Zum Inhalt springen

Studie von UNC-Chapel Hill: Schüler verbringen fast ein Drittel des Schultags am Smartphone

Schüler im Klassenzimmer, konzentriert auf Smartphones und Laptops, mit Büchern und Schreibmaterial am Tisch.

Ein kurzer Blick aufs Handy dauert oft nur ein paar Sekunden. Über einen gesamten Schultag hinweg summieren sich diese Sekunden jedoch.

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe fast ein Drittel ihres Schultags am Smartphone verbringen und es während der Unterrichtszeit dutzendfach überprüfen.

Dieses gleichmässige Muster aus Unterbrechungen könnte seinen Preis haben. Die Forschenden stellten fest, dass häufiges Nachsehen mit schwächerer Aufmerksamkeit und geringerer Selbstkontrolle zusammenhängt – genau den Fähigkeiten, die Jugendliche brauchen, um im Unterricht dranzubleiben.

Erfassung der Handynutzung von Schülerinnen und Schülern

Über einen typischen Schultag hinweg zog sich die Smartphone-Aktivität durch jede Stunde – von der ersten Klingel am Morgen bis zur letzten Unterrichtsstunde.

Über einen Zeitraum von zwei Wochen dokumentierte Eva Telzer von der University of North Carolina at Chapel Hill (UNC-Chapel Hill), wie oft Jugendliche während der Schulzeit zum Handy zurückkehrten.

Fast alle Jugendlichen in der Stichprobe nutzten ihr Smartphone während der Unterrichtszeit; insgesamt lag die durchschnittliche Nutzung bei über zwei Stunden pro Schultag.

Diese dauerhafte Präsenz wirft eine noch dringlichere Frage auf: Wie verändern wiederholte Unterbrechungen die Aufmerksamkeit, auf die Schülerinnen und Schüler angewiesen sind, um im Unterricht engagiert zu bleiben?

Das Ausmass der Smartphone-Nutzung im Schulalltag

Über den Schultag hinweg verbrachten die Jugendlichen im Schnitt etwa 2.2 Stunden am Smartphone und schauten ungefähr 64 Mal darauf.

Weil sich die Nutzung auf jede einzelne Stunde verteilte, konzentrierten sich die Checks nicht nur auf die Mittagspause oder eine besonders langweilige Stunde – sie waren über den ganzen Tag verstreut.

Auch die Spannweite war gross: Manche protokollierten während der Schule nur acht Minuten, andere hingegen mehr als fünf Stunden am Handy.

Diese Streuung deutet darauf hin, dass Schulen möglicherweise davon profitieren, besonders intensive Nutzungsmuster gezielt anzugehen, statt alle Jugendlichen gleich zu behandeln.

Auch das Alter prägte, wie das Smartphone im Schultag auftauchte. Ältere Jugendliche kamen im Durchschnitt auf etwa 23 Minuten Handynutzung pro Stunde, jüngere auf etwa 12 Minuten.

Nach Schulschluss unterschieden sich beide Gruppen allerdings deutlich weniger. Jüngere Teenager reduzierten ihre Handynutzung an Schultagen stärker als an schulfreien Tagen, während ältere Jugendliche offenbar weniger an diese Tagesstruktur gebunden waren.

Das Muster legt nahe, dass die frühe Adoleszenz ein wichtiges Zeitfenster sein könnte, um gesündere Handygewohnheiten zu entwickeln – bevor sich tägliche Routinen schwerer verändern lassen.

Was Schülerinnen und Schüler am Smartphone machten

Ein grosser Teil der Nutzung während der Schulzeit entfiel auf soziale Medien und Unterhaltung. Bei den jüngeren Jugendlichen machten diese Apps nahezu 70 Prozent der gesamten Handynutzung aus.

„Was uns am meisten überrascht hat, war die enorme Zeit, die Teenager während der Schule am Handy sind“, sagte Kaitlyn Burnell, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der UNC-Chapel Hill und Mitautorin der Studie.

Solche Apps sind darauf ausgelegt, schnelle soziale Belohnungen und unkomplizierte Unterhaltung zu liefern – dadurch sind sie besonders verlockend, den ganzen Tag über immer wieder kurz hineinzuschauen. Selbst sehr kurze Blicke können die Aufmerksamkeit vom Unterricht weg und zurück zum Bildschirm ziehen.

Der deutlichste Befund der Studie bezog sich jedoch nicht allein darauf, wie lange Jugendliche am Handy waren. Entscheidend für die Verbindung zu schwächerer Konzentration war vielmehr, wie oft sie nachsahen. Jeder Blick zwingt das Gehirn, eine Aufgabe zu unterbrechen und eine andere erneut zu „laden“ – Aufmerksamkeit zerfällt dadurch in kurze Abschnitte.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass häufiges Handy-Überprüfen genau die Fähigkeiten untergraben könnte, die Schülerinnen und Schüler brauchen, um im Unterricht erfolgreich zu sein“, sagte Telzer.

