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Myopie bei Kindern nimmt weltweit zu: Ursachen, Bildschirmzeit und Risiken

Junge mit Brille und Tablet betritt den Raum, im Hintergrund Fenster mit Blick auf Garten und Spielplatz.

Myopie bei Kindern nimmt zu. Diese Fehlsichtigkeit – häufig auch Kurzsichtigkeit genannt – betrifft laut einer aktuellen Auswertung weltweiter Daten bereits bis zu 35 % der Kinder rund um den Globus.

Die Forschenden erwarten, dass der Anteil bis 2050 auf 40 % steigt. Das entspräche mehr als 740 Millionen kurzsichtigen Kindern.

Warum ist das wichtig? Vielen ist nicht bewusst, dass es bei der Behandlung von Myopie (etwa mit einer Brille) um weit mehr geht als um Komfort oder gelegentlich verschwommene Sicht.

Bleibt Myopie unbehandelt, kann sie rasch fortschreiten und damit das Risiko für schwere, nicht rückgängig zu machende Augenerkrankungen erhöhen. Eine frühe Diagnose und eine passende Behandlung sind daher entscheidend für die Augengesundheit Ihres Kindes – ein Leben lang.

Im Folgenden erfahren Sie, wie Myopie entsteht, welchen Anteil Bildschirmzeit haben kann – und was Sie tun können, wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind kurzsichtig ist.

Was ist Myopie?

Myopie wird meist als Kurzsichtigkeit bezeichnet. Sie gehört zu den Brechungsfehlern, also Sehstörungen, bei denen das Auge nicht scharf sieht – in diesem Fall vor allem in der Ferne.

Kurzsichtigkeit entsteht häufig, weil der Augapfel länger ist als durchschnittlich. Das kann passieren, wenn die Augen zu schnell wachsen oder insgesamt länger als üblich werden.

Ist der Augapfel verlängert, wird das einfallende Licht nicht korrekt auf der Netzhaut (dem lichtempfindlichen Gewebe an der Rückseite des Auges) gebündelt. Das Bild wirkt dadurch unscharf. Entscheidend für normales Sehen ist vor allem, das Augenwachstum zu kontrollieren.

Myopie nimmt bei Kindern zu

Die zu Jahresbeginn veröffentlichte Studie untersuchte, wie sich die Myopiehäufigkeit in den vergangenen 30 Jahren verändert hat. Dafür wurden 276 Studien ausgewertet, mit insgesamt 5,4 Millionen Personen im Alter von 5–19 Jahren aus 50 Ländern auf sechs Kontinenten.

Auf Basis dieser Daten kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass bereits bis zu jedes dritte Kind kurzsichtig ist – und dass die Zahlen weiter steigen werden. Besonders stark soll der Anstieg bei Jugendlichen ausfallen: Bis 2050 soll Myopie mehr als 50 % der 13- bis 19-Jährigen betreffen.

Damit liegen die Ergebnisse im gleichen Bereich wie eine frühere australische Untersuchung aus dem Jahr 2015. Diese sagte voraus, dass bis 2020 36 % der Kinder in Australien und Neuseeland kurzsichtig sein würden – und bis 2050 mehr als die Hälfte.

Die neue Übersichtsarbeit gilt als die bislang umfassendste ihrer Art und liefert den genauesten Blick darauf, wie sich kindliche Myopie weltweit entwickelt. Sie deutet darauf hin, dass die Myopieraten global zunehmen – einschliesslich „hoher Myopie“, also ausgeprägter Kurzsichtigkeit.

Was verursacht Myopie?

An der Entstehung von Myopie sind genetische Faktoren beteiligt. Kinder von kurzsichtigen Eltern – insbesondere, wenn eine hohe Myopie vorliegt – haben ein höheres Risiko, ebenfalls eine Myopie zu entwickeln.

Gleichzeitig spielen Umweltfaktoren eine Rolle.

Ein möglicher Treiber ist die Zeit, die wir auf Bildschirme schauen. Da Geräte kleiner geworden sind, halten wir sie oft näher vor die Augen. Solches langandauerndes Scharfstellen im Nahbereich wird seit Langem mit der Entwicklung von Myopie in Verbindung gebracht.

