er beeinflusst, wie Nutzende sich selbst wahrnehmen und wie sie von anderen wahrgenommen werden.“

Online-Umfrage in Singapur: 610 Zoom-Nutzende

Im Frühjahr 2023 führten die Forschenden eine Online-Umfrage unter 610 Zoom-Nutzenden in Singapur durch. Zoom zählt zu den weltweit meistgenutzten Apps für Videokonferenzen.

Wie bei anderen Anwendungen lässt sich bei Zoom der Bereich hinter der Person weichzeichnen – zum Beispiel ein unaufgeräumtes Schlafzimmer – oder durch beliebige Motive ersetzen: Büroszenen, Stadtansichten, Wälder und vieles mehr.

Ausserdem können Videohintergründe mit Bewegung gewählt werden, etwa ein Strand, an dem Wellen ans Ufer rollen, oder Palmen, die sich im Wind wiegen.

Die Teilnehmenden waren zwischen 22 und 76 Jahre alt, arbeiteten an drei Tagen pro Woche im Homeoffice und sollten dokumentieren, welche Hintergründe sie nutzten.

Anschliessend beantworteten sie zahlreiche Fragen dazu, wie stark sie von allgemeiner, visueller, sozialer, motivationaler und emotionaler Müdigkeit betroffen waren.

Wald, Berge oder Strand als virtueller Hintergrund

Wenig überraschend: Hintergründe mit bewegten Videos standen in Zusammenhang mit der stärksten Müdigkeit.

„Das liegt daran, dass Videohintergründe sich ständig verändern, fortlaufend neue Informationen präsentieren, kognitive Ressourcen beanspruchen und die kognitive Belastung erhöhen“, hiess es in der Studie.

Auch Personen mit weichgezeichnetem Hintergrund berichteten von höheren Erschöpfungswerten.

Die Forschenden vermuteten, dass weichgezeichnete Hintergründe „zu negativen Emotionen führen können“ und verwiesen auf frühere Studien, die bei grauen Hintergründen zu ähnlichen Ergebnissen kamen.

Ebenfalls häufig gewählt wurden Hintergründe mit Büro- oder öffentlichen Räumen – vermutlich, um professionell zu wirken.

Doch dieser „Selbstdarstellungsaufwand“ kann sich in Videokonferenzen verstärken und damit die Ermüdung erhöhen, so die Studie.

Die geringsten Werte für Videokonferenz-Müdigkeit wurden dagegen bei Naturmotiven sowie bei eher verspielten oder ausgefallenen Hintergründen beobachtet.

Für Arbeitsbesprechungen rieten die Forschenden zu Bildern mit Bergen, Wald oder Strand.

„Diese Hintergründe helfen nicht nur dabei, Müdigkeit zu reduzieren, sondern ermöglichen es Nutzenden auch, sich professioneller zu präsentieren“, sagte Zhang.

„Diese Wahl schafft ein Gleichgewicht zwischen psychischem Wohlbefinden und dem Einhalten angemessener sozialer Etikette.“

© Agence France-Presse

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