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EU-Kommission: 90%-CO₂-Ziel 2035 lässt Verbrennungsmotoren länger zu

Blaues, futuristisches Elektroauto in Ausstellung mit Infotafel und Ladestation im Hintergrund.

Die Europäische Kommission will beim Ziel „Null-Emissionen bis 2035“ zurückrudern – und damit die Möglichkeit schaffen, dass Verbrennungsmotoren noch weit über dieses Datum hinaus verkauft werden können. Statt einer vollständigen CO₂-Reduktion sieht der neue Vorschlag vor, die Emissionen bis 2035 um 90% gegenüber dem Niveau von 2021 zu senken – das entspricht rund 11 g/km CO₂.

Auch mit der neuen Zielmarke bleibt der Anspruch hoch. Erstmals berücksichtigt der Vorschlag zudem externe Faktoren: Bis zu 7% der Emissionen dürfen über den Einsatz von kohlenstoffarmem europäischem Stahl kompensiert werden, weitere 3% über fortschrittliche Biokraftstoffe, synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) oder Wasserstoff.

Illusionen sollte sich dennoch niemand machen: Die Hersteller wären weiterhin verpflichtet, bei Nichterfüllung erhebliche Strafzahlungen zu leisten – sowohl bei den Zwischenzielen (2025-27 und 2030-32) als auch bei diesem neuen Ziel von 11 g/km im Jahr 2035, sofern es vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat verabschiedet wird.

Wie viele Neuwagen mit Verbrennungsmotor wird es 2035 noch geben?

Offen war vor allem, was das europäische Zurückweichen in der Praxis für die Verkäufe neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bedeutet. Nach Berechnungen der Europäischen Kommission wird erwartet, dass 2035 bis zu 35% der neu verkauften Autos weiterhin über Verbrennungsmotoren verfügen.

Das erklärte Apostolos Tzitzikostas, EU-Kommissar für nachhaltige Verkehrspolitik und Tourismus, auf einer Pressekonferenz: „ungefähr 30% bis 35% der Autos könnten nicht vollständig elektrisch sein“.

Zugleich machte der Kommissar deutlich, dass es sich bei diesen Verkäufen um einen Technologiemix handeln werde – etwa Plug-in-Hybride, Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (EREV) oder sogar Verbrennungsmotoren, die mit Wasserstoff betrieben werden (wie Toyota es derzeit erprobt).

Tzitzikostas bezeichnet EREV aktuell als „die sauberste Option“ und zugleich als „praktisch Elektrofahrzeuge“. Gleichzeitig räumte er ein, dass Autos mit reinem Verbrennungsmotor 2035 immer noch etwa 10% des Gesamtmarktes ausmachen könnten.

Umweltschützer weniger optimistisch

Die Lobbyorganisation Transport & Environment, die zu den lautesten Kritikern des von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Aufweichens der Emissionsziele gehört, hat mehrere Szenarien skizziert. Diese führen aus ihrer Sicht durchweg zu durchschnittlichen Emissionen, die über den angestrebten 11 g/km liegen.

In einem Extremfall kommt T&E zu dem Ergebnis, dass selbst dann, wenn EREV künftig 50% des Automarkts ausmachen würden, die durchschnittlichen CO₂-Emissionen der Branche bei 22 g/km lägen – also doppelt so hoch.

Eine stärkere Fokussierung auf Plug-in-Hybride oder konventionelle Verbrenner würde nach Einschätzung der Gruppe paradoxerweise verlangen, die Verkäufe von Verbrennungsmotoren deutlich stärker zu reduzieren, um das Emissionsziel überhaupt erreichen zu können.

Die Porsche-Änderung

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt, an dem kaum vorbeizukommen ist. Laut dem Analysten Mathias Schmidt, zitiert von Automotive News, werde dieser Kurswechsel zunehmend als „Porsche-Änderung“ bekannt: Verbrennungsmotoren nach 2035 dürften sich tendenziell zu teuren Nischenprodukten entwickeln – getragen von synthetischen Kraftstoffen und kostspieligeren Materialien.

Kurz gesagt: weniger Verbrenner, dafür exklusiver – und vor allem für einkommensstarke Käuferinnen und Käufer erreichbar. Wie Schmidt es formulierte, würden nach 2035 verkaufte Autos mit Verbrennungsmotoren den „sehr teuren Schweizer Uhren der Automobilindustrie“ ähneln.


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