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Rätselhaftes Grab aus der Vikingzeit bei Cambridge in Wandlebury aus dem 9. Jahrhundert

Archäologin untersucht ausgegrabene menschliche Skelette auf Ausgrabungsstätte im Freien.

Ein flaches Grab aus der Vikingzeit nahe Cambridge brachte eine bewusst zusammengestellte Mischung aus abgetrennten Köpfen, aufgeschichteten Gliedmassen und unversehrten Körpern zutage, die ins 9. Jahrhundert datiert.

Diese drastische Anordnung machte aus einer gewöhnlichen Ausbildungsgrabung seltene, handfeste Hinweise auf organisierte Gewalt in der Zeit der Konflikte zwischen Wikingern und Sachsen.

Im Inneren der Grube aus der Vikingzeit

Unmittelbar ausserhalb der Wallanlagen eines alten Hügelforts in Wandlebury lag in einer schmalen Grabgrube neben vier vollständigen Skeletten auch lose Schädel sowie sorgfältig übereinandergestapelte Beinknochen.

Während die Freilegung voranschritt, hielt Dr. Oscar Aldred von der Cambridge Archaeological Unit fest, wie unversehrte Bestattungen und zerstückelte Überreste gemeinsam in diesen beengten Raum eingebracht worden waren.

Eine Radiokarbondatierung ordnete mindestens einen der Männer dem späten 8. oder 9. Jahrhundert zu und verankerte die Niederlegung damit in einer Phase regionaler Unruhe.

Da die Knochen eher von gezielter Handhabung zeugen als von dem verstreuten Durcheinander eines Gefechts, verlangt dieses Grab eine genauere Prüfung der Umstände, unter denen diese Männer starben.

Hinweise auf Zerstückelung

Getrennte Köpfe und Gliedmassen gelangten nicht zufällig nach einem friedlichen Tod in diese Grube.

Wenn Weichteile vergehen, lösen sich Gelenke, und auch ohne absichtliches Zerschneiden kann ein Körper auseinanderfallen.

Schnittspuren am Knochen waren jedoch selten, weshalb das Team in Betracht zog, dass einige Körperteile bereits vor der Beisetzung teilweise verwest waren.

Diese unklare zeitliche Abfolge lässt mehrere Deutungen zu – von Bestrafung über Zurschaustellung bis hin zu einer hastigen Beseitigung, als sich die Machtverhältnisse änderten.

Anzeichen von Gefangenschaft

Auch die Lage der Körper war aussagekräftig: Mehrere Skelette waren so positioniert, dass dies eher zu Fesselung als zu einer sorgfältigen Bestattung passt.

Sind die Hände gebunden, kann jemand vornüber stürzen oder sich verdrehen; nach dem Zerfall des Gewebes bleibt diese Haltung im Skelettbild erhalten.

Grabmarkierungen oder Beigaben fehlten vollständig – passend zu einer Situation, in der die Toten verborgen statt geehrt werden sollten.

Trotzdem verraten Knochen nicht, wer die Täter waren, und in der Grube könnten Opfer verschiedener Seiten eines lokalen Konflikts liegen.

Grab aus der Vikingzeit in einer Grenzzone

Im 9. Jahrhundert lagen die Gebiete um Cambridge nahe der Randzonen sächsischer Reiche und entlang von Routen, auf denen Wikinger raubten.

Eine Radiokarbondatierung datierte ein Skelett in den Zeitraum zwischen 772 n. Chr. und 891 n. Chr. und verankerte die Bestattung damit eindeutig im späten 8. oder 9. Jahrhundert.

An einem lange genutzten Hügelfort wie Wandlebury dürfte man sich zu Versammlungen und Urteilen eingefunden haben; Autoritäten konnten Strafen dort öffentlich machen.

Weil im Grab keine eindeutigen Identitätsmerkmale lagen, müssen spätere Labortests klären, ob unter den Toten überhaupt Wikinger waren.

Hinrichtung statt Krieg

Auf Schlachtfeldern finden sich gewöhnlich verstreute Waffen und Verletzungsmuster, doch bei diesen Knochen fehlte die typische Mischung eines chaotischen Kampfes.

Hieb- und Schnittverletzungen hinterlassen oft Spuren an Unterarmen, Rippen oder Schädel, während kontrolliertes Töten weniger Markierungen erzeugen kann.

Dass kaum Hinweise auf solche Kampfspuren vorlagen, lenkte das Team zu einer anderen Erklärung – näher an Gewahrsam als an Gefecht.

Wenn Hinrichtung als wahrscheinlichste Deutung in den Vordergrund rückt, wirkt auch die ungewöhnliche Anordnung im Grab aus der Vikingzeit eher geplant als zufällig.

Trophäen und Strafen

Im frühmittelalterlichen England nutzten Obrigkeiten mitunter Körper als Warnzeichen und trennten Köpfe vom Rumpf.

„Those buried could have been recipients of corporal punishment, and that may be connected to Wandlebury as a sacred or well-known meeting place,“ sagte Aldred.

Ein Friedhof in Yorkshire im Norden Englands enthielt zahlreiche Körper ohne Schädel – ein Hinweis darauf, wie Enthauptung zur Routine-Strafe werden konnte.

Gleichzeitig widersprach die Ablagerung von Wandlebury mehreren Erwartungen an Hinrichtungsorte, weshalb sich die lokale Geschichte womöglich nicht sauber einordnen lässt.

Ein Riese für seine Zeit

Bäuchlings in der Grube fiel ein Mann selbst im Tod auf, denn seine Knochen gehörten zu einer aussergewöhnlich grossen Person.

Im Alter von 17 bis 24 Jahren erreichte er etwa 1,96 Meter (6 Fuss 5 Zoll) – deutlich mehr als für diese Epoche üblich.

Druck durch die Hypophyse, eine kleine Drüse im Gehirn, die Hormone steuert, kann übermässiges Wachstum und starke Kopfschmerzen auslösen.

Über Jahre kann dieses anhaltende Wachstum Gelenke und Herz stark belasten, und Veränderungen am Skelett können bis heute erkennbar sein.

Operation am Schädel

Nahe dem Scheitel seines Schädels wirkte eine ovale Öffnung von etwa 3 Zentimetern (1,2 Zoll) Breite absichtlich gesetzt und nicht zufällig entstanden.

In vielen antiken Gesellschaften nutzten Behandelnde mitunter die Trepanation – das Bohren eines Lochs durch den Schädelknochen –, um Druck zu lindern.

„The individual may have had a tumour that affected their pituitary gland and caused an excess of growth hormones,“ sagte Dr. Trish Biers, Osteologin an der University of Cambridge.

Selbst wenn die Öffnung Schmerzen reduzierte, zeigt sie zugleich, dass jemand versuchte, ihn zu behandeln – und diese Fürsorge macht die Geschichte komplexer.

DNA und Herkunft

Chemische Signale in Zähnen und Knochen können Hinweise darauf geben, wo ein Mensch aufwuchs und wovon er sich ernährte.

Genetische Spuren können Verwandtschaft und regionale Bezüge sichtbar machen und eventuell zeigen, ob die Toten eine gemeinsame Abstammung teilten.

Im Labor werden Fachleute zudem versuchen, lose Knochen wieder zusammenzusetzen und zu prüfen, ob einzelne Teile ursprünglich zu demselben Körper gehörten.

