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Studie von Dr. Cornelia Wrzus und Dr. Corina Aguilar-Raab: Achtwöchiges Training stärkt emotionale Stabilität und Extraversion in jedem Alter

Mehrgenerationengruppe im Stuhlkreis, ältere Frau spricht, bunte Karten liegen auf dem Tisch, Lernumgebung.

Alte Gewohnheiten halten sich hartnäckig – doch wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass sie nicht für immer bleiben müssen. Eine neue Untersuchung aus Deutschland und der Schweiz legt nahe, dass sowohl junge als auch ältere Erwachsene lernen können, mit Gefühlen und sozialen Situationen souveräner umzugehen.

Tatsächlich machten ältere Teilnehmende nach einem gezielten Trainingsprogramm genauso große Fortschritte wie Jüngere. An der Studie arbeiteten Forschende aus mehreren Einrichtungen gemeinsam.

Geleitet wurde das Projekt von Dr. Cornelia Wrzus von der Universität Heidelberg und Dr. Corina Aguilar-Raab von der Universität Mannheim. Die Resultate geben Menschen jeder Altersgruppe Anlass zur Hoffnung.

Sozio-emotionale Kompetenzen prägen die Persönlichkeit

Sozio-emotionale Kompetenzen helfen dabei, eigene Gefühle zu erkennen, zu verstehen und zu regulieren. Gleichzeitig beeinflussen sie, wie Beziehungen aufgebaut werden und wie gut sie im Alltag bestehen.

Wer in diesen Fähigkeiten besonders stark ist, kann zum Beispiel in einem Streit gelassen bleiben, die eigenen Emotionen verständlich ausdrücken und anderen mit Freundlichkeit begegnen.

Diese Kompetenzen stehen in engem Zusammenhang mit Persönlichkeitsmerkmalen. Solche Merkmale bestimmen, wie jemand typischerweise denkt, fühlt und sich im Alltag verhält.

Emotionale Stabilität und Extraversion

Zu den zentralen Persönlichkeitsmerkmalen gehören emotionale Stabilität und Extraversion. Emotionale Stabilität beschreibt, wie gut eine Person bei Stress ruhig und innerlich ausgeglichen bleibt.

Extraversion steht dafür, wie kontaktfreudig, energiegeladen und sozial aktiv jemand im Allgemeinen ist.

Viele Fachleute gehen davon aus, dass sich die Persönlichkeit vor allem in der Kindheit sowie im jungen Erwachsenenalter verändert. Danach, so die verbreitete Annahme, wird Veränderung deutlich schwieriger.

„Untersuchungen konzentrieren sich häufig auf junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren“, merkte Dr. Wrzus an. Dadurch wisse die Forschung bislang noch vergleichsweise wenig darüber, wie sich Persönlichkeit auch später im Leben verändern kann.

Training im Alltag

Um dieser Frage nachzugehen, entwickelte das Team ein Trainingsprogramm über acht Wochen. Insgesamt nahmen 165 Personen an der Studie teil.

Eine Gruppe bestand aus jungen Erwachsenen in ihren Zwanzigern. Die zweite Gruppe umfasste ältere Erwachsene im Alter von 60 bis 80 Jahren.

Die Teilnehmenden kamen einmal pro Woche zu Präsenzsitzungen zusammen. Dort vermittelten Trainerinnen und Trainer Strategien, um Stress zu bewältigen und herausfordernde soziale Situationen besser zu meistern.

Zusätzlich bearbeitete jede Person Aufgaben im normalen Alltag. Damit sollten neue Verhaltensweisen gezielt geübt werden – etwa in Konflikten ruhig zu bleiben oder in Gesprächen offener zu reagieren.

Veränderungen über die Zeit gemessen

Um Entwicklungen zuverlässig zu erfassen, setzte das Forschungsteam auf einen Methodenmix.

Vor dem Start des Programms, während des Trainings, direkt danach und noch bis zu einem Jahr später füllten die Teilnehmenden Fragebögen aus. Ergänzend nutzte das Team einen indirekten, computergestützten Test.

So konnten emotionale Stabilität und Extraversion auf unterschiedliche Weise erfasst werden – nicht ausschließlich über Selbstauskünfte.

Alle Altersgruppen verbesserten sich gleichermaßen

Nach der Auswertung zeigte sich ein unerwartetes Bild: Beide Altersgruppen entwickelten sich in sehr ähnlicher Weise weiter.

Bei der durchschnittlichen Veränderung sozio-emotionaler Verhaltensweisen und der Persönlichkeitsmerkmale gab es zwischen jungen und älteren Erwachsenen nahezu keine Unterschiede.

Für die Forschenden war dies ein „auffälliges und unerwartetes Ergebnis, da es älteren Erwachsenen offenbar schwerer fällt, etwas Neues zu lernen, wie eine Fremdsprache oder ein Musikinstrument“, berichtet Professor Wrzus.

Viele Menschen nehmen an, dass Lernen mit zunehmendem Alter grundsätzlich schwieriger wird. Während manche Fähigkeiten – etwa Sprache oder Musik – später im Leben tatsächlich mehr Anstrengung erfordern können, scheint emotionale und soziale Entwicklung einem anderen Muster zu folgen.

Ältere Erwachsene zeigten hohe Beteiligung

Die Studie untersuchte auch, warum ältere Erwachsene genauso stark zulegten. Während des Programms gaben die Teilnehmenden an, wie viel Einsatz sie in die wöchentlichen Übungen steckten.

Dabei zeigte sich, dass sich ältere Erwachsene etwas intensiver mit den Inhalten und Aufgaben auseinandersetzten. Dieses höhere Engagement könnte erklären, weshalb die Verbesserungen in beiden Gruppen ähnlich ausfielen.

Motivation treibt Persönlichkeitsveränderung

Die Ergebnisse stellen ein gängiges Sprichwort über das Älterwerden infrage.

„Unsere Studienergebnisse widersprechen in gewissem Maße dem Sprichwort, dass ‚man einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen kann‘. Das sind gute Nachrichten für alternde Bevölkerungen. Wenn Menschen ausreichend motiviert sind, behalten sie die Fähigkeit, sich zu verändern und Neues zu lernen“, sagte Dr. Wrzus.

Diese Aussage ist für Gesellschaften mit wachsenden älteren Bevölkerungsanteilen bedeutsam. In vielen Ländern erreichen heute mehr Menschen das sechste, siebte Lebensjahrzehnt und darüber hinaus.

Emotionales Wohlbefinden und tragfähige Beziehungen sind in jeder Lebensphase wichtig. Trainingsprogramme, die sozio-emotionale Kompetenzen stärken, könnten daher zu besserer psychischer Gesundheit und zu stabileren Gemeinschaften beitragen.

Zugleich unterstreicht die Studie die Rolle der Motivation. Wenn jemand neue Gewohnheiten konsequent einübt und das eigene Verhalten reflektiert, sind echte Veränderungen möglich. Allein das Alter verhindert Entwicklung nicht.

Ein neuer Blick auf das Altern

Die Untersuchung eröffnet einen anderen Blick auf das Älterwerden: Persönlichkeit ist nach dem jungen Erwachsenenalter nicht „eingefroren“.

Emotionale Stabilität und soziale Sicherheit können sich auch später im Leben weiter verbessern.

Die Arbeit macht deutlich, dass Entwicklung über die gesamte Lebensspanne möglich bleibt. Mit passender Anleitung und eigener Anstrengung können sowohl eine 25-jährige als auch eine 75-jährige Person in bedeutsamer Weise dazulernen und wachsen.

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