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Chinas J-20 und J-35: Wie die Tarnkappenflotte im Pazifik das Kräfteverhältnis verschiebt

Mann in gelbem Schutzhelm beobachtet mit Fernglas fünf Kampfjets über Meer von Schiff aus bei Sonnenuntergang.

Jenseits des Pazifiks tauchen auf Radarschirmen immer mehr neue Signaturen auf – während China das Kräfteverhältnis in der Luft beinahe geräuschlos neu justiert.

Was lange wie ein entfernter Wettlauf um Technologie wirkte, entwickelt sich zunehmend zu einer Frage der Stückzahlen – und die Anzeige kippt rasch. Peking hat sich vom vorsichtigen Nachahmer zum industriellen Schwergewicht gewandelt und produziert Tarnkappenjäger in einem Tempo, das Washington und seine Partner dazu zwingt, Luftüberlegenheit neu zu definieren.

Chinas Tarnkappenflotte überschreitet eine historische Schwelle

Nach mehreren Verteidigungsschätzungen hat Peking inzwischen mehr als 300 J-20-Jäger des Typs „Mächtiger Drache“ in Dienst gestellt. Damit verfügt China nach den USA über die zweitgrösste Tarnkappenflotte der Welt.

Parallel zum J-20 läuft ein neuerer Tarnkappenjet für die Marine, der J-35, in steigenden Stückzahlen vom Band. Rund 60 sollen bereits im Einsatz sein; chinesische Werke gelten als in der Lage, pro Jahr weitere 70 bis 100 Maschinen zu liefern. Das nähert sich beim Ausstoss der US-Produktion aus der Ära des Kalten Krieges an – nur mit deutlich moderneren Flugzeugen.

China wechselt vom Vorführen von Prototypen hin zum Aufstellen einsatzfähiger Staffeln von Tarnkappenjets in jedem wichtigen Kriegsschauplatz Richtung Pazifik.

Für die Luftwaffe und Marine der Volksbefreiungsarmee bedeutet das einen Fähigkeitssprung, den es so noch nicht gab: Tarnkappenoperationen glaubwürdig und in grossem Umfang durchzuhalten – nicht nur in einer akuten Krise, sondern Tag für Tag in einem möglichen Konflikt um Taiwan, im Südchinesischen Meer oder im gesamten Indopazifik.

So schlagen sich Chinas Jets im Vergleich zu US-Flugzeugen

In vielen Leistungswerten führen US-Muster weiterhin die Tabellen an. Die F-22 gilt nach wie vor als Referenz bei Wendigkeit und geringer Sichtbarkeit, und die F-35 ist zum Rückgrat westlicher Luftmacht geworden.

Dennoch rücken J-20 und J-35 in einzelnen Punkten näher heran – besonders bei Reichweite sowie bei der regional verfügbaren Flottengrösse. Die folgenden Daten zeigen, wie sich das Verhältnis verschiebt:

Flugzeug Geschätzte Flottengrösse Rolle Ungefähre Indienststellung
J-20 300+ Langstrecken-Luftüberlegenheit, Tiefangriff 2017
J-35 60+ Trägergestützter Mehrzweck-Tarnkappenjet 2023
F-22 ~180 Lufthoheit 2005
F-35 (alle Varianten) 1,200+ Mehrzweck-Tarnkappe, vernetzte Kriegführung 2015

Die weltweite Zahl der F-35 wirkt beeindruckend – doch viele dieser Jets stehen in Europa oder im Nahen Osten. In einer Taiwan-Krise zählen vor allem jene Flugzeuge, die den westlichen Pazifik tatsächlich aus eigener operativer Reichweite erreichen können.

Ausgelegt für weite Distanzen, hohes Tempo und Überraschung

Im Zentrum von Chinas Streben nach Luftüberlegenheit steht der J-20. Er kann bis zu sechs weitreichende Luft-Luft-Lenkflugkörper in internen Waffenschächten mitführen – was die Radarsignatur im Gefecht niedrig halten soll.

Chinesische Stellen erklären, neuere Triebwerke ermöglichten „Dauer-Überschallflug“ – also anhaltenden Überschall ohne die treibstoffintensiven Nachbrenner. Sollte diese Leistung unter Gefechtsbedingungen tatsächlich abrufbar sein, hätte der J-20 klare Vorteile bei Hinterhalten, Begleitschutzmissionen und schnellen Vorstössen gegen Unterstützungsflugzeuge wie Tanker und AWACS-Frühwarnplattformen.

