Menschen beurteilen ein Viertel häufig nach Bäumen, Bebauung, Verkehr und den vorhandenen Grün- und Freiflächen.
Doch auch die Geräuschmischung vor Ort – etwa Vogelrufe, Regen, Motoren, Stimmen oder Musik – prägt, wie sich eine Umgebung anfühlt.
Forschende stellten fest, dass Naturgeräusche mit einem stärkeren Sense of Place verbunden waren, also mit der emotionalen Bindung, die Menschen zu einem Ort aufbauen.
„The biggest takeaway from this is that soundscapes matter to sense of place, to how attached we feel to spaces,“ sagte die leitende Studienautorin Caren Cooper, Professorin an der Staatsuniversität von North Carolina.
„We so often think about our landscapes visually, or in terms of what we encounter physically, and forget about how our soundscapes affect our perceptions of things.“
Naturgeräuschen bewusst zuhören
Das Team sammelte die Informationen über das Projekt Klänge rund um die Stadt, bei dem Freiwillige gebeten wurden, 10 Minuten lang draussen vor ihrer Wohnung zuzuhören.
Die Teilnehmenden hielten jede Geräuschquelle fest, die ihnen auffiel, und bewerteten anschliessend, wie laut und wie angenehm ihnen jedes Geräusch vorkam.
Anschliessend ordneten die Forschenden die Geräusche drei groben Kategorien zu.
Biologische Geräusche stammten von Tieren, natürliche physikalische Geräusche kamen etwa von Wind oder Regen, und menschengemachte Geräusche umfassten Fahrzeuge, Geräte zur Rasenpflege, Sprache und Musik.
Ausserdem beantworteten die Teilnehmenden Fragen dazu, wie verbunden sie sich mit dem Ort des Zuhörens fühlten.
Sie überlegten unter anderem, ob sich die Umgebung wie ein Zuhause anfühlte, ob sie als ruhig wahrgenommen wurde, ob dort Menschen waren, die sie mochten, und ob der Ort Aktivitäten unterstützte, die ihnen wichtig waren.
Am Ende umfasste der Datensatz 1,508 Hör-Sitzungen von 1,137 Personen. Die meisten Sitzungen fanden in North Carolina statt, und der Grossteil der Teilnehmenden waren Studierende im Alter von 18 bis 24 Jahren.
Häufige Geräusche rund ums Zuhause
Vögel waren das am häufigsten erfasste Naturgeräusch und tauchten in 60 Prozent der Sitzungen auf. Autos waren mit knapp über 59 Prozent das häufigste menschengemachte Geräusch, während Gespräche in 56 Prozent vorkamen.
Unter den Naturgeräuschen erhielten Vögel und Regen im Durchschnitt die höchsten Werte für Angenehmheit.
Bei den menschengemachten Geräuschen lag Musik an der Spitze – ein Hinweis darauf, dass nicht jedes durch menschliche Aktivität erzeugte Geräusch grundsätzlich negativ bewertet wird.
Mechanische Geräusche schnitten insgesamt am schlechtesten ab. Geräte zur Rasenpflege waren im Mittel die lauteste menschengemachte Kategorie und zählten zugleich zu den am wenigsten angenehmen.
Lautstärke allein erklärte es nicht
„A lot of people, when they think of noise pollution, immediately think of something very loud, and that’s not necessarily the case,“ sagte Cooper.
„What we’ve found is that the wavelength of the sound is as important as its volume.“
„We can have a bird very close by being very loud and still find it pleasant, while a distant leaf blower at the same decibel level would be perceived as unpleasant.“
Bei den meisten Geräuschkategorien nahm die Angenehmheit ab, je lauter die Geräusche wurden – beim Regen zeigte sich jedoch das umgekehrte Muster.
Bei hoher Lautstärke wurden Wind und Regen als voraussichtlich 68 Prozent angenehmer eingeschätzt als mechanische Geräusche.
Ortsbindung folgte dem Klangbild
Das Team nutzte statistische Verfahren, um typische Muster in den Geräuschkulissen zu erkennen.
