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Albträume: Wie gezielte Gedächtnisreaktivierung (TMR) und Vorstellungswiederholungs-Therapie (IRT) bei 36 Betroffenen helfen können

Frau schläft im Bett, umgeben von Pflanzen, mit offenem Buch und Musik aus Lautsprecher, dämonische Wandzeichnung sichtbar.

Nicht-invasive Ansätze, die gezielt unsere Gefühlslage beeinflussen, könnten helfen, die schreienden Schrecken zu dämpfen, die unseren Schlaf heimsuchen.

Eine Untersuchung mit 36 Patientinnen und Patienten, bei denen eine Albtraumstörung diagnostiziert worden war, zeigte: Zwei leicht umsetzbare Therapieschritte zusammen konnten die Häufigkeit belastender Träume verringern.

Warum Albträume mehr sind als nur schlechte Träume

Albträume betreffen viele Menschen – und es bleibt oft nicht bei ein paar unangenehmen Nächten. Sie gehen zudem mit schlechter Schlafqualität einher, was wiederum mit einer ganzen Reihe weiterer gesundheitlicher Probleme verbunden ist.

Schlechter Schlaf kann ausserdem Ängste verstärken; das kann wiederum in Schlaflosigkeit und weitere Albträume münden. Aktuelle Studien berichteten während der anhaltenden globalen SARS-CoV-2-Pandemie zudem über einen Anstieg von Albträumen und Schlafstörungen.

Da wir bis heute nicht wirklich verstehen, warum – oder sogar wie – das Gehirn im Schlaf überhaupt Träume erzeugt, ist die Behandlung chronischer Albträume entsprechend schwierig.

Vorstellungswiederholungs-Therapie (IRT) als Basis

Ein etablierter, nicht-invasiver Ansatz ist die Vorstellungswiederholungs-Therapie (IRT). Dabei formulieren Betroffene ihre schlimmsten und am häufigsten wiederkehrenden Albträume um, sodass die Geschichte ein gutes Ende nimmt. Anschliessend „üben“ sie diese neue Version, indem sie sich die umgeschriebene Handlung wiederholt erzählen – mit dem Ziel, die Albtrauminhalte gewissermassen zu überschreiben.

Dieses Vorgehen kann Häufigkeit und Intensität von Albträumen senken, wirkt jedoch nicht bei allen Patientinnen und Patienten ausreichend.

Gezielte Gedächtnisreaktivierung (TMR) im Schlaf

Bereits 2010 fanden Forschende heraus, dass das Abspielen von Geräuschen im Schlaf, die zuvor mit einem bestimmten Reiz verknüpft wurden, dabei hilft, die Erinnerung an diesen Reiz zu stärken. Dieses Verfahren wird als gezielte Gedächtnisreaktivierung (TMR) bezeichnet.

Der Psychiater Lampros Perogamvros von den Genfer Universitätsspitälern und der Universität Genf in der Schweiz erläuterte 2022, als die Ergebnisse veröffentlicht wurden: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Arten von Emotionen, die in Träumen erlebt werden, und unserem emotionalen Wohlbefinden.“

Und weiter: „Auf Grundlage dieser Beobachtung kamen wir auf die Idee, dass wir Menschen helfen könnten, indem wir Emotionen in ihren Träumen manipulieren. In dieser Studie zeigen wir, dass wir die Anzahl emotional sehr starker und sehr negativer Träume bei Patientinnen und Patienten mit Albträumen reduzieren können.“

Vor diesem Hintergrund wollten Perogamvros und sein Team prüfen, ob TMR die Wirksamkeit der Vorstellungswiederholungs-Therapie (IRT) zusätzlich steigern kann.

Studiendesign: 36 Personen, Tagebuch und ein Klavierakkord

Zu Beginn führten alle Teilnehmenden zwei Wochen lang ein Traum- und Schlaftagebuch. Danach erhielten sämtliche Freiwilligen eine einzelne IRT-Sitzung.

Im nächsten Schritt bekam eine Hälfte der Gruppe zusätzlich eine TMR-Sitzung: Dabei wurde eine Verbindung zwischen der positiven, umgeschriebenen Version ihres Albtraums und einem Ton hergestellt.

Die andere Hälfte diente als Kontrollgruppe. Diese Personen stellten sich ebenfalls eine weniger grauenhafte Version eines Albtraums vor, wurden dabei jedoch keinen positiven Geräuschen ausgesetzt.

Beide Gruppen erhielten ein Schlaf-Kopfhörer-Stirnband, das während des Schlafs einen Ton abspielte – den Klavierakkord C69. Dieser Ton wurde im REM-Schlaf alle 10 Sekunden abgespielt, also in der Schlafphase, in der Albträume am ehesten auftreten.

Die Auswertung erfolgte nach zwei weiteren Wochen mit zusätzlichen Tagebucheinträgen – und dann nochmals nach drei Monaten, in denen es keinerlei Behandlung gab.

Ergebnisse nach zwei Wochen und nach drei Monaten

Zu Studienbeginn lag die Albtraumhäufigkeit in der Kontrollgruppe im Mittel bei 2.58 pro Woche; in der TMR-Gruppe waren es durchschnittlich 2.94 Albträume pro Woche.

Am Studienende verzeichnete die Kontrollgruppe im Schnitt noch 1.02 Albträume pro Woche. In der TMR-Gruppe sank der Wert dagegen auf nur 0.19 pro Woche. Zusätzlich berichtete die TMR-Gruppe, dass die Zahl glücklicher Träume zugenommen habe.

Beim Drei-Monats-Follow-up stieg die Albtraumhäufigkeit in beiden Gruppen leicht an – auf 1.48 beziehungsweise 0.33 pro Woche. Dennoch sei dies weiterhin eine bemerkenswerte Reduktion, so die Forschenden. Das spreche dafür, dass TMR als Unterstützung der IRT zu einer wirksameren Behandlung führen könne.

Perogamvros sagte: „Wir waren positiv überrascht, wie gut die Teilnehmenden die Studienprozeduren eingehalten und toleriert haben, zum Beispiel die tägliche Durchführung der Vorstellungswiederholungs-Therapie und das Tragen des Schlaf-Stirnbands in der Nacht.“

Ausserdem: „Wir beobachteten einen schnellen Rückgang der Albträume, zusammen mit Träumen, die emotional positiver wurden. Für uns, Forschende und Klinikerinnen und Kliniker, sind diese Befunde sowohl für die Untersuchung der Emotionsverarbeitung im Schlaf als auch für die Entwicklung neuer Therapien sehr vielversprechend.“

Die Ergebnisse des Teams wurden in Current Biology veröffentlicht.

Eine frühere Version dieses Artikels wurde im Oktober 2022 veröffentlicht.

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