Der J-35 wiederum ist für Chinas neue Generation von Flugzeugträgern mit Katapultstart konzipiert. Klappflügel und verstärktes Fahrwerk sollen es ihm erlauben, auch bei schwerem Seegang hart auf dem Deck aufzusetzen und kurz darauf wieder zu starten.

Eine Trägerkampfgruppe mit J-35 könnte Chinas Tarnkappenpräsenz weit über die eigene Küste hinausschieben – bis an die wichtigsten Seeverbindungsrouten, die US-Kräfte und regionale Verbündete nutzen.

Erwartet wird, dass diese Jets US-Stützpunkte auf Guam und in Japan, verbündete Flugplätze, Radarstellungen sowie Betankungsdrehscheiben ins Visier nehmen. Wenn solche Knotenpunkte gestört werden, könnten die US-Luftoperationen schon zu Beginn eines Zusammenstosses deutlich geschwächt werden.

Wenn Stückzahlen beginnen, das Kräfteverhältnis zu verbiegen

Den grössten Hebel setzt China bei der Produktion an. Analysten schätzen, dass chinesische Werke jährlich zwischen 100 und 120 J-20 bauen können. Bei diesem Tempo könnte Peking bis etwa 2030 nahezu 1.000 Tarnkappenjäger aufstellen – viele davon entlang der ersten und zweiten Inselkette im Pazifik konzentriert.

Zum Vergleich: Die USA fertigen derzeit rund 156 F-35 pro Jahr, wobei ein erheblicher Anteil nach Europa und in den Nahen Osten geht. Dadurch verteilt sich die US-Stärke weltweit, während China fast alles auf einen einzigen Kriegsschauplatz ausrichten kann.

  • Anfang der 2030er Jahre könnten im Indopazifik ähnlich viele chinesische wie westliche Tarnkappenjäger verfügbar sein.
  • Chinas Jets würden deutlich näher an wahrscheinlichen Krisenherden stationiert, was Anflugzeiten verkürzt und die Abhängigkeit von Tankflugzeugen senkt.
  • US-Kräfte wären stark auf schnelle Verstärkung vom US-Festland und aus Hawaii angewiesen.

Das führt zu einer feinen Verschiebung: Global verfügen die USA weiterhin über den grösseren Radius – lokal könnte China jedoch dort Masse und Durchhaltefähigkeit gewinnen, wo es für beide Seiten am entscheidendsten ist.

Direkter Druck auf Taiwan und nahe Verbündete

Chinesische Staatsmedien verbreiteten zuletzt den Bericht eines J-20-Piloten, der behauptet haben soll, er sei über die gesamte Insel Taiwan geflogen, ohne abgefangen zu werden. Unabhängig prüfen lässt sich diese Darstellung nicht – als psychologisches Signal wirkt sie dennoch eindeutig: Taiwans Luftverteidigung könnte Schwierigkeiten haben, auf dauerhafte Tarnkappen-Eindringflüge rechtzeitig zu reagieren.

Mit dem J-35 kommt eine weitere Dimension hinzu. Von Trägern im Ost- und Südchinesischen Meer aus könnte er helfen, Raketensalven gegen US-Schiffe, japanische Basen oder Einrichtungen auf den Philippinen zu koordinieren, indem er Zielinformationen an landgestützte Raketen und andere Luftfahrzeuge weitergibt.

Das Konzept heisst „Schwarm“-Kampf: ein Verbund aus Jets, Drohnen und Raketen, der Daten in Echtzeit teilt und Verteidigungen durch schiere Komplexität überlastet.

Für Planer in Taipeh, Tokio und Washington geht es damit nicht nur um die Zahl der verfügbaren Jäger, sondern auch um die Frage, ob ihre Führungs- und Kommunikationsnetze die ersten Schläge eines derart koordinierten Angriffs überstehen.

Westliche Antwort: ein Ökosystem statt eines einzelnen Flugzeugs

Trotz des chinesischen Tempos behalten westliche Streitkräfte mehrere strukturelle Vorteile. Die F-22 bleibt im reinen Luftnahkampf und bei Tarnkappeneigenschaften sehr stark. Die F-35 ist zwar langsamer, fungiert dafür aber als fliegendes Sensor-Zentrum, das Daten über den gesamten Einsatzraum verteilt.

Im westlichen Pazifik entsteht daraus ein gestaffeltes Netz:

  • Japan: 147 F-35 bestellt, mehrere Staffeln bereits im Dienst.
  • Südkorea: 40 F-35 sowie das entstehende Jägerprogramm KF-21.
  • Australien: 72 F-35 ausgeliefert, weitere als Option.
  • Singapur: 20 F-35A sollen zu einer bereits sehr modernen Luftwaffe stossen.

