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Wie Wildtiere Angst vor Menschen je nach Jagd und Fischerei anpassen – IISc-Analyse von Shawn D’Souza

Eine Gruppe Rehe und ein Wildschwein im Schatten von Bäumen nahe einer Straße mit Spaziergängern und Autos.

Wildtiere, die auf Jäger oder Angler treffen, reagieren oft deutlich aufmerksamer und verbringen spürbar weniger Zeit mit der Nahrungssuche. In der Nähe von Touristen, Forschenden oder Straßen dagegen zeigen viele Arten nur geringe oder uneinheitliche Veränderungen.

Dieser Gegensatz stellt die verbreitete Annahme infrage, Menschen seien für Wildtiere stets ein einheitlich furchtauslösender „Räuber“. Stattdessen deutet er darauf hin, dass Tiere ihre Furcht an das tatsächliche Risiko anpassen, getötet zu werden.

Angst hängt von Gefahr ab

Aus Feldbeobachtungen über drei Jahrzehnte ergibt sich ein klares Muster: Dort, wo Jagd und Fischerei eine reale Bedrohung darstellen, nimmt die Zeit fürs Fressen ab und die Wachsamkeit steigt.

Indem Shawn D’Souza, Doktorand am Indian Institute of Science (IISc), tödliche Begegnungen von gewöhnlichem Kontakt mit Menschen trennte, zeigte sich, dass die stärksten Verhaltensänderungen eng dem Risiko folgten, getötet zu werden.

Sank dieses Risiko, wurde das Muster weniger eindeutig, und viele Arten reagierten beim Fressen oder bei ihren Bewegungen nur schwach oder widersprüchlich.

Die Unterschiede machen deutlich, dass Furcht Menschen nicht überall auf die gleiche Weise „begleitet“ – und dass verstanden werden muss, warum manche Begegnungen dauerhaft wirken, während andere kaum ins Gewicht fallen.

Jagd und Todesfälle bei erwachsenen Tieren

Kaum ein anderes Lebewesen tötet so effizient wie der Mensch. Deshalb bezeichnen Ökologinnen und Ökologen Menschen als „Superräuber“ – Jäger, die mit ungewöhnlich hohen Raten töten.

Eine Erhebung aus dem Jahr 2015 verglich 2125 Tötungsraten und kam zu dem Ergebnis, dass Fischerei erwachsene Tiere bis zu 14-mal schneller aus Beständen entfernt.

Gerade der Verlust ausgewachsener Tiere trifft Populationen besonders stark, weil Erwachsene das Rückgrat der Fortpflanzung bilden; werden sie entnommen, kann bei vielen Arten eine ganze Saison künftiger Nachkommen ausfallen.

Vor diesem Hintergrund liegt die Annahme nahe, jeder Wanderer wirke wie ein Jäger – die neuen Hinweise sprechen jedoch dagegen.

Furchtsignale über Arten hinweg

Anstatt Menschen pauschal als eine einzige Gefahr zu behandeln, ordnete das IISc-Team menschliche Kontakte danach ein, womit Tiere im Alltag vor Ort tatsächlich konfrontiert sind.

Die Forschenden fassten Ergebnisse aus vielen Einzelstudien zusammen, um zu prüfen, ob Töten, Nahkontakt oder Infrastruktur bei zahlreichen Arten die gleichen Furchtsignale auslösen.

Die Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Begegnungen verhinderte dabei einen typischen Denkfehler: anzunehmen, eine Straße und ein Wanderer würden für Tiere dieselbe Botschaft tragen.

Wenn Politik von einer einzigen, vermeintlich universellen Furchtreaktion ausgeht, kann das nach hinten losgehen – etwa indem Wildtiere aus sicheren Lebensräumen verdrängt und in neue Konflikte gedrängt werden.

Touristen lösen gemischte Furcht aus

Auf stark frequentierten Wegen und an Stränden begegnen Tiere häufig Menschen, die beobachten, fotografieren oder arbeiten, ohne sie töten zu wollen.

Wiederholte, harmlose Exposition kann zur Habituation führen – also dazu, dass sich Tiere an wiederkehrende Störungen ohne echten Schaden gewöhnen, wodurch der Fluchtimpuls sinkt.

In anderen Situationen stört dieselbe Menschenmenge dennoch die Nahrungsaufnahme oder die Bewegung, besonders dann, wenn Lärm und Abstand von Tag zu Tag schwanken.

Weil Tourismus schnell riskant werden kann, wenn Wilderei zunimmt, können Verantwortliche nicht einfach davon ausgehen, ruhige Tiere seien tatsächlich sicher.

