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Wie kognitive Flexibilität die Entscheidung zur Impfung beeinflusst

Junger Mann erhält Impfung von Medizinerin im Wartebereich mit anderen wartenden Personen.

Gesundheitsentscheidungen zu treffen ist ein komplexer Prozess – und oft auch ein schwieriger.

Neben unseren eigenen Einstellungen, Erfahrungen und Blickwinkeln prasseln Informationen von anderen Menschen (Freundinnen und Freunde, Familie, Gesundheitsfachkräfte) sowie aus externen Quellen (Nachrichten oder soziale Medien) auf uns ein, die mitprägen, was „gesund sein“ überhaupt heisst.

Manchmal passt das, was wir hören und lesen, zu dem Bild, das wir von unserer eigenen Gesundheit haben. In anderen Fällen widerspricht es unseren Überzeugungen. Und noch komplizierter wird es dadurch, dass ein Teil dieser Informationen gezielte Desinformation sein kann.

Wie ordnen wir das alles ein, wenn wir Entscheidungen für unsere Gesundheit treffen? Und was beeinflusst, ob wir an unseren Einstellungen festhalten – oder unsere Meinung ändern?

Viele können das nachvollziehen. Während der COVID-19-Pandemie mussten wir zahlreiche Verhaltensweisen anpassen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen: im Homeoffice arbeiten, eine Maske tragen, in unseren „Kontaktblasen“ bleiben und schliesslich die Impfung erhalten.

Für viele war die Entscheidung, sich impfen zu lassen, selbstverständlich. Für andere war sie deutlich weniger eindeutig. Untersuchungen aus der Zeit unmittelbar bevor der COVID-Impfstoff in Neuseeland verfügbar war, zeigten, dass eine beträchtliche Minderheit unsicher war oder eher nicht vorhatte, sich impfen zu lassen.

Diese Personen waren häufiger jung, weiblich und weniger gut gebildet; ihre Hauptsorge bezog sich auf unbekannte spätere Nebenwirkungen. Unsere neue Studie deutet darauf hin, dass auch kognitive (mentale) Flexibilität mit Einstellungen zur Impfung zusammenhängen könnte.

Ein flexibler Geist: kognitive Flexibilität

Frühere Forschung legt nahe, dass mentale Flexibilität eine wichtige Rolle dabei spielt, wie wir Entscheidungen treffen. Man stelle sich vor, man soll bei der Arbeit eine Aufgabe plötzlich anders erledigen, man diskutiert mit jemandem, der eine völlig andere Meinung hat, oder man bekommt zu hören, man solle gesünder leben (zum Beispiel mehr Sport treiben).

Einige Menschen kommen mit solchen Situationen problemlos zurecht. Anderen fällt es schwerer, sich umzustellen. Mentale Flexibilität bezeichnet die Fähigkeit, Einstellungen, Gedanken oder Verhalten an neue oder sich verändernde Informationen anzupassen.

Studien zeigen, dass mentale Flexibilität beeinflusst, wie extrem unsere Ansichten ausfallen, wie anfällig wir für Desinformation oder „Falschnachrichten“ sind, ob wir umweltfreundliche Entscheidungen treffen oder gesundheitsfördernd handeln (etwa durch Sonnenschutz oder körperliche Aktivität).

Um die Impfquote zu erhöhen, setzen Regierungen häufig auf Aufklärungskampagnen, die Sicherheit, Wirksamkeit und Bedeutung von Impfungen betonen. Allerdings gelingt es diesen Kampagnen nicht immer, Unsicherheit rund ums Impfen zu verringern.

Wir wollten verstehen, warum das so ist – und vermuteten, dass mentale Flexibilität dabei mitwirkt. Um das zu prüfen, befragten wir 601 Neuseeländerinnen und Neuseeländer zu ihren Ansichten und Erfahrungen im Zusammenhang mit Impfungen.

