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Dolmen von Menga: Neue Studie zeigt Ingenieurskunst vor 6.000 Jahren

Steinzeitmenschen bewegen großen Felsblock vor prähistorischem Steintempel in trockener, hügeliger Landschaft.

Ein Schritt in eine andere Welt

Wer den Dolmen von Menga betritt, hat das Gefühl, nahezu in eine andere Wirklichkeit einzutauchen – staunend, überwältigt. Dieses uralte Bauwerk entstand vor fast 6.000 Jahren und steht bis heute bemerkenswert unversehrt da; es besteht aus Steinblöcken, die jeweils bis zu 150 Tonnen wiegen.

Wer vermutet, dass eine solche Bauleistung ein ausgeprägtes, fachübergreifendes Verständnis von ingenieurtechnischen Grundprinzipien vorausgesetzt haben muss, liegt damit richtig.

Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die neolithischen Menschen, die Menga errichteten, aussergewöhnlich versiert, wissensstark und geübt darin waren, anspruchsvolle technische Herausforderungen zu lösen.

„Initially, what sparked my interest in the Menga dolmen was undoubtedly its monumentality. Entering its interior and contemplating such a colossal monument from the Neolithic period, attracted my curiosity to learn more about this dolmen,“ sagte der Geoarchäologe José Antonio Lozano Rodríguez vom Ozeanografischen Zentrum der Kanarischen Inseln in Spanien gegenüber ScienceAlert.

„They were people with very important knowledge of early science, which indicates how evolved the intellectual, practical and technical capacities of these societies in the south of the Iberian Peninsula were almost 6,000 years ago.“

Der Dolmen von Menga als Megalith der Jungsteinzeit

Der Dolmen von Menga ist tatsächlich ein Wunderwerk der Alten Welt. Zwischen etwa 3800 und 3600 v. Chr. wurde er in die Flanke eines Erdhügels eingepasst: Eine grosse Kammer erstreckt sich über 27,5 Meter (90 Fuß) und ist an Wänden wie Decke mit gewaltigen Steinen ausgekleidet.

Er zählt zu den grössten Megalithanlagen des alten Europas; und der Deckstein, dessen Gewicht auf 150 Tonnen geschätzt wird, gehört zu den grössten Steinblöcken, die im neolithischen Europa jemals bewegt wurden.

Die Nutzung des Ortes scheint vor allem funerär gewesen zu sein – Berichten zufolge wurden im Inneren Grabbeigaben gefunden. Offenbar muss die Anlage ausserordentlich bedeutend gewesen sein. Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass für ihre Errichtung ein enormes Mass an Arbeitskraft aufgewendet wurde.

Lozano Rodríguez leitete in der Vergangenheit Studien, die unter anderem belegten, dass die Asymmetrie der Dolmenwände nicht zufällig ist, sondern bewusst angelegt und an den Sonnenwenden ausgerichtet wurde. Zudem fanden diese Arbeiten heraus, dass das für den Bau verwendete weiche Gestein aus einer Entfernung von rund 1 Kilometer (0,6 Meilen) herangeschafft wurde – ein Hinweis darauf, dass die Erbauer grosse Felsstücke abbauen, lösen und transportieren konnten.

Aufbau, Materialien und Tragprinzip

Konstruktiv besteht der Dolmen von Menga aus einer Kammer, deren Seiten und Dach aus grossformatigen Steinen gebildet werden. Entlang der Kammerlänge stehen drei Steinsäulen, die das Gewicht der Decke abtragen. Insgesamt bringen die 32 riesigen Steine zusammen etwa 1.140 Tonnen auf die Waage.

Um zu rekonstruieren, wie die Steinblöcke gesetzt wurden und wie der Bau insgesamt entstand, führten Lozano Rodríguez und sein Team eine Untersuchung durch, die Sedimentologie, Archäologie, Paläontologie und Petrologie umfasste.

Transport, Reibung und millimetergenaue Setzung

Eine der grössten Hürden dürfte der Transport der massiven Blöcke gewesen sein. Nach Einschätzung der Forschenden setzte dies ein solides Verständnis von Reibung voraus.

Als praktikabelste Methode bieten sich demnach Schlitten an, die über eine zuvor errichtete hölzerne Bahn gezogen wurden. Da der Steinbruch oberhalb der Baustelle lag, hätten die Beteiligten ausserdem wissen müssen, wie sich Beschleunigung kontrollieren und wie sich ein solcher Transport sicher abbremsen lässt.

Die Forschenden beschreiben die Blöcke als „weich“ und sedimentär, überwiegend Kalkstein – Material, das beim Bewegen und Setzen besonders vorsichtig behandelt werden muss, um Schäden zu vermeiden. Trotzdem wurden die Steine mit millimetergenauer Präzision positioniert. Zudem greifen sie ineinander und sind leicht gegeneinander geneigt; genau diese Details liefern Hinweise darauf, in welcher Reihenfolge und mit welcher Technik sie platziert wurden.

Hinzu kommt ein Befund, der in 200 Jahren Forschung am Menga-Dolmen so noch nicht dokumentiert worden war: Die Blöcke sind fest im anstehenden Fels verkeilt. Ihre Fundamente bestehen aus tiefen Einlassungen (Sockeln), was ein kontrolliertes Absenken und Ausrichten erfordert haben muss. Das wiederum spricht für den Einsatz von Gegengewichten und abwärts führenden Rampen, um die Steine vorsichtig in Position zu schieben und anschliessend aufzurichten. Gleichzeitig reduziert eine solche tiefe Gründung die Notwendigkeit, die Dachsteine auf grosse Höhe anheben zu müssen.

Die Säulensteine wurden offenbar nach einem ähnlichen Prinzip mit tiefen Fundamenten gesetzt, dürften jedoch erst nach den Wandsteinen installiert worden sein. Die Wandsteine wiederum sind so angeordnet, dass ihre Oberkanten leicht nach innen kippen. Dadurch entsteht eine trapezförmige Kammergeometrie: oben schmaler als unten. Aus Sicht des Teams ist das ein genialer Kniff, weil dadurch kleinere Decksteine ausreichen, als es bei einer oben breiteren Auflagerfläche nötig wäre.

„Almost 6,000 years ago they used a relieving arch to solve complex problems of stress distribution, thus solving problems related to weight, which would be one of the biggest structural problems they would encounter in the design of this great monument. This is also solved by using pillars inside,“ staunt Lozano Rodríguez.

„I was also surprised to see that the monument was designed to be partially buried so that the capstones could be placed without the aid of ascending ramps.“

Dass dieses rätselhafte Bauwerk bis heute Erkenntnisse liefert, steht ausser Frage – nicht nur über Bautechnik, sondern ebenso über die Erfindungsgabe neolithischer Gesellschaften und darüber, wie wichtig ein offener Blick auf die Fähigkeiten unserer Vorfahren ist.

„The incorporation of advanced knowledge in the fields of geology, physics, geometry, and astronomy shows that Menga represents not only a feat of early engineering but also a substantial step in the advancement of human science, reflecting the accumulation of advanced knowledge,“ schreiben die Forschenden in ihrer Arbeit.

„Menga demonstrates the successful attempt to make a colossal monument lasting over thousands of years.“

Die Studie wurde in Science Advances veröffentlicht.

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