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Unter dem Kölner Rathaus: Monumentaler römischer Verwaltungskomplex freigelegt

Archäologe rekonstruiert antikes Mosaik in einem Ausgrabungsbereich mit Säulen und Ziegelwänden.

Ausgrabungen unter dem Kölner Rathaus im Westen Deutschlands haben einen monumentalen römischen Verwaltungskomplex freigelegt, dessen zentrale Bauteile noch immer unter dem heutigen Platz in ihrer ursprünglichen Lage erhalten sind.

Der Fund bringt lange verschüttete öffentliche und private Bereiche zurück in den Stadtplan und zeigt, wie politische Macht und persönliche Frömmigkeit im Zentrum des römischen Köln unmittelbar nebeneinander existierten.

Ausgrabungen unter dem Platz

Unter dem Rathausplatz legten neu angelegte Grabungsgänge Mauern, Stufen sowie ausgemalte Wandnischen frei, die über Jahrhunderte hermetisch verschlossen geblieben waren.

Im Rahmen des MiQua-Museumsprojekts hielt Prof. Dr. Sebastian Ristow fest, dass diese Bauteile weiterhin exakt zueinander passen und vor Ort ausgerichtet sind – ein deutlicher Beleg dafür, dass große Teile der römischen Anlage unversehrt überdauert haben.

Anders als bei vielen Funden, die nur aus einzelnen Bruchstücken bestehen, sind hier zusammenhängende Strukturen erhalten. Sie zeichnen den Weg von öffentlichen Hallen hin zu Verwaltungsbereichen entlang des Rheinabhangs nach.

Gerade dieser außergewöhnliche Erhaltungszustand verlangt eine genauere Betrachtung, warum so umfangreiche Elemente überlebt haben, während die meisten römischen Spuren in Köln schon vor langer Zeit auf Fundamentreste reduziert wurden.

Römische Basilika wiederentdeckt

Tief unter dem heutigen Pflaster kam ein gebogener Fundamentzug zum Vorschein, der zu einer riesigen römischen öffentlichen Halle aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. gehört.

Die Römer bezeichneten einen solchen Bau als Basilika: eine große Halle für Verwaltung und städtische Angelegenheiten – nicht als Kirche.

Dort trafen sich Amtsträger, schlichteten Streitfälle und regelten die Geschäfte der Stadt. Die Räume waren zum Rhein hin orientiert, einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas.

Dass sich der Grundriss dieser Halle innerhalb des heutigen Platzes nun präzise verorten lässt, verschafft der Planung einen festen Bezugspunkt für alle späteren Schichten, die darüber entstanden.

Römische Bautechniken

Statt römischem Beton schichteten die Bauleute vulkanisches Gestein und Kalkstein übereinander und formten so ein Fundamentpaket von bis zu etwa 4 Metern Stärke.

Ein harter Mörtel aus Ziegelmaterial und Kies verband diese Lagen; genau diese Mischung machte die Wand widerstandsfähig gegen Druck und Feuchtigkeit.

Durch einen sauber angelegten Schnitt durch das Bauwerk konnten Archäologinnen und Archäologen das Schichtmuster klar ablesen und frühere Annahmen überprüfen – und verwerfen.

Die Materialwahl und Ausführung sprechen für eine spätrömische Baustelle mit qualifizierten Kräften, verlässlicher Versorgung und ohne Spielraum für billige Abkürzungen.

Stufen zum Rhein

Im selben Grabungsbereich trat eine Treppe zutage, die in die späte Zeit des 1. Jahrhunderts n. Chr. datiert und den Abhang in Richtung Rhein erschloss.

Die unteren Stufen wiesen hinunter zum Flussviertel, während die höheren nach oben zum Palastkomplex des Statthalters auf tragfähigerem Gelände führten.

Abtragungen durch Erosion und spätere Umbauten beseitigten jedoch das obere Podest – deshalb lässt sich bislang nicht sicher bestimmen, wo die Treppe genau endete.

Treppen sind bei Kölner Ausgrabungen nahezu nie erhalten; dieser Befund fixiert daher eine selten greifbare Route im frühen Stadtgefüge.

Ein Hausheiligtum

Innerhalb des Palastkomplexes fanden die Ausgrabenden ein Hausheiligtum aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., als kleine Wandnische ausgebildet.

