Sérgio Figueiredo gibt die Führung im Fernsehsender Conta Lá ab, zeigt sich jedoch überzeugt, dass das Projekt auch ohne ihn weiterbestehen kann. Gleichzeitig beklagen Beschäftigte ausstehende Lohnzahlungen und warten auf konkrete Antworten.
Conta Lá und Sérgio Figueiredo: Auftrag des Senders und aktuelle Zuspitzung
Conta Lá, ein Fernsehprojekt mit dem Ziel, den lokalen Journalismus zu stärken und Regionen sichtbar zu machen, die in der nationalen Medienagenda häufig kaum vorkommen, steckt nur ein Jahr nach Sendestart in einer schweren Krise. Der Rücktritt des Gründers und Vorstandsvorsitzenden Sérgio Figueiredo fällt in eine Phase, in der das Unternehmen mit Finanzproblemen kämpft, Gehälter schuldig bleibt und eine Restrukturierung vorbereitet, über die bis Ende dieses Monats in einer Hauptversammlung der Aktionäre beraten werden soll.
In einer am Mittwoch an die Belegschaft verschickten Nachricht räumte Figueiredo ein, keine Lösung gefunden zu haben, um die finanzielle Lage zu drehen. Zugleich betonte er, dass der Sender unter neuer Leitung fortgeführt werden könne. „Das ist nicht das Ende des Projekts, es ist einfach nur mein Ende darin“, schrieb er. In derselben Mitteilung erklärte er, die künftige Geschäftsführungskommission solle sich darauf konzentrieren, die offenen Beträge gegenüber den Beschäftigten zu begleichen und eine neue Ausrichtung für den Kanal festzulegen.
Belegschaft: Vollversammlung, Gewerkschaftsdelegierter und ausstehende Zahlungen
Die Bekanntgabe erfolgte zeitgleich mit einer Vollversammlung, an der rund zwei Drittel der Beschäftigten teilnahmen. Filipe Caetano wurde zum Gewerkschaftsdelegierten gewählt; Joana Amarante übernimmt die Rolle der Stellvertreterin. Damit verfügt das Unternehmen in einer Situation, in der es noch keinen Betriebsrat gibt, nun über eine gewerkschaftliche Vertretung.
Gegenüber JN erläuterte Caetano, die hohe Beteiligung spiegele die breite Sorge in der Belegschaft wider. „Es wurde eine Vollversammlung einberufen, die allen Beschäftigten offenstand, und sie wurde von allen sehr gut angenommen und aufgenommen“, sagte er.
Nach Angaben des Gewerkschaftsdelegierten beschäftigt Conta Lá rund einhundert Personen, darunter etwa 40 Journalistinnen und Journalisten. Zentrales Problem bleiben die Gehälter. „Ende dieses Monats werden es für die meisten drei ausstehende Gehälter sein – und auch das Urlaubsgeld“, erklärte er gegenüber JN.
Caetano berichtete ausserdem, dass es regelmässige Treffen mit der Unternehmensführung gegeben habe. Dabei sei ein Plan zur Begleichung der offenen Zahlungen vorgestellt worden, der jedoch nie umgesetzt wurde. Auch die Möglichkeit von Kurzarbeit (Lay-off) sei kommuniziert worden, letztlich aber nicht eingeführt worden.
Krise legt Betrieb lahm
Wie JN erfuhr, hat die fehlende Liquidität grosse Teile der Tätigkeit von Conta Lá zum Stillstand gebracht. Ein Teil der von Reportageteams genutzten Fahrzeuge wurde wegen Vertragsverletzungen bei Leasingverträgen zurückgegeben. Zudem führte der Mangel an Mitteln für laufende Ausgaben wie Treibstoff dazu, dass Reportagen vor Ort nicht mehr möglich waren.
Den gleichen Quellen zufolge war die Website des Senders wegen Problemen im Zusammenhang mit dem Hosting vorübergehend nicht erreichbar und wurde durch eine provisorische Lösung ersetzt, was die Arbeit des Digitalteams einschränkte. Weil vielfach die Voraussetzungen fehlten, um die Aufgaben zu erfüllen, setzten auch viele Beschäftigte ihre Tätigkeit aus.
Das Unternehmen hat darüber hinaus Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten angehäuft; einige davon mündeten in gerichtliche Mahnverfahren zur Forderungsdurchsetzung. Mehrere Beschäftigte signalisierten ausserdem, ihre Verträge im gegenseitigen Einvernehmen beenden zu wollen, doch diese Schritte kamen nicht voran, weil die finanziellen Mittel fehlten, um die fälligen Beträge zu zahlen.
Sollten die Gehälter weiterhin nicht reguliert werden, ziehen einige Fachkräfte eine fristlose Eigenkündigung aus wichtigem Grund in Betracht, da am 28. Juli 60 Tage ohne Lohnzahlung erreicht sind.
Nächste Schritte: Investorengespräche und Restrukturierungsplan
Aus dem Umfeld des Verfahrens heisst es zudem, dass die Gespräche mit potenziellen Investoren weiterlaufen. Deren Einstieg soll den Aktionären in der für Ende des Monats vorgesehenen Hauptversammlung vorgestellt werden; dort steht auch der Restrukturierungsplan zur Bewertung.
In einer nach der Vollversammlung veröffentlichten Erklärung betonten die Beschäftigten, Conta Lá habe gezeigt, dass es „ein Land gab, das Gefahr lief, sich in eine Nachrichtenwüste zu verwandeln“, indem der Sender Gemeinschaften und Regionen Sichtbarkeit verschaffte, die häufig ausserhalb der nationalen Medienagenda liegen. Das Kollektiv versichert, „geschlossen und engagiert“ zu bleiben, um Lösungen zu finden, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Unternehmens und die „Fortsetzung“ der geleisteten Arbeit sichern.
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