Weniger Bildschirmzeit kann dazu beitragen, die Augen zu entlasten und die Entwicklung von Myopie zu verlangsamen. Für viele – auch für Kinder – ist das jedoch schwer umzusetzen, weil Bildschirme fest in den Alltag integriert sind.

Lieber grün als Bildschirm

Höhere Myopieraten könnten zudem damit zusammenhängen, dass Kinder insgesamt weniger Zeit draussen verbringen – und nicht allein mit Bildschirmen. Studien zeigen: Wenn die Zeit im Freien um ein bis zwei Stunden pro Tag steigt, kann das das Auftreten von Myopie über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren verringern.

Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Möglich ist, dass die höhere Lichtintensität des Sonnenlichts im Vergleich zu Innenbeleuchtung die Ausschüttung von Dopamin fördert. Dieses wichtige Molekül kann das Augenwachstum bremsen und so dazu beitragen, die Entstehung von Myopie zu verhindern.

Die derzeitige Forschung weist allerdings darauf hin, dass mehr Zeit im Freien, sobald eine Myopie bereits besteht, nur einen kleinen Einfluss darauf hat, wie stark sie sich verschlechtert.

Was können wir dagegen tun?

Die Forschung zur Kontrolle von Myopie entwickelt sich derzeit schnell. Neben Brillen verfügen Optometristinnen und Optometristen über verschiedene Möglichkeiten, das Augenwachstum zu verlangsamen – und damit auch das Fortschreiten der Myopie. Zu den wirksamsten Verfahren zählen:

Orthokeratologie („Ortho-K“): Dabei werden harte Kontaktlinsen eingesetzt, die das Auge vorübergehend umformen, um das Sehen zu verbessern. Praktisch ist, dass die Linsen nur im Schlaf getragen werden. Eltern müssen jedoch darauf achten, dass die Linsen korrekt gereinigt und aufbewahrt werden, um das Risiko von Augeninfektionen zu verringern.

Atropin-Augentropfen: Es konnte gezeigt werden, dass sie das Fortschreiten der Myopie wirksam verlangsamen. Die Anwendung ist in der Regel einfach, die Nebenwirkungen sind gering, und es besteht nicht das Infektionsrisiko, das bei Kontaktlinsen auftreten kann.

Welche Risiken sind mit Myopie verbunden?

Myopie lässt sich meist unkompliziert mit einer Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen. Wer jedoch eine „hohe Myopie“ hat (also stark kurzsichtig ist), trägt im Laufe des Lebens ein erhöhtes Risiko für weitere Augenerkrankungen, die das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen können.

Dazu gehören:

Netzhautablösung: Dabei reisst die Netzhaut und löst sich von der Rückseite des Auges ab.

Glaukom: Hierbei werden Nervenzellen in der Netzhaut sowie im Sehnerv nach und nach geschädigt und gehen verloren.

Myopische Makulopathie: Durch den verlängerten Augapfel wird die Makula (ein Teil der Netzhaut) gedehnt und ausgedünnt; das kann zu Gewebeabbau, Einrissen und Blutungen führen.

Was können Eltern tun?

Eine frühe Diagnose und Behandlung ist wichtig – insbesondere bei hoher Myopie –, um das Fortschreiten zu bremsen und das Risiko dauerhafter Schäden zu senken.

Nicht korrigierte Kurzsichtigkeit kann ausserdem das Lernen beeinträchtigen, weil Kinder schlicht nicht klar sehen. Hinweise darauf, dass ein Sehtest sinnvoll sein könnte, sind zum Beispiel Zusammenkneifen der Augen beim Blick in die Ferne oder das Heranziehen von Dingen wie Bildschirm oder Buch, um sie besser erkennen zu können.

Regelmässige Sehtests bei der Optometristin oder dem Optometristen sind der beste Weg, um die Augengesundheit und Sehfähigkeit Ihres Kindes einzuschätzen. Jedes Kind ist anders – Fachleute können dabei helfen, individuelle Strategien zu finden, um Myopie zu beobachten und zu managen, falls sie diagnostiziert wird.

Flora Hui, Honorary Fellow, Department of Optometry and Vision Sciences, Melbourne School of Health Sciences, The University of Melbourne

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.


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