Dort standen einst Speisegaben und Gegenstände, die sich an Schutzgeister richteten, welche die Römer mit der Stabilität der Familie verbanden.

Nagellöcher oberhalb der Nische und schwache Farbreste im Inneren belegen, dass Bewohner Girlanden aufhängten und die Fläche farbig fassten.

Vergleichbare Heiligtümer sind vor allem aus Pompeji und umliegenden Orten bekannt – umso bemerkenswerter ist dieses Kölner Beispiel, das nördlich der Alpen ungewöhnlich vollständig erhalten ist.

Vom Fluss verschüttet

Am historischen Rheinabhang schütteten römische Bauleute Erdmaterial auf, das einzelne Mauern überdeckte; spätere Bauphasen reichten nicht mehr in diese Tiefe hinab.

In der Neuzeit kam zusätzlich eine schützende Sandschicht darüber. Diese wurde von Archäologinnen und Archäologen später entfernt, um Räume wieder zu öffnen, die ungefähr 4 bis 5 Meter unter der Oberfläche liegen.

Da in direkter Nähe schwere Maschinen mit bis zu 200 Tonnen eingesetzt wurden, arbeiteten die Teams mit Saugsystemen und ferngesteuerten Werkzeugen, um Steinoberflächen nicht zu beschädigen.

Dieses vorsichtige Vorgehen bewahrte empfindliche Kanten, schränkte aber zugleich ein, wie weit neue Strukturen unter laufender Bautätigkeit verfolgt werden konnten.

Provinzverwaltung in Köln

Über mehr als 400 Jahre steuerten römische Statthalter die Provinz von einem Palastkomplex nahe dem Rhein aus.

Dort trafen Verwaltungsbeamte Entscheidungen, organisierten Abgaben und lenkten Bauvorhaben, die Straßen, Kanäle und öffentliche Plätze prägten.

Als die römische Herrschaft nachließ, nutzten spätere Machthaber Teile der Anlage weiter; tiefe Risse im Mauerwerk dokumentieren ihren allmählichen Verfall.

Diese lange Nachgeschichte macht jede neu sichtbare Wand zu mehr als einer Kulisse: Sie hält fest, wer zu welchem Zeitpunkt Autorität ausübte.

Empfindliche Oberflächen sichern

Frische Luft setzt altem Putz zu. Deshalb deckten Restauratorinnen und Restauratoren freigelegte Flächen rasch ab und erfassten jede Wand vollständig, bevor erneut Werkzeuge zum Einsatz kamen.

Fotos, Zeichnungen und präzise Messprotokolle konservieren Details, die später abbröckeln könnten, und verwandeln die kurzzeitige Freilegung in eine dauerhafte Dokumentation.

Geplant ist, die Steinplatte des Heiligtums wieder an ihre ursprüngliche Stelle zu setzen – orientiert an einer abgeschlagenen Kante, die ihren früheren Sitz markiert.

Diese Entscheidungen stellen Stabilität über Tempo und bestimmen, was die Öffentlichkeit sehen wird, sobald der unterirdische Rundgang zugänglich ist.

Was Besucher sehen werden

Vor Beginn der Arbeiten deutete eine flache Senke im Platz lediglich auf ungleiches Pflaster hin – tatsächlich verbarg sich darunter römisches Mauerwerk.

Nun liegen die Strukturen offen für die Vermittlung, und die Gestaltung kann Laufwege um sie herum führen, statt sie erneut zu versiegeln.

Besucherinnen und Besucher werden an einem Ort vom öffentlichen Hallenbereich in private Zonen wechseln und dabei sowohl städtische Autorität als auch häuslichen Alltag in denselben Steinwänden erkennen.

Weil der Fundplatz unter einem aktiven Stadtzentrum liegt, müssen künftige Präsentationen fortlaufend auf Wasser, Erschütterungen und Besucherlast überwacht werden.

Das Versprechen des Museums

Eine Regierungshalle, eine Treppe und ein Hausheiligtum liegen nun unmittelbar nebeneinander und machen sichtbar, wie Rom baute und lebte.

Während Köln diese Ausgrabung in einen öffentlichen Weg unter Tage überführt, entscheidet sorgfältige Konservierung darüber, wie viel von dieser Geschichte erhalten bleibt.

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