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Neue Studie: Soziale Kontakte prägen das Darmmikrobiom in isolierten Dörfern Honduras

Gesundheitsexpertin erklärt Kindern und Senioren im Freien Ernährung mit Tablets und Musterlebensmitteln.

Du teilst mit Familie und Freundeskreis nicht nur Essen und Interessen – ihr gebt einander auch Darmmikroben weiter. Damit kann deine individuelle Darmflora gewissermaßen ein fein aufgelöstes Abbild deines sozialen Alltags liefern.

Eine neue Studie zeigt, wie stark persönliche, direkte soziale Kontakte das menschliche Darmmikrobiom beeinflussen.

Studiendesign und Datengrundlage in Honduras

Unter der Leitung der Yale-Universitätsforscher Francesco Beghini und Jackson Pullman verknüpfte das Team eine soziale Netzwerk-Karte von 1.787 Erwachsenen aus abgelegenen Dörfern in Honduras mit einer detaillierten Analyse der Mikroben, die im Darm jeder teilnehmenden Person leben.

„[Es] war eine lange Liebesmüh (falls man diesen Ausdruck für das Sammeln von Hunderten Stuhlproben aus isolierten Dschungeldörfern verwenden kann)“, sagte der Soziologe und Arzt Nicholas Christakis, ebenfalls von Yale, gegenüber ScienceAlert.

Zusätzlich sammelten die Forschenden Angaben zu den sozialen Netzwerken der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, um ein präzises Bild davon zu erstellen, wer in der Gemeinschaft mit wem Zeit verbringt.

Die Daten stammen aus einem größeren Projekt, das 2013 in Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Gesundheitsbehörden sowie lokalen Führungspersonen begann. Es diente nicht nur der Forschung, sondern auch dazu, Teilnehmende zu diagnostizieren und zu behandeln, wenn ihre Proben auf einen Bedarf hindeuteten.

Die Teilnehmenden erhielten Anleitungen, wie sie ihre Stuhlproben selbst entnehmen sollten, und übergaben sie einem lokalen Team, das die Proben kühlte, auf Eis lagerte und zur Analyse in die USA verschickte.

Obwohl das übergeordnete Projekt 176 Dörfer umfasste, konzentrierte sich diese Auswertung auf Daten aus 18 besonders isolierten Ortschaften im westlichen Hochland von Honduras.

„Wir mussten für unsere Arbeit isolierte Populationen untersuchen, in denen soziale Bindungen innerhalb einer klar abgegrenzten Gemeinschaft liegen – daher diese isolierten Dörfer“, erklärte Christakis.

Ähnliche Untersuchungen wollen die Forschenden auch in anderen Weltregionen durchführen, etwa in Griechenland, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen zu vergleichen. Christakis betont jedoch, dass bereits diese Analyse entlegener Dörfer in Honduras eine allgemein gültige Einsicht liefere, wie stark menschliche Mikrobiome durch soziale Strukturen geformt werden.

„Wir glauben, dass unsere Ergebnisse von allgemeiner Bedeutung sind und nicht an den konkreten Ort gebunden, an dem wir diese Arbeit durchgeführt haben, und dass sie beleuchten, wie menschliche soziale Interaktionen die Beschaffenheit und Wirkung der Mikroben in unserem Körper prägen.“

Was soziale Netzwerke über das menschliche Darmmikrobiom verraten

Das Team stellte fest, dass mikrobielle Arten und Stämme nicht nur innerhalb von Familien geteilt werden, sondern auch über nicht verwandtschaftliche und nicht haushaltsgebundene Beziehungen hinweg – etwa unter engen Freundinnen und Freunden.

Außerdem zeigte sich: Die Darmflora von sozial zentralen Personen – also Menschen mit besonders vielen sozialen Verbindungen in der Gemeinschaft – ähnelt dem mikrobiellen Gesamtprofil des jeweiligen Dorfes stärker als die Darmflora von Personen am Rand des sozialen Netzwerks.

Zudem nahm das Teilen von Stämmen entlang sozialer Verbindungen mit der Zeit zu: Bei 301 Personen, deren Mikrobiom nach zwei Jahren erneut gemessen wurde, waren die Darmflora-Stämme derjenigen mit mehr persönlichen Kontakten einander ähnlicher geworden als bei ansonsten vergleichbaren Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern mit weniger sozialen Verbindungen.

Wer sich im Alltag zunehmend von direkten Begegnungen mit anderen Menschen abschneidet, dürfte daher mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine veränderte Zusammensetzung seines Mikrobioms entwickeln.

„Wenn du körperlich und damit sozial isoliert bist, hast du andere Mikroben, als wenn du ein gesellschaftlicher Schmetterling bist“, erklärte Christakis.

Mögliche gesundheitliche Bedeutung: weder grundsätzlich gut noch schlecht

Ob diese Unterschiede vorteilhaft oder nachteilig sind, ist bislang offen. Wie bei vielen biologischen Phänomenen dürfte das von zahlreichen Faktoren abhängen.

„Das Teilen von Mikroben an sich ist weder gut noch schlecht, aber das Teilen bestimmter Mikroben unter bestimmten Umständen kann durchaus gut oder schlecht sein“, sagte Christakis.

„Zum Beispiel kann nach der Einnahme von Antibiotika der Darm von gesunden Mikroben weitgehend entleert sein, und er muss wieder mit den gesunden, normalen Mikroben besiedelt werden, die wir zum Funktionieren brauchen. Diese Wiederbesiedlung geschieht vermutlich häufig über soziale Interaktionen.“

Christakis verwies außerdem darauf, dass Studien das Darmmikrobiom mit psychischen und körperlichen Gesundheitszuständen in Verbindung gebracht haben, die sonst nicht als biologisch ansteckend gelten – etwa Adipositas, Depressionen und Arthritis.

Die neuen Ergebnisse legen nahe, dass die Struktur einer Gemeinschaft beeinflussen könnte, wie sich die mikrobiellen Profile solcher Zustände herausbilden.

Diese Forschung wurde in Nature veröffentlicht.


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