Ein Teil der Fragen zielte auf äussere Faktoren ab, zum Beispiel darauf, wie einfach der Zugang zu Impfungen eingeschätzt wurde oder ob sie als bezahlbar galten. Andere Fragen betrafen innere Faktoren, etwa persönliche Überzeugungen zur Impfung, die Wahrnehmung der eigenen Gesundheit sowie die Einschätzung, wie wichtig oder wie sicher Impfstoffe seien.

Insgesamt nannten die Teilnehmenden nur wenige äussere Hürden: 97 Prozent gaben an, Impfungen seien für sie zugänglich oder bezahlbar. Diese Werte sind ermutigend und könnten die fortlaufenden Bemühungen der Regierung widerspiegeln, die Impfung möglichst unkompliziert zu machen.

Deutlich stärker hingen Unsicherheit oder Zögern hingegen mit inneren Faktoren zusammen. So berichtete fast ein Viertel (22 Prozent) von Sorgen über gesundheitliche Risiken von Impfstoffen. Und 12 Prozent sagten, sie vertrauten den Prozessen oder den Personen nicht, die Impfstoffe entwickeln.

Adaptives Verhalten im Test

Zusätzlich baten wir die Teilnehmenden, ein Spiel zu absolvieren, das darauf ausgelegt war, mentale Flexibilität zu erfassen.

Dabei sollten Karten nach einer Regel zugeordnet werden – zum Beispiel Karten mit derselben Anzahl an Objekten. Während des Spiels änderte sich die Regel zufällig, sodass die Teilnehmenden ihr Verhalten fortlaufend anpassen mussten.

Auffällig war: Wer sich mit diesen Regelwechseln schwerer tat (also eine geringere mentale Flexibilität zeigte), gab auch mehr innere Barrieren gegenüber der Impfung an.

Als wir die Teilnehmenden anhand ihrer mentalen Flexibilität in zwei Gruppen einteilten, zeigte sich: Die Gruppe mit niedriger Flexibilität sagte mit 18 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit, dass eine Impfung nicht mit den eigenen Überzeugungen vereinbar sei. Ausserdem war sie mit 14 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit der Ansicht, Impfstoffen nicht zu vertrauen, und mit 11 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit berichtete sie Sorgen über negative Nebenwirkungen von Impfungen.

Für äussere Faktoren galt das nicht. Mentale Flexibilität sagte nicht vorher, ob jemand Impfungen als zugänglich oder bezahlbar wahrnahm.

Informationen reichen manchmal nicht aus

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gesundheitsentscheidungen – einschliesslich der Frage, ob man sich impfen lässt oder nicht – von mehr abhängen als davon, die „richtigen“ Informationen zu erhalten.

Allein zu hören, wie wichtig Impfungen sind, genügt möglicherweise nicht, um Einstellungen oder Verhalten zu verändern. Entscheidend ist auch der individuelle kognitive Stil – also die Art und Weise, wie jemand Informationen wahrnimmt und verarbeitet.

Sinkende Impfquoten sind weltweit seit Langem ein Thema, auch in Neuseeland – und zwar schon deutlich vor der Pandemie. Unsere Befunde sprechen dafür, dass Gesundheitsaufklärung wirksamer sein könnte, wenn sie die Rolle kognitiver Flexibilität stärker berücksichtigt.

Ein Ansatz besteht darin, Informationen anders zu rahmen. Statt ausschliesslich Fakten zur Sicherheit oder Bedeutung von Impfungen zu präsentieren, könnten Kampagnen dazu anregen, die eigene Perspektive zu hinterfragen oder alternative Möglichkeiten gedanklich durchzuspielen – etwa mit „Was wäre, wenn?“-Fragen.

Forschung zeigt, dass eine solche Rahmung unsere überlegten Denkprozesse (die uns helfen, gründlich und kritisch zu denken) aktivieren, mentale Flexibilität fördern und uns letztlich offener für Veränderungen machen kann.

Stephanie Gomes-Ng, Senior Lecturer in Psychology, Auckland University of Technology

Dieser Artikel wird aus The Conversation unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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