Straßen können sich sicherer anfühlen

In der Nähe von Autobahnen und Siedlungen wirkten manche Beutetiere entspannter, obwohl diese Bereiche für uns klar von Menschen geprägt und laut erscheinen.

Da Räuber Menschen oft meiden, nutzten einige Beutetiere Straßen und Siedlungen offenbar als „Deckung“, die die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs senkt.

„In certain cases, these areas can function as perceived refuges,“ sagte der Erstautor der Studie, D’Souza.

Schneller Verkehr kann Wildtiere trotzdem töten – ruhigere Randbereiche können daher mit einer anderen Art von Risiko verbunden sein.

Verhalten verursacht reale Kosten

Wer ständig nach Gefahren Ausschau hält, verliert Zeit zum Fressen; und wer ausweicht, verbraucht Energie, die sonst in Nachwuchs fließen könnte.

Biologinnen und Biologen nennen dieses Aufpassen „Vigilanz“ – Sehen und Hören auf Gefahr statt Nahrung aufzunehmen – und erfassten sie zusammen mit Bewegungsmustern.

In einem Feldexperiment in Kalifornien führten abgespielte menschliche Stimmen dazu, dass Pumas Beute liegen ließen und ihre Fresszeit um mehr als die Hälfte reduzierten.

Solche Kosten können sich auf Fortpflanzung und Überleben auswirken; daher können selbst kleine Verhaltensverschiebungen große Folgen für Populationen haben.

Seltene Bedrohungen versus ständiges Risiko

Bereits 1999 schlugen Ökologinnen und Ökologen vor, dass Tiere Vorsicht über die Zeit einteilen, statt jeden Tag gleich stark verängstigt zu sein.

Die „Risk Allocation Hypothesis“ – ein Verhaltensmodell für wechselnde Gefahr über die Zeit – beschreibt, wie Tiere Furcht „budgetieren“.

Seltene, sehr starke Bedrohungen sollten demnach kräftige Reaktionen auslösen, während dauerhaftes Risiko Tiere dazu zwingt, trotzdem zu fressen, um nicht zu verhungern.

Auf menschliche Aktivitäten übertragen bedeutet diese Logik, dass Vorhersagbarkeit für Tiere beim Entspannen ebenso wichtig sein kann wie die Absicht der Menschen.

Der Einfluss von Bewegung und Weideverhalten

Wenn Tiere verändern, wo sie fressen oder entlang welcher Routen sie sich bewegen, sind die Auswirkungen auf Pflanzen und andere Tiere in ihrer Umgebung oft schnell zu spüren.

Intensiveres Abweiden in einem Abschnitt kann junge Pflanzen abfressen, bevor sie heranwachsen, während geringeres Weiden anderswo Sträucher dichter werden lässt und so die Struktur des Lebensraums verändert.

Verschiebt sich die Bewegung von Beutetieren, verändert sich auch, wo Räuber jagen – das kann den Druck auf manche Arten erhöhen und andere entlasten.

Diese Kaskadeneffekte machen menschliches Verhalten zu einem Teil des Ökosystemmanagements, selbst wenn niemand Wildtiere direkt schädigen will.

Furcht vorherzusagen bleibt schwierig

Trotz jahrzehntelanger Veröffentlichungen tauchten viele Arten nur ein einziges Mal in den Daten auf, und frühere Erfahrungen mit Menschen wurden selten systematisch dokumentiert.

Diese Uneinheitlichkeit erschwert es vorherzusagen, welche Tiere rasch lernen – und bei welchen sich tiefere Veränderungen über Generationen hinweg fortsetzen.

Künftige Studien am IISc und anderswo brauchen längere Zeitreihen und direkte Tests, die Landschaften mit unterschiedlichem Jagddruck und unterschiedlichen Räubergemeinschaften vergleichen.

Bis dahin sollten Planerinnen und Planer Furcht als kontextabhängig behandeln und nicht als feste Reaktion, die Menschen überall in der Natur automatisch auslösen.

Klarere Kategorien menschlicher Aktivitäten könnten Parkverwaltungen helfen, Zonen zu unterscheiden, in denen Tiere lernen, vorsichtig zu bleiben, von Bereichen, in denen sie sich entspannen – und dadurch anderen Risiken ausgesetzt sein können.

Verbesserte Vorhersagen erfordern langfristiges Monitoring; die Ergebnisse deuten jedoch schon jetzt darauf hin, dass gezielte Managementstrategien nötig sind, statt pauschal auf generelle Vermeidung zu setzen.

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