Regelmässige multinationale Übungen lassen diese Kräfte gemeinsam mit US-Verbänden trainieren. So wachsen gemeinsame Taktiken, Datenverbindungen und Logistikketten – etwas, das China in dieser Form mit Partnern bislang nicht aufbauen konnte.

Die nächste Generation betritt die Bühne

Auch Washington entwickelt weiter. Das Programm Next Generation Air Dominance (NGAD) soll in den 2030er Jahren einen Jäger der sechsten Generation in Dienst bringen – von Analysten häufig als F-47 bezeichnet.

Dieses Flugzeug soll sowohl bemannt als auch unbemannt operieren können und von autonomen „treuen Flügelmann“-Drohnen begleitet werden, die Waffen, Sensoren oder Störbehälter tragen. Parallel verfolgt die US Navy ein eigenes F/A-XX-Programm, um alternde F/A-18 auf Trägern zu ersetzen.

Künftige amerikanische Jäger werden als Kommandozentralen am Himmel entworfen, die Drohnenschwärme orchestrieren, statt allein zu agieren.

Voraussichtlich fliessen in diese Plattformen fortgeschrittene Systeme der elektronischen Kampfführung ein, Bord-KI zur Entlastung der Piloten bei riesigen Datenmengen sowie möglicherweise Hyperschallwaffen, um Ziele auf sehr grosse Distanzen anzugreifen.

Stückzahlen kontra Zuverlässigkeit und Ausbildung

Nicht alle Fachleute sind überzeugt, dass Chinas rasantes Wachstum automatisch in Überlegenheit mündet.

Offen bleiben Fragen zur Zuverlässigkeit chinesischer Triebwerke, zur tatsächlichen Tarnkappenwirkung der Zellen gegen moderne westliche Radare und zum Wartungs- und Versorgungssystem, das nötig ist, um Hunderte Jets über Monate hinweg einsatzbereit zu halten.

Hinzu kommt die Pilotenqualität. US-amerikanische, japanische, australische und südkoreanische Piloten kommen typischerweise auf viele Flugstunden pro Jahr und üben in anspruchsvollen multinationalen Szenarien. Diese Routine in Verbundoperationen und realitätsnahen Lagen kann den Ausschlag geben, sobald die ersten Lenkwaffen unterwegs sind.

China versucht auch diese Lücke zu schliessen – mit komplexeren Übungen und simulierten Gefechten gegen Aggressorverbände der „Blaukräfte“. Doch Generationen erfahrener Ausbilder und kampferprobter Führungspersönlichkeiten entstehen nicht über Nacht; Zeit lässt sich nicht im gleichen Mass beschleunigen wie ein Produktionsband.

Schlüsselkonzepte hinter dem neuen Luftwettrennen

Mehrere technische Leitideen tragen diese Verschiebung der Luftmacht:

  • Tarnkappe: Formgebung und Materialien verringern den Radarquerschnitt, sodass gegnerische Radare ein Flugzeug später und erst auf kürzere Distanz erfassen.
  • Dauer-Überschallflug: Anhaltender Überschall ohne Nachbrenner; ermöglicht schnelle Verlegung und Gefecht bei geringerem Verbrauch und reduzierter Infrarotsignatur.
  • Vernetzte Kriegführung: Flugzeuge, Drohnen, Schiffe und Bodeneinheiten teilen Zieldaten; jede Plattform wird Teil eines grösseren „Sensor-Schütze“-Netzes.
  • „Treuer Flügelmann“-Drohnen: Unbemannte Begleiter fliegen neben bemannten Jets und übernehmen Hochrisikoaufgaben wie Stören oder Angriffe in der ersten Welle.

In einem Pazifik-Konflikt würden diese Konzepte die ersten Minuten prägen: Tarnkappenjets, die Radare blenden sollen, Drohnen, die Abwehrstellungen ausloten, weitreichende Raketenstarts ausserhalb der Sichtweite – und auf beiden Seiten der Wettlauf, die eigenen Führungsnetze funktionsfähig zu halten.

Für die Zivilbevölkerung in der Region ist der Einsatz hoch. Flugplätze, Häfen und Datenknoten, die diesen Hightech-Wettstreit tragen, liegen oft nahe dicht besiedelter Gebiete. Jede Eskalation mit grossen Zahlen an Tarnkappenflugzeugen und Präzisionsraketen würde komplexe Risiken für Infrastruktur, Lieferketten und den Alltag mit sich bringen – weit über den abstrakten Vergleich einzelner Jägerentwürfe hinaus.


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