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Neue Experimente: Kegelförmige Tongefässe als Bienenwachs-Lampen vor 6.000 Jahren

Hände halten ein brennendes Lehmöllicht in antiker Umgebung mit hängenden Kegellämpchen und Wandmalereien.

Neue Experimente zeigen, dass kleine, kegelförmige Tongefäße von vor 6.000 Jahren brennendes Bienenwachs aufnehmen konnten und stundenlang als gleichmässige Lampen funktionierten.

Diese Beobachtung spricht dafür, dass die Stücke eher zum Beleuchten von Zeremonien oder Zusammenkünften dienten – und weniger für das alltägliche Kochen oder die Zubereitung von Speisen.

Rückstände auf den Kegeln

Eine Studie richtete den Blick auf 35 unversehrte Kegel sowie rund 550 Fragmente aus einer Jerusalemer Sammlung.

Indem sie Rußspuren mit wachsartigen Rückständen abglich, ordnete Sharon Zuhovitzky, Archäologin an der Tel Aviv University (TAU), mehrere Kegel eindeutig dem Verbrennen von Wachs zu.

In den spitz zulaufenden Basen entdeckte Zuhovitzky Ruß, der an den Innenflächen haftete – ein Hinweis darauf, dass die Schwärzung schon vor dem Zerbrechen entstanden war.

Mit diesen materiellen Spuren konnten die Forschenden der TAU gezielt prüfen, ob die Kegel beim tatsächlichen Bewegen heisses Wachs sicher aufnehmen konnten.

Den Wachsleuchter testen

Ein Bericht verfolgte, wie Cornets – kegelförmige Keramikgefässe aus jener Zeit – als Nachbildungen auf Bienenwachs-Basis zu leuchten begannen.

Nach dem Anzünden zog der Docht flüssiges Wachs nach oben; die brennenden Dämpfe gaben Wärme ab, während die Hand, die das Gefäss hielt, geschützt blieb.

„In meiner experimentellen Arbeit brannten mit Bienenwachs gefüllte Cornets bis zu neun Stunden“, sagte Zuhovitzky.

Wie lange sie leuchteten, hing davon ab, wie viel Wachs im Inneren war – entsprechend dürften sich antike Lampen je nach Vorrat und Entscheidung in der Leuchtdauer unterschieden haben.

Warum Ruß fehlte

Dass Ruß oft ausblieb, hatte die Lampen-Interpretation früher geschwächt, weil viele ausgegrabene Kegel innen sauber wirkten.

Wurde der Docht mittig platziert, konnte das Wachs um ihn herum aushärten, sodass die Flamme die Keramikwand gar nicht berührte.

In den Tests mit Repliken blieb die Flamme auch bei Wind und beim Gehen ruhig, und die meisten Gefässe wiesen am Ende nur wenig Ruß auf.

Wenn starke Rauchspuren also kein Muss sind, können Archäologinnen und Archäologen diese Kegel anhand von Wachsresten und ihres Fundkontexts bewerten.

Wachshinweise an anderen Fundorten

Eine Analyse organischer Rückstände – chemische Tests, die alte Fette und Wachse nachweisen – fand in Cornets von fünf Fundplätzen Spuren von erhitztem Bienenwachs.

Durch die Erwärmung veränderte sich das Wachs, und einige seiner Verbindungen drangen in die Poren der Keramik ein; so blieben Marker erhalten, die eine lange Lagerung im Boden überdauerten.

Trotz dieser chemischen Übereinstimmung hielten viele Fachleute weiter an Erklärungen mit Milchprodukten oder Metallverarbeitung fest, unter anderem weil Ruß selten zu sehen war.

Teleilat Ghassul verknüpfte Chemie, experimentelles Brennen und den rituellen Kontext – damit stützte sich die Lampen-Deutung auf mehr als nur ein einzelnes Indiz.

Wertvolles Bienenwachs sparen

Bienenwachs dürfte kostbar gewesen sein, und ungebrannte Tonbienenstöcke verschwinden – ein späterer Beleg taucht erst tausende Jahre danach in Tel Rehov im Norden Israels auf.

Wurde die untere Spitze zusätzlich mit Ton gefüllt, verringerte das die benötigte Wachsmenge und hob zugleich die Flamme an, sodass sich das Licht weiter ausbreiten konnte.