Ein Muster stand für angenehme Naturgeräusche wie Vögel, Eichhörnchen und Wind; ein anderes spiegelte lautere und weniger angenehme mechanische Geräusche wie Autos und Geräte zur Rasenpflege wider.
Personen, die angenehmere Natur-Klanglandschaften angaben, berichteten zugleich über ein stärkeres Sense of Place. Auch angenehme menschliche Geräusche – insbesondere Musik und Gespräche – waren ähnlich positiv damit verknüpft.
Klanglandschaften, in denen mechanischer Lärm überwog, zeigten eine kleine negative Verbindung zum Sense of Place.
In einem Modell lag dieses Ergebnis an der Grenze, in einem anderen erreichte es die übliche statistische Schwelle; entsprechend ist eine vorsichtige Interpretation nötig.
Die Resultate zeigen eine Beziehung, aber keinen Beleg dafür, dass Klang direkt Bindung erzeugt. Wer sich einem Ort bereits zugehörig fühlt, könnte dessen Geräusche auch anders wahrnehmen oder bewerten.
Menschen lieferten entscheidende Daten
„Our understanding of soundscapes is exceedingly limited if we rely solely on sensors like decibel meters,“ sagte Cooper.
„Engaging people in collecting data through listening sessions with clear protocols is the best way to collect data on the sources of sound.“
„Noise pollution is subjective, based on human perceptions, so understanding noise pollution requires engaging participants in data collection.“
Mit diesem Ansatz liessen sich sowohl die jeweilige Geräuschquelle als auch die Reaktion der Zuhörenden erfassen. Allerdings könnte das konzentrierte Zuhören beeinflusst haben, was den Teilnehmenden überhaupt auffiel.
Weitere Faktoren prägten Zugehörigkeit
Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass allein der Klang die beobachteten Unterschiede verursachte.
Wohnsituation, soziale Beziehungen, Diskriminierung, Zugang zu Natur und weitere Faktoren können ebenfalls beeinflussen, wie Menschen ihr Zuhause erleben.
Trotzdem wirft das Muster eine Frage der Umweltgerechtigkeit auf, denn nicht alle Gemeinschaften verfügen in gleichem Mass über Zugang zu natürlichen Klanglandschaften.
Zudem kann mechanischer Lärm Vogelstimmen, Wind und andere Naturgeräusche überdecken.
Studiengrenzen und künftige Forschung
Die Stichprobe war hinsichtlich Alter, Jahreszeit und Region eng gefasst. Die meisten Teilnehmenden waren junge Erwachsene, die meisten Sitzungen fanden in North Carolina statt, und sämtliche Beobachtungen wurden im Sommer durchgeführt.
Das Projekt stützte sich auf persönliche Bewertungen statt auf Instrumente, die tatsächliche Schallpegel messen.
Ausserdem verwendeten die Forschenden nur eine begrenzte Zahl von Fragen, um das Sense of Place abzubilden, und das daraus gebildete statistische Mass passte nicht perfekt zu den Daten.
Da Menschen in ihren bestehenden Wohngebieten beobachtet wurden, lässt sich keine Ursache-Wirkung-Beziehung ableiten.
Künftige Arbeiten könnten mehr Altersgruppen, Regionen und Jahreszeiten einbeziehen und dabei persönliche Berichte mit Schallmessgeräten sowie direkten Gesundheitsmessungen kombinieren.
Klang in Wohnnähe steuern
„This research highlights the importance of managing soundscapes near where people live, work and play,“ sagte Cooper.
„This can be achieved through physical obstacles like sound barriers near high traffic roads or highways, or through regulations such as local ordinances.“
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Gemeinden bei Lärm nicht ausschliesslich auf die Lautstärke schauen sollten.
Naturgeräusche und einige soziale Geräusche standen mit einer stärkeren Ortsbindung in Zusammenhang, während mechanischer Lärm mit einer schwächeren Verbindung verknüpft war.
Weniger Verkehrslärm und weniger Geräuschbelastung durch Geräte könnten Aussenbereiche angenehmer wirken lassen – allerdings ist dafür weitere Evidenz erforderlich.
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