Wenn wir ein gutes Stück Fisch oder eine Platte mit Meeresfrüchten geniessen, nehmen wir nicht nur wertvolle Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D zu uns. Mit den Vorteilen gelangen jedoch auch weniger appetitliche Bestandteile auf den Teller – unzählige Mikro- und Nanoplastikpartikel.
Diese winzigen Kunststoffteilchen (kleiner als 5 Millimeter) erreichen die Meere über menschliche Abfälle und wandern dann durch die Nahrungskette. Einer Studie von Ifremer zufolge treiben an der Meeresoberfläche rund 24.400 Milliarden Mikroplastikpartikel.
Nachweise gibt es inzwischen in praktisch allen Meeresorganismen – von Mikroalgen bis hin zu Fischen, die weiter oben in der Nahrungskette stehen. Das belastet nicht nur marine Ökosysteme, sondern wirft auch die Frage auf, welche Risiken sich daraus für die menschliche Gesundheit ergeben.
Was wissen wir also konkret über die Anreicherung dieser Schadstoffe in Meerestieren – und über die möglichen Gefahren für uns Menschen?
Mikro- und Nanoplastik: eine unsichtbare Bedrohung
Seit den 1950er-Jahren ist die Kunststoffproduktion exponentiell gestiegen; allein in Europa wurden 2022 etwa 58 Millionen Tonnen produziert. Entsprechend sind die Abfallmengen gewaltig.
Mit der Zeit zerkleinern Wind, Wellen, Sonnenlicht und Mikroorganismen grössere Kunststoffabfälle zu Mikroplastik (1–5 mm) und Nanoplastik (kleiner als 100 Nanometer). Diese Partikel sind heute in allen Umweltbereichen zu finden – in der Luft, im Boden und im Wasser.
Die Anreicherung von Kunststoffen in Organismen über verschiedene Stufen der Nahrungskette wird als „Bioakkumulation“ bezeichnet.
Untersuchungen aus unserem Labor zeigen: In Gewässern werden Mikro- und Nanoplastikpartikel von zahlreichen Arten aufgenommen – von Mikroalgen am Anfang der Nahrungskette bis zu Spitzenräubern wie Aalen.
Die Auswirkungen auf das Meeresleben
Die Aufnahme dieser Partikel bleibt nicht ohne Folgen. Studien belegen, dass Mikroplastik bei Meerestieren toxische Wirkungen auslösen kann.
So können Mikroplastikpartikel bei Muscheln das Verdauungssystem verstopfen, Immunreaktionen anstossen, DNA-Schäden verursachen und die Aktivität von Genen beeinflussen, die für unterschiedliche Zellfunktionen wichtig sind.
Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt unter anderem von Grösse und Zusammensetzung der Kunststoffe ab, vom Grad ihrer Zersetzung sowie von potenziell schädlichen chemischen Zusatzstoffen.
Kunststoffe enthalten häufig hohe Anteile an Phthalaten, die als endokrine Disruptoren gelten. Solche Chemikalien können in Hormonsysteme eingreifen – mit Risiken nicht nur für Meeresorganismen, sondern möglicherweise auch für den Menschen.
Risiken für die menschliche Gesundheit
Kunststoffpartikel, die Meerestiere aufnehmen, gelangen zwangsläufig auch in unsere Ernährung.
Bei Menschen, die häufig Meeresfrüchte essen, wird geschätzt, dass sie pro Jahr Tausende Mikroplastikpartikel aufnehmen. Obwohl die Forschung zu den genauen gesundheitlichen Auswirkungen beim Menschen noch läuft, gibt es bereits beunruhigende Hypothesen.
Sind diese Partikel erst im menschlichen Körper, könnten sie Schäden verursachen, die denen ähneln, die bei Fischen beobachtet werden.
Studien an menschlichen Zellen deuten darauf hin, dass Mikro- und Nanoplastik Zellfunktionen in vergleichbarer Weise stören kann, wie es bei Meeresorganismen beschrieben ist. Besondere Sorge bereiten Forschenden dabei die toxischen Effekte von Kunststoffzusätzen.
Ausserdem können Mikro- und Nanoplastikpartikel als Träger für Krankheitserreger oder Bakterien dienen und damit das Risiko für Infektionskrankheiten erhöhen.
Wie dringend es ist, die Bioakkumulation von Kunststoffen in der Nahrungskette einzudämmen, lässt sich kaum überbetonen. Wenn wir rasch handeln, den Kunststoffverbrauch begrenzen und Recyclingtechnologien verbessern, kann der Fortschritt dieser Umwelt- und Gesundheitskrise verlangsamt werden.
Amélie Châtel, Professorin für aquatische Ökotoxikologie, Université catholique de l'Ouest
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz aus The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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