Das spricht dafür, dass für Schulen weniger die gesamte Bildschirmzeit das Kernproblem sein könnte, sondern die ständigen Unterbrechungen durch wiederholtes Nachsehen.

Wie Smartphones die Konzentration beeinflussen

Am stärksten schien die kognitive Kontrolle nachzulassen – also die Fähigkeit des Gehirns, auf ein Ziel fokussiert zu bleiben und schnellen Impulsen zu widerstehen.

Um diese Fähigkeit zu prüfen, setzten die Forschenden eine einfache Laboraufgabe ein. Die Jugendlichen mussten bei bestimmten Bildern eine Taste drücken, bei anderen jedoch nicht – so wurde gemessen, wie gut sie ihre Reaktionen steuern und ihre Aufmerksamkeit geordnet halten konnten.

An diesem Test nahmen nur die älteren Schülerinnen und Schüler teil; die Ergebnisse zur Aufmerksamkeit stammen daher aus einem kleineren Teil der Stichprobe.

Trotz dieser Einschränkung entspricht das Muster dem, was viele Lehrkräfte bereits im Unterricht beobachten: Häufige Unterbrechungen durch Smartphones können es Jugendlichen erschweren, bei schulischen Aufgaben konzentriert zu bleiben.

Ein breiterer Smartphone-Hintergrund

Smartphones spielen im Leben von Teenagern längst auch ausserhalb des Klassenzimmers eine grosse Rolle. Rund 95 Prozent der Jugendlichen in den USA geben an, Zugang zu einem Smartphone zu haben, und fast die Hälfte sagt, sie sei nahezu ständig online.

Andere Studien zeigen während der Schulzeit vergleichbare Muster. Eine Untersuchung, die 117 Jugendliche verfolgte, fand etwa 1.5 Stunden Handynutzung im Verlauf eines Schultags – die neuen Ergebnisse wirken damit nicht ungewöhnlich.

Frühere Arbeiten des UNC-Teams brachten zudem häufiges Überprüfen sozialer Medien mit Veränderungen in Verbindung, wie das Gehirn über die Zeit auf Belohnungen reagiert.

Zusammengenommen weisen die Studien auf einen breiteren Trend hin: Schnelle, wiederholte Handy-Checks werden zu einem festen Bestandteil des Teenager-Alltags.

Was die Studie nicht erfasste

Die Ergebnisse haben dennoch wichtige Grenzen. Beobachtet wurden 79 Schülerinnen und Schüler aus nur einem Schulbezirk, weshalb die Resultate nicht jede Schule oder Region abbilden müssen.

Alle Teilnehmenden nutzten iPhones, da Android-Geräte die detaillierten stündlichen Nutzungsdaten, die das Forschungsteam benötigte, nicht liefern konnten.

Zudem konnten die Daten nicht zwischen verschiedenen Momenten des Schultags unterscheiden. Ein kurzer Blick in der Mittagspause, in den Pausen zwischen Stunden oder während einer Pause wurde genauso erfasst wie ein Check mitten im Unterricht.

Schliesslich zeigt die Studie Muster, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Auch wenn häufiges Nachsehen mit schwächerer Aufmerksamkeit zusammenhing, lässt sich daraus nicht beweisen, dass die Handynutzung diese Veränderungen direkt verursachte.

Smartphones in Schulen neu denken

Schulen, die nach Antworten suchen, brauchen womöglich Regeln, die auf Gewohnheiten zielen – denn das problematischste Muster in der Studie war das ständige Überprüfen.

Telzer argumentierte, Schulen sollten den Zugang zu sozialen Medien und Unterhaltungs-Apps während der Unterrichtszeit begrenzen; zugleich merkten die Autorinnen und Autoren an, dass Unterricht zu digitaler Kompetenz solche Regeln ergänzen könne, statt sie zu ersetzen.

Dieser breitere Ansatz passt zu den Befunden, weil Smartphones Schülerinnen und Schüler weit über das Klassenzimmer hinaus begleiten und Gewohnheiten selten mit dem letzten Klingeln enden.

In der Studie waren Handys nicht nur vorhanden; sie waren in den Tagesablauf eingewoben und nagten durch wiederholte Unterbrechungen immer wieder an der Konzentration der Jugendlichen.

Der nächste sinnvolle Schritt ist womöglich nicht mehr Alarmismus, sondern klarere Regeln und stärkere Gewohnheiten, die die ständigen Unterbrechungen reduzieren.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen