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Südkalifornien: Belastung durch Plastikweichmacher DiNP, DEHP und DEHT – aktuelle UCR-Studie

Forscherin im weißen Kittel untersucht bunte Probenbehälter im Freien vor Universitätsgebäude mit UCR-Logo.

Wir leben in einer Welt, in der sich Kunststoffe und die dazugehörigen Chemikalien kaum noch vermeiden lassen.

Neue Hinweise deuten darauf hin, dass die Belastung durch Plastikweichmacher – Stoffe, die Kunststoffe weicher und biegsamer machen – bei durchschnittlichen Stadtbewohnerinnen und -bewohnern in Südkalifornien „extrem hoch“ ist.

Der Toxikologe David Volz von der University of California, Riverside (UCR) fasst es so zusammen: „Egal, wer Sie sind oder wo Sie sind: Ihre tägliche Belastung durch diese Weichmacher-Chemikalien ist hoch und dauerhaft.“

„Sie sind allgegenwärtig.“

Nicht jeder dieser Weichmacher gilt als giftig, doch mehrere werden mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht.

Gesetzliche Schritte gegen DEHP in Kalifornien

Erst kürzlich hat das Parlament des US-Bundesstaats Kalifornien Schritte eingeleitet, um eine dieser Verbindungen – DEHP – in Infusionsbeuteln und medizinischen Schläuchen zu verbieten. Der Bundesstaat warnt, dass DEHP (di(2-ethylhexyl)phthalat) das Krebsrisiko erhöhen, das Fortpflanzungssystem schädigen und die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen kann.

In Kalifornien ist DEHP in Kinderprodukten seit 2009 ab bestimmten Konzentrationen untersagt.

Trotzdem legt die neue Untersuchung nahe, dass Menschen im Süden des Bundesstaats weiterhin in hohen Konzentrationen mit diesem Stoff und ähnlichen Chemikalien in Kontakt kommen.

Armband-Experiment an der UCR (2019–2020)

Die Ergebnisse stammen aus Versuchen aus den Jahren 2019 und 2020. Insgesamt 137 Studierende der UCR erhielten Silikon-Armbänder und trugen diese anschließend fünf Tage am Stück, während sie ihrem ganz normalen Alltag nachgingen.

Nachdem die Armbänder eingesammelt worden waren, suchten Forschende der UCR und der Duke University nach 10 bekannten Plastikweichmachern, die das Material aus der Umgebung aufgenommen haben könnte. Dabei stießen sie überraschend auf eine bemerkenswert hohe Belastung durch potenziell problematische Schadstoffe.

Volz sagt dazu: „Die Werte dieser Verbindungen sind extrem hoch. Damit hatten wir nicht gerechnet.“

Ähnliche Belastungsniveaus wurden allerdings auch an der Ostküste der USA festgestellt.

DiNP, DEHP und DEHT dominieren die gemessene Belastung

Vom gesamten Weichmacher-Massenanteil, den die Armbänder in Südkalifornien aufgenommen hatten, entfielen zwischen 94 und 97 Prozent auf DiNP, DEHP und einen neueren Typ namens DEHT.

Neben DEHP stuft Kalifornien auch DiNP (di-isononylphthalat) als Substanz ein, die das Krebsrisiko erhöhen kann.

Wie viele heutige Weichmacher gehören DiNP und DEHP zur Stoffgruppe der Phthalate – sie stecken unter anderem in Lebensmittelverpackungen, Vinyl, Kosmetika sowie in zahlreichen Haushaltsprodukten.

Phthalate können über die Nahrung aufgenommen, über die Haut resorbiert oder eingeatmet werden. Obwohl sie im menschlichen Körper nur kurz verbleiben, lassen sie sich inzwischen im Urin der meisten US-Amerikanerinnen und -Amerikaner nachweisen – mit gesundheitlichen Folgen, die weitgehend unklar sind.

DEHT ist kein Phthalat. Es wurde als vermeintlich sicherere Alternative eingeführt, doch die Forschenden betonen: „Über die potenzielle Toxizität von DEHT in für den Menschen relevanten Modellsystemen ist nur wenig bekannt.“

„Insgesamt geben unsere Ergebnisse Anlass zur Sorge über eine chronische Exposition gegenüber DiNP, DEHP und DEHT in urbanen, bevölkerungsdichten Regionen in ganz Kalifornien“, warnt das Team.

Bewertung durch die EPA und neue Hinweise auf mögliche Karzinogenität

Mit dieser Einschätzung stehen die Autorinnen und Autoren nicht allein. Die US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) bewertet derzeit die Giftigkeit von DEHP, DiNP und weiteren Phthalaten vor dem Hintergrund neuer Hinweise, denen zufolge diese Chemikalien wahrscheinlich krebserregend sind.

Ein vorläufiger Entwurf der EPA-Überprüfung kommt zu dem Schluss, dass DiNP Leberschäden verursacht und bei höheren Expositionswerten Krebs auslösen könnte.

Auf der EPA-Webseite zu Phthalaten heißt es: „Die EPA ist wegen der Toxizität von Phthalaten und der Hinweise auf eine weit verbreitete Belastung von Menschen und Umwelt durch diese Chemikalien besorgt.“

Weiter schreibt die Behörde: „Phthalate werden in vielen Industrie- und Verbraucherprodukten verwendet, von denen viele potenziell zu einer hohen Exposition führen. Phthalate wurden in Lebensmitteln nachgewiesen und auch beim Menschen gemessen.“

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Environmental Research“ veröffentlicht.

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