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Neue Studie: Wie Sprache die Einstellungen von Kindergartenkindern zu Schlangen prägt

Kind zeigt Schlange in Bilderbuch, Frau liest mit, Schulzimmer mit Schlangentier und Spielzeugschlange im Vordergrund.

Eine neue Studie mit mehr als 100 Kindern im Kindergartenalter legt nahe, dass viele Kinder über Schlangen anders nachdenken als über andere Tiere.

Die Forschenden stellten fest: Wenn Kinder abwertende Bemerkungen über Schlangen hören – oder wenn über Schlangen in einer kühlen, „dinghaften“ Weise gesprochen wird –, kann das dazu führen, dass Kinder Schlangen stärker als etwas „Fremdes“ wahrnehmen und sich weniger mit ihnen identifizieren.

Ermutigend ist jedoch, dass die Ergebnisse auch zeigen: Um diese Negativität abzumildern, braucht es offenbar nicht viel. Schon einfache Begegnungen und grundlegendes Wissen über Schlangen können helfen.

Der Co-Autor Jeff Loucks von der Oregon State University betont die Bedeutung der Arbeit, weil Schlangen wichtige Aufgaben in Ökosystemen erfüllen, zugleich aber – besonders in westlichen Kulturen – weit verbreitet unbeliebt sind.

Diese Ablehnung bleibt nicht bei persönlicher Abneigung stehen. Sie kann beeinflussen, ob Menschen Schutzmassnahmen für Schlangen und den Erhalt ihrer Lebensräume unterstützen.

Warum Einstellungen zu Schlangen wichtig sind

In vielen menschlichen Kulturen werden Schlangen nicht gemocht. Dennoch ist noch nicht vollständig geklärt, wie Kinder Angst und Ekel gegenüber einem Tier entwickeln, dem sie womöglich kaum je begegnen.

Die Folgen sind konkret: Der Artikel hält fest, dass mindestens 450 der über 4.000 beschriebenen Schlangenarten ein erhöhtes Aussterberisiko haben.

Trotzdem fällt die öffentliche Unterstützung für den Schutz von Schlangen oder die Wiederherstellung ihrer Lebensräume häufig gering aus – vermutlich, weil die Abneigung gegen sie besonders stark ist.

„Die Kindheit ist eine entscheidende Phase, in der sich die Einstellungen und Verhaltensweisen eines Menschen gegenüber Tieren formen“, sagte Loucks. „Schlangen haben in westlichen Gesellschaften einen sehr negativen Ruf und werden häufig missverstanden.“

Loucks verweist zudem auf frühere Forschung, nach der Schlangen bei einem grossen Teil der Bevölkerung Angst auslösen und negative Einstellungen ihnen gegenüber in den USA verbreitet sind.

Er nennt ausserdem einen düsteren Befund: „Daten zeigen, dass es für Autofahrer in den USA üblich ist, extra auszuweichen, um eine Schlange zu überfahren.“

Damit stellt sich die Frage: Wo beginnt diese Feindseligkeit eigentlich?

Vermenschlichen Kinder Schlangen?

Loucks und die Studienleiterin Denée Buchko von der University of Regina wollten prüfen, wie Kinder Schlangen gedanklich „einordnen“. Sehen Kinder Schlangen eher in der Nähe von Menschen, eher bei anderen Tieren oder eher bei unbelebten Dingen?

Um das herauszufinden, nutzten die Forschenden eine sogenannte Induktionsaufgabe. Dieses Verfahren macht sichtbar, für wie ähnlich Kinder verschiedene Kategorien halten.

Im Mittelpunkt standen fünfjährige Kinder, ihre Eltern, Bilder von Schlangen und die Sprache, mit der Schlangen beschrieben wurden.

Dabei ging es nicht nur darum, ob Erwachsene Sätze wie „Schlangen sind gruselig“ äusserten. Ein weiterer Punkt war, ob Schlangen wie fühlende Lebewesen beschrieben wurden – oder eher wie Objekte.

Das Bilderbuch-Experiment

Im ersten Teil des Projekts sahen sich Eltern gemeinsam mit ihrem Kind ein Bilderbuch mit Schlangen an. Anschliessend lasen die Forschenden den Kindern eine Geschichte über einen Tag im Leben einer Schlange vor. Diese Erzählung gab es in zwei Fassungen.

In der einen Version wurde die Schlange stärker als Objekt behandelt: Es wurden „es“-Pronomen verwendet, und Hinweise darauf, dass die Schlange Gefühle oder Gedanken haben könnte, wurden vermieden.

