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Stürze im Alter vermeiden: So schützen Sie Ihren 90-jährigen Vater

Ältere Frau geht in barrierefreies Badezimmer, Gehhilfe an Wand neben Holztisch stehend.

Das Medizinische Sprechzimmer dieser Woche mit Rodrigo Ayoub, orthomolekularem Arzt und Entwickler der Methode „Gesundes Abnehmen“.

Mein Vater ist 90 Jahre alt, und ich habe Angst, dass er stürzt und sich ein Bein bricht. Wie kann ich das verhindern?
Rafael

Ein Sturz ist nicht einfach nur ein Missgeschick – er kann der entscheidende Wendepunkt sein, der aus einem selbstständigen Alltag den Verlust von Autonomie macht. Sturzbedingte Brüche an Oberschenkelknochen, Hüfte und Handgelenk gehören bei älteren Menschen zu den häufigsten Gründen für Krankenhausaufenthalte und für einen spürbaren funktionellen Abbau.

Die gute Nachricht: Nahezu alle Stürze lassen sich vermeiden – oft mit kleinen Veränderungen im Wohnumfeld und mit sichereren Gewohnheiten. Im Folgenden nenne ich einige einfache, alltagstaugliche Massnahmen, um dieses Risiko deutlich zu senken.

Die meisten Stürze passieren ausgerechnet zu Hause, also an vertrauten Orten. Gerade dort werden kleine Hindernisse im Alltag leicht übersehen – und zu viel Sicherheit im Gefühl wird schnell zum grössten Gegenspieler.

Im Badezimmer

  • Bringen Sie stabil verschraubte Sicherheits-Haltegriffe aus gebürstetem Metall in der Dusche und neben der Toilette an. Seifenschalen oder Handtuchhalter dürfen niemals als Stütze dienen.
  • Legen Sie in die Dusche eine Gummimatte mit Saugnäpfen. Vor der Dusche sollten nur Matten mit rutschhemmender Unterseite verwendet werden.
  • Bei jeder Form von Unsicherheit oder Schwindel ist Duschen im Sitzen eine unverzichtbare Sicherheitsmassnahme.

Im Schlafzimmer

  • Nutzen Sie Steckdosenlichter mit Bewegungs- oder Präsenzsensor im Flur sowie auf dem Weg vom Schlafzimmer zum Badezimmer. Nachts sollte der ältere Mensch beim Aufstehen niemals durch völlige Dunkelheit gehen.
  • Das Bett sollte so hoch sein, dass man sich hinsetzen kann und beide Füsse vollständig auf dem Boden stehen, während die Knie einen Winkel von 90° bilden.
  • Entfernen Sie niedrige Couchtische, Blumentöpfe vom Boden und ordnen Sie alle Kabel von Elektrogeräten und Nachttischlampen so, dass sie dicht an der Wand liegen und nicht im Laufweg sind.

In der Küche

  • Bewahren Sie häufig genutzte Utensilien in Schränken auf Brusthöhe auf. Vermeiden Sie so weit wie möglich, dass der ältere Mensch auf Hocker, Tritte oder Stühle steigen muss, um höher gelegene Gegenstände zu erreichen.
  • Treppen sollten auf beiden Seiten einen festen Handlauf haben; zusätzlich sind fotolumineszierende Anti-Rutsch-Streifen (sie leuchten im Dunkeln) an der Kante jeder Stufe sinnvoll.

Draussen auf der Strasse

Draussen ist die Umgebung weniger vorhersehbar – umso wichtiger ist aktive Vorbeugung, damit ältere Menschen weiterhin frei und selbstbestimmt unterwegs sein können.

  • Optimal ist ein Schuh, der hinten geschlossen ist, eine rutschhemmende Gummisohle hat und idealerweise mit Klettverschluss oder Gummizug sitzt (Schnürsenkel, die sich lösen können, sollten vermieden werden).
  • Gehen Sie nicht, während Sie am Mobiltelefon tippen, und tragen Sie keine schweren Taschen, die die Sicht auf den Boden beeinträchtigen.
  • Achten Sie auf lockere Pflastersteine (z. B. bei portugiesischem Mosaikpflaster), Baumwurzeln, Gullydeckel sowie nasses Laub (extrem rutschig).
  • Überqueren Sie die Strasse immer am Zebrastreifen/Fussgängerüberweg und warten Sie ruhig die Ampelphase ab. Wenn die Grünzeit kurz ist, nicht rennen – lieber mit der Hand den Autofahrern signalisieren.
  • Ein Gehstock oder Rollator ist kein Zeichen von Einschränkung, sondern ein Hilfsmittel für Stabilität und Freiheit. Wenn es ärztlich oder physiotherapeutisch empfohlen wurde, sollten diese Hilfen beim Hinausgehen immer genutzt werden.
  • Tiefensehen und Kontrastwahrnehmung nehmen mit dem Alter ab. Deshalb ist es entscheidend, die Brille mit aktueller Sehstärke zu tragen, um Hindernisse rechtzeitig zu erkennen.

Neben einem sicheren Zuhause und mehr Aufmerksamkeit draussen gibt es eine „innere“ Schutzmassnahme, die am meisten zählt: kräftige Muskeln.

Der Verlust von Muskelmasse (Sarkopenie) verschlechtert Gleichgewicht und Reaktionsgeschwindigkeit. Krafttraining (funktionelles Muskeltraining) sowie eine ausreichende Zufuhr von Proteinen und Aminosäure-Vorstufen sind zentral, um die Reflexe schnell und die Knochenstruktur dicht zu halten.

Zusammengefasst braucht Sturzprävention im höheren Alter eine Kombination aus Anpassungen der Umgebung (lose Teppiche entfernen, Beleuchtung verbessern, Haltegriffe im Badezimmer montieren), sicherem Verhalten im öffentlichen Raum (rutschhemmende, geschlossene Schuhe, Aufmerksamkeit für Unebenheiten und – falls nötig – Gehhilfen) sowie körperlicher Kräftigung, um Gleichgewicht und Knochendichte zu unterstützen.


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