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Kanalarbeiten in den Schottischen Highlands enthüllen Eisenzeit-Siedlung und frühmittelalterliche Grabhügel bei Windhill nahe Inverness

Archäologe gräbt in einer Ausgrabungsstätte in der Landschaft mit einem See und Hügeln im Hintergrund.

Eine routinemässige Modernisierung der Kanalisation in den Schottischen Highlands hat in einem schmalen Geländestreifen sowohl die Spuren einer Siedlung aus der Eisenzeit als auch frühmittelalterliche Grabhügel freigelegt.

Der Fund bringt Alltagsleben, Eisenverhüttung und Erinnerungskultur unmittelbar nebeneinander und verbindet so mehrere Jahrhunderte Nutzung mit derselben Landschaft.

Ein Graben öffnet die Geschichte in Windhill

Entlang eines etwa 1,6 Kilometer langen Grabens bei Windhill nahe Inverness traten in derselben Erdöffnung kreisförmige Hausgrundrisse und ringförmige Grabumfassungen zutage.

Indem er die Bögen von Pfostenlöchern und Gräbchen nachzeichnete, dokumentierte Steven Birch von West Coast Archaeological Services zwei Rundhäuser, Öfen zur Eisenverarbeitung sowie drei dicht beieinanderliegende Grabhügel.

Die Gestalt der Befunde deutet auf eine eisenzeitliche Siedlung hin, die später durch Bestattungen aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. markiert wurde – ein Hinweis darauf, dass dieser Ort im Lauf der Zeit sehr unterschiedliche Funktionen erfüllte.

Da der Graben nur einen schmalen Korridor durch ein vermutlich deutlich grösseres Areal freilegt, liegt ein grosser Teil dieser Gemeinschaft weiterhin ausserhalb dessen, was die Ausgrabung sichtbar machen konnte.

Häuser, erkennbar an Pfostenreihen

Rundhäuser lassen sich archäologisch vor allem über ringförmig angeordnete Pfostenlöcher fassen: Die einstigen Wände und Dächer sind verschwunden, doch die Standspuren der Holzpfosten bleiben als Muster im Boden erhalten.

In die Pfostenlöcher eingebrachte Packsteine stabilisierten die Konstruktion, und der Kreis trug ein Dach, das den Belastungen nasser Winter standhalten musste.

In den Highlands waren Rundhäuser über viele Jahrhunderte verbreitet; ein archäologischer Forschungsrahmen für die Region beschreibt die grosse Bandbreite an Bauweisen, Materialien und Grössen.

In Windhill blieben jedoch nur die Pfostenmuster erhalten – wie die Räume aufgeteilt waren, wo gelagert wurde und wie Privatsphäre organisiert war, lässt sich daher nur vermuten.

Wenn Keramik fehlt

Keramik zählt bei Ausgrabungen oft zu den auffälligsten Hinweisen – und gerade ihr Fehlen kann den Eindruck eines Fundplatzes stark verändern.

Organische Materialien wie Holz und Leder nehmen Feuchtigkeit auf, werden von Mikroorganismen zersetzt und verschwinden; dadurch kann selbst eine lange genutzte Küche archäologisch „leer“ wirken.

In Windhill kamen keine Töpfe zum Vorschein, was die Annahme stützt, dass die Bewohner eher auf Holzbehälter als auf Gefässe aus Ton setzten.

Diese Lücke erschwert zwar die Rekonstruktion von Mahlzeiten, zwingt Archäologen aber zugleich dazu, noch gezielter nach schwachen organischen Spuren zu suchen.

Eisen aus lokalem Erz

Ausserhalb der Wohnbereiche hinterliessen Eisenöfen verbrannten Boden – ein klares Zeichen für die hohen Temperaturen, die nötig sind, um Erz in Metall umzuwandeln.

Mit Holzkohle und zugeführter Luft wurde dem Erz Sauerstoff entzogen, bis am Ende ein grober Eisenklumpen übrig blieb.

„Die Hinweise auf Metallverarbeitung am Fundort, die höchstwahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten n. Chr. stattfand, werden eine wichtige Ergänzung des archäologischen Befunds für dieses Gebiet sein“, sagte Birch.

Auch ohne fertige Werkzeuge deuten die Ofenreste auf spezialisiertes Können hin, das möglicherweise Handel über die Siedlung hinaus begünstigte.

