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Anolis laevis in Peru nach 150 Jahren wiederentdeckt

Forscher hält grünen Flugdrachen und skizziert ihn im Notizbuch im dichten Wald.

Eine Eidechse mit auffällig vorspringender Nase ist in Peru erneut nachgewiesen worden – nach 150 Jahren, in denen sie in der Wissenschaft praktisch verschwunden war.

Diese Wiederentdeckung zwingt zu schnellen Entscheidungen: Die letzten Waldinseln, in denen die Art noch überlebt, müssen geschützt werden, bevor Holzeinschlag, Landwirtschaft und Strassenbau diese Rückzugsräume so stark verkleinern, dass eine Erholung kaum noch möglich ist.

Bestätigung der lange verschollenen Art

Ein Feldteam entdeckte die Eidechse in einem feuchten Bergwald in der peruanischen Region San Martín, an einem steilen Wegabschnitt.

Der Biologe Fernando Ayala-Varela vom ecuadorianischen Nationalinstitut für Biodiversität (INABIO) bestätigte, dass es sich bei dem wiederentdeckten Tier aus Perus Bergen um Anolis laevis handelt.

Ayala-Varela und Kolleginnen und Kollegen am INABIO beschrieben die Wiederentdeckung in ihrem Fachartikel in einem Umkreis von etwa 50 bis 100 Kilometern vom historischen Fundort.

Doch selbst mit eindeutigen Belegen bleibt die Lage heikel: Das bislang bekannte, sehr kleine Verbreitungsgebiet lässt kaum Spielraum, wenn Flächen in kurzer Zeit gerodet werden.

Eine Nase, die die Art unverwechselbar macht

Bei den Männchen wächst aus dem Bereich der Schnauze ein Rüsselfortsatz (Proboscis) – ein Nasenanhang, der diese Eidechse leicht erkennbar macht.

Der Fortsatz verlängert nicht den Kiefer, sondern sitzt vorn auf der Schnauzenspitze und verändert dadurch die Silhouette des Tieres.

Genau diese Nasenform passte zu Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert und half dabei, ähnliche Arten aus der Umgebung auszuschliessen.

Weil der Anhang nur bei Männchen vorkommt, waren Weibchen nötig, um das gesamte Erscheinungsbild der Art sicher zu erfassen.

Warum sich Männchen und Weibchen unterscheiden

Neben zwei erwachsenen Männchen fanden die Suchenden auch adulte Weibchen – für diese Art waren Weibchen zuvor noch nie offiziell dokumentiert worden.

Diese Lücke ist relevant, denn Sexualdimorphismus – also deutlich unterschiedliche Merkmale von Männchen und Weibchen – kann dazu führen, dass eine Art übersehen wird, obwohl sie vorhanden ist.

In den neuen Exemplaren fehlte den Weibchen der Nasenanhang vollständig, obwohl andere Merkmale sehr gut zu denen der Männchen passten.

Da beide Geschlechter zudem eine Kehlstruktur zur Anzeige besitzen, prüften die Forschenden als Nächstes Färbung und Schuppenmuster.

Signale am Kehlbereich

Unterhalb des Kinns kann Anolis laevis einen Kehlfächer zeigen – eine ausklappbare Hautfalte, die bei sozialen Begegnungen zur Signalgebung dient.

Muskeln ziehen die Falte nach aussen; so verändert sich das sichtbare Signal für andere Eidechsen, und Abstand sowie Absicht lassen sich schneller einschätzen.

Die Farbgebung war dabei wichtig, weil Männchen und Weibchen unterschiedliche Farbtöne zeigten – ein weiteres Feldmerkmal neben dem Nasenanhang.

Da nur wenige Tiere vorlagen, waren robuste, gut erkennbare Merkmale entscheidend, um diese Art zuverlässig von Nachbararten zu trennen.

Ähnliche Merkmale, getrennte Abstammungslinien

Bei diesen Eidechsen sind Nasenanhänge in verschiedenen Zweigen des Stammbaums unabhängig entstanden – ein Hinweis auf konvergente Evolution, also auf ähnlich entwickelte Merkmale in getrennten Linien.

Wenn unterschiedliche Populationen vergleichbaren Signalen oder Selektionsdrücken ausgesetzt sind, kann die natürliche Selektion ähnliche Lösungen hervorbringen, ohne dass ein naher gemeinsamer Vorfahr beteiligt ist.

„Dieses Merkmal entspricht dem Zustand, der bei anderen Anolis-Arten mit einem Rüssel zu sehen ist, und könnte eine evolutionäre Konvergenz des Anhangs in unterschiedlichen Abstammungslinien darstellen“, schrieb Ayala-Varela.

Gleichzeitig kann sich die Evolution zwar wiederholen – der Wald, der solche Anpassungen trägt, kann jedoch innerhalb einer einzigen Generation verschwinden.

Der Verlust des Waldes beschleunigt sich

Im Nordosten Perus haben Strassen und landwirtschaftliche Flächen Bergwälder in immer kleinere Stücke zerschnitten.

Wenn Baumdecke schrumpft und voneinander isoliert wird, gehen Schatten und Luftfeuchtigkeit zurück; kleine Populationen können zudem auf getrennten Bergrücken „gestrandet“ zurückbleiben.

Die Ausweitung der Landwirtschaft frisst sich zuerst in die Täler und steigt dann hangaufwärts; jeder neue Waldrand begünstigt Brände, Holzeinschlag und invasive Pflanzen.

Für eine Eidechse, die bislang nur aus einem kleinen Teil einer einzigen peruanischen Region bekannt ist, kann dieser ständige Umbau Lebensraum in kurzer Zeit auslöschen.

Aussterberisiko der Eidechse

Um das Aussterberisiko einzuordnen, nutzen Naturschutzplanerinnen und -planer beim Vergleich seltener Arten die Kriterien der International Union for Conservation of Nature (IUCN).

In diesem System steht „stark gefährdet“ (EN) für eine Kategorie mit sehr hohem Aussterberisiko und weist darauf hin, dass die Art in der Natur ernsthaft bedroht ist, wenn Belastungen anhalten.

In die Bewertung fliessen unter anderem die Grösse des Verbreitungsgebiets, Bestandstrends und die Qualität des Lebensraums ein – kleine Areale lösen deshalb besonders schnell Alarm aus.

Bei Anolis laevis machen das enge Wiederfundgebiet und die laufende Entwaldung die nächsten Erhebungen und Schutzmassnahmen besonders zeitkritisch.

Schutz von Anolis laevis

Ein wirksamer Schutz beginnt damit, weitere Individuen zu finden, denn bislang unentdeckte Vorkommen könnten noch in benachbarten Tälern existieren.

Sorgfältige Kartierungen würden zeigen, wo die Art tatsächlich lebt; diese Karten könnten dann Grenzen von Schutzgebieten und Patrouillenrouten mitbestimmen.

Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit lokalen Landwirtinnen und Landwirten, weil schon kleine Anpassungen bei Rodung und Pestizideinsatz Waldränder kühler und feuchter halten können.

Ohne langfristige Sicherung der verbliebenen Bergwälder könnte die Wiederentdeckung am Ende nur eine kurze Randnotiz der Naturschutzgeschichte bleiben.

Wert neuer Nachweise

Wiederfunde wie dieser zeigen Forschenden, dass das Fehlen in Museumssammlungen auch schlicht an zu wenig Suchaufwand liegen kann – und nicht zwingend an einem echten Verschwinden.

Neue Felddaten schärfen ausserdem die Artbeschreibung, sodass Rangerinnen und Ranger sowie lokale Gemeinschaften besser erkennen können, was auf ihrem Land vorkommt.

Aktuelle Informationen können zudem Entscheidungen zur Landnutzung beeinflussen, weil Planungsstellen unbekannte Arten oft als geringes Risiko behandeln, solange Karten leer bleiben.

Für Anolis laevis bedeutet das erneute Auftauchen: Die Art kann wieder gezählt, untersucht und geschützt werden – solange noch Zeit ist.

Wohin das führt

Eine einzige Wiederentdeckung verknüpft eine markante Nase, klar erkennbare Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen und einen schrumpfenden Wald zu einer dringlichen Naturschutzgeschichte.

Ob diese Eidechse eine lebende Art bleibt oder wieder zur Legende wird, entscheiden die kommenden Suchaktionen und der Schutz der lokalen Wälder.

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