„Dies würde das erforderliche Wachsvolumen reduzieren und die Beleuchtungsfunktion verbessern, indem die Flamme höher im Gefäss positioniert wird“, sagte Zuhovitzky.

Solche Sparsamkeit wäre wichtig gewesen, falls Wachs knapp war, und sie hilft zu erklären, warum einige Kegel bereits mit fertigen Aufhängungsgriffen ausgestattet waren.

Aufgehängtes Licht als Konstruktionsprinzip

Durchlochte Griffe fanden sich an vielen Kegeln, und die seitlichen Öffnungen passen eher zum Durchziehen einer Schnur als zu blossen Zierelementen.

Führte man eine Kordel durch zwei Löcher, liess sich die Lampe aufhängen; vier Löcher sorgten für zusätzliche Stabilität, damit das Wachs im Inneren blieb.

Auch die Form spielte eine Rolle: Längere, „schwanzartige“ Basen kamen häufig ohne Griffe aus, während flacher ausgeführte Basen meist welche trugen.

Mit Optionen zum Tragen und zum Aufhängen konnte Licht einer sich bewegenden Menschenmenge folgen und später in einem vollen Raum über den Köpfen weiterbrennen.

Beschädigung mit Absicht

Schlagspuren an massiven Basen zeigten Stellen, an denen jemand einen Kegel kräftig getroffen hatte – doch nicht jeder erste Schlag führte sofort zum Bruch.

Unter dem Mikroskop lag auf den Dellen und Kratzern eine passende Patina, also ein langsam entstehender Oberflächenfilm aus der Lagerung im Boden.

Gruben, die mit Bruchstücken gefüllt waren, lagen an Orten, die als heilig eingestuft wurden; daher zogen die Autorinnen und Autoren auch bewusstes Zerbrechen und anschliessendes Vergraben in Betracht.

Wäre die Beschädigung rituell erfolgt, dann endete die „Lebenszeit“ der Lampe gezielt – und das lenkt den Blick darauf, wer diese Stücke herstellte.

Kegel in wenigen Minuten formen

Praktische Replikarbeit an der TAU deutete darauf hin, dass sich ein einzelner Kegel in etwa zehn Minuten formen liess – auch ohne eine Meistertöpferin oder einen Meistertöpfer.

Mit einem rund zugeschnittenen Stab höhlte die herstellende Person den Ton aus und dünnte die Wände aus; danach wurde die Basis mit nassen Fingern nach unten länger gezogen.

Minerale im Ton entsprachen lokalen Böden nahe Teleilat Ghassul, allerdings unterschieden sich die „Rezepte“ – ein Hinweis auf viele unterschiedliche Herstellende.

Eine so einfache Produktion passt zu einer Zeremonie, bei der Besucherinnen und Besucher mit Ton und Wachs anreisten, dann vor Ort Lichtquellen formten und sich anschliessend einem nächtlichen Ritual anschlossen.

Beleuchtung bemalter Heiligtümer

Teleilat Ghassul liegt im heutigen Jordanien etwa 4,8 Kilometer nordöstlich des Toten Meeres und zog Menschenmengen an.

Bunte Wandmalereien zeigten Prozessionen und Masken; die Autorinnen und Autoren argumentierten, dass flammenbetriebene Kegel sowohl für Bewegung im Freien als auch für Räume im Inneren geeignet waren.

Ansammlungen dieser Gefässe kamen nahe bemalter Bereiche und eines Heiligtumsareals zutage, was zur Vorstellung gemeinsamer Nachtwachen passt.

In dieser Lesart wirken die Kegel weniger wie Werkzeuge für Nahrung oder Metall – und eher wie Ausrüstung für Rituale.

Kegel als rituelle Lampen

Spuren aus Rückständen, das Brennverhalten der Repliken und der Fundkontext verbinden den schlichten Keramikkegel mit gemeinschaftlichen Nächten, in denen Menschen Licht trugen und teilten.

Künftige Rückstandsanalysen könnten Lampen von anderen Verwendungen der Kegel unterscheiden und zudem zeigen, wie häufig solche Zusammenkünfte tatsächlich durch Wachs befeuert wurden.


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