Gräber als Kreisanlagen

Kreisförmige Gräbchen zeichneten Rundbarrows nach – aufgeschüttete Grabhügel, die durch ringförmige Gräben markiert waren und zeigen, wo Menschen im Frühmittelalter ihre Toten bestatteten.

Dazu wurde zunächst eine zentrale Grube angelegt, anschliessend Erde zu einem niedrigen Hügel aufgetragen und rundherum ein Ringgraben ausgehoben.

Die vermutlich ins 6. Jahrhundert n. Chr. datierenden Anlagen gehören in eine Zeit, die im Norden Schottlands häufig mit den Pikten in Verbindung gebracht wird.

Weil der Leitungstrassen-Graben jeweils nur einen Teil der Hügel schnitt, könnten Grabbeigaben oder weitere Bestattungen noch ausserhalb des untersuchten Abschnitts liegen.

Wer ein Denkmal erhielt

Der Bau eines Grabhügels verlangte Zeit und Abstimmung – daher hatten die unter Barrows Bestatteten für ihre Nachbarn wahrscheinlich besondere Bedeutung.

Es musste Rasensoden geschnitten, Erde herangetragen und ein ringförmiges Monument geformt werden, das weit über die akute Trauer hinaus sichtbar blieb.

Dass man die Gräber unmittelbar neben ehemaligen Wohnplätzen anlegte, könnte Erinnerung an Land gebunden haben, das Familien weiterhin nutzten oder im Blick behielten.

Da weder Objekte im Grab noch eindeutige Rangmarker gefunden wurden, können die Barrows zwar auf Macht hindeuten, belegen lässt sie sich damit jedoch nicht.

Datierung mit Kohlenstoff-14

Verkohltes Holz vom Fundplatz könnte per Radiokohlenstoffdatierung untersucht werden, bei der das Alter über den Zerfall von Kohlenstoff-14 in organischem Material abgeschätzt wird.

Lebewesen nehmen Kohlenstoff auf; nach dem Tod nimmt das Signal ab – so lässt sich bestimmen, wann eine Pflanze oder ein Mensch gestorben ist.

Belastbare Daten könnten zeigen, ob Rundhäuser und Öfen zeitgleich mit den Grabhügeln genutzt wurden.

Doch selbst präzise Datierungen würden grosse Lücken lassen, weil ein schmaler Graben weder die Aufenthaltsdauer einer Gruppe noch ihre Beweggründe vollständig erkennbar macht.

Knochen als Informationsquelle

Sollten menschliche Überreste erhalten sein, kann eine Isotopenanalyse – das Auslesen chemischer Signaturen in Knochen – Hinweise auf Ernährung und Herkunft geben.

Nahrung und Trinkwasser hinterlassen feine chemische Muster, die sich beim Wachstum in Zähnen und Knochen festsetzen.

Auch genetische Untersuchungen könnten Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Bestatteten der Hügel aufzeigen, doch nasse Böden zerstören Erbmaterial oft so stark, dass eine Auswertung schwierig wird.

Ergebnisse aus Chemie und Genetik könnten menschliche Geschichten ergänzen, würden aber trotzdem nur wenige Individuen repräsentieren.

Ein kleiner Ort, viele Spuren

Auf engstem Raum liegen hier Abdrücke von Alltag und Bestattungstätigkeit fast übereinander.

Bodenschichten sowie Schnittkanten halfen dabei, ältere Hausspuren von späteren Gräbern zu trennen – selbst dort, wo sich Befunde überlagerten.

Ohne gesicherte Datierungen musste das Team sich auf Form, Tiefe und Vergleiche mit bereits untersuchten Fundplätzen in den Highlands stützen.

Künftige Arbeiten im Umfeld von Windhill könnten die Grenzen der Siedlung lokalisieren, doch die Kanaltrasse hat Teile der Überlieferung bereits entfernt.

Nächste Schritte und Grenzen

Die Kanalarbeiten legten eine seltene Kombination aus Wohnplätzen, Eisenverarbeitung und Gräbern frei und machten aus einem Routinebauprojekt einen archäologischen Fund.

Sobald Datierungen sowie mögliche Knochenanalysen abgeschlossen sind, könnte Windhill zeigen, wie Gemeinschaften über Jahrhunderte an denselben Ort zurückkehrten – allerdings mit wechselnden Zielen.

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