Die andere Version nutzte eher personbezogene Formulierungen: Sie verwendete „sie“-Pronomen und enthielt Verweise auf Gedanken und Gefühle.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Sprache tatsächlich beeinflussen kann, wie Kinder denken. Wenn Eltern negative Sprache über Schlangen nutzten, wurden Kinder eher dazu angestossen, Schlangen als weiter von Menschen entfernt zu betrachten.

Auch das Vorlesen selbst spielte eine Rolle: Objektifizierende Formulierungen hatten einen ähnlichen Effekt und rückten Schlangen in der Vorstellung der Kinder weiter weg vom „menschähnlichen“ Bereich.

Eine überraschende Wendung

Ein Ergebnis überraschte das Team. Selbst wenn Kinder Schlangen von Menschen abgrenzten, hielten sie Schlangen dennoch meist für ähnlich wie andere nicht-menschliche Tiere.

Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber bedeutsam. Es spricht dafür, dass viele Kinder Schlangen nicht in dieselbe Kategorie wie Steine oder Spielzeug stecken.

Kinder begreifen, dass Schlangen Tiere sind – nur eben Tiere, zu denen sie nicht so leicht einen Bezug herstellen wie zu anderen.

Anschliessend führte das Team ein zweites Experiment mit einer anderen Kindergruppe durch. Diesmal wurden Bilderbuch und Geschichte komplett weggelassen; die Kinder bekamen nur die Induktionsaufgabe.

Dadurch verschob sich das Muster. Ohne diese kurze Begegnung mit Schlangen hielten Kinder Schlangen weder für menschenähnlich noch für ähnlich wie andere Tiere.

Mit anderen Worten: Ohne eine Art „Einstimmung“ landeten Schlangen in einer eigenen gedanklichen Schublade – nicht menschlich, nicht wirklich „Tier wie die anderen“, sondern schlicht anders.

Einfache Begegnung bewirkt eine Verschiebung

Die Forschenden setzten anschliessend bei einer neuen Kindergruppe wieder Bilderbuch und Geschichte ein und fanden erneut das frühere Muster: Kinder sahen Schlangen als ähnlich zu anderen Tieren, aber weiterhin nicht als ähnlich zu Menschen.

Diese Wiederholung stützte die Annahme, dass schon einfache Begegnungen beeinflussen können, wie Kinder Schlangen kategorisieren.

Die Begegnung führte nicht dazu, dass Kinder Schlangen plötzlich als „wie Menschen“ wahrnahmen. Sie schien Schlangen jedoch wieder klarer in die Welt der Tiere zurückzuholen, statt sie in einer unangenehmen Kategorie des „Fremden“ schweben zu lassen.

„Es scheint, dass 5-jährige Kinder – zumindest aus westlichen Kulturen – dazu neigen, Schlangen als sehr anders als andere Tiere zu betrachten, und negative sowie objektifizierende Sprache könnte dazu beitragen“, sagte Loucks.

„Aber eine gewisse Begegnung mit Schlangen und das Lernen über ihre biologischen Bedürfnisse kann wie eine Impfung gegen negative Einstellungen gegenüber Schlangen wirken, was dazu beitragen kann, Fürsorge und Respekt für diese Tiere zu fördern.“

Respektvolle Sprache und einfache Bildung

Die Studie behauptet nicht, dass ein einziges Bilderbuch die Angst vor Schlangen verschwinden lässt. Sie weist aber auf etwas Hoffnungsvolles hin: Einstellungen könnten früher geprägt werden, als vielen bewusst ist, und kleine Veränderungen in Sprache und Begegnung könnten einen Unterschied machen.

Wenn Eltern ständig „Ihh, Schlangen sind eklig“ sagen oder über Schlangen sprechen, als wären sie gefühllose Objekte, übernehmen Kinder diese Sichtweise möglicherweise, lange bevor sie je echte Erfahrungen mit einer Schlange machen.

Umgekehrt könnte es helfen, Schlangen ruhig als lebende Tiere mit Bedürfnissen zu zeigen – und so zu verhindern, dass Kinder automatisch in Ekel verfallen.

Das ist auch für den Artenschutz relevant. Ein Tier zu schützen, das viele Menschen nur hassen, ist schwierig.

Wenn sich solche Haltungen bereits in der frühen Kindheit formen, dann können respektvolle Sprache und einfache Bildung ein leises, aber wirksames Werkzeug sein, um Arten zu schützen, die ohnehin schon unter Druck stehen.

Die Forschung wurde in der Fachzeitschrift Anthrozoös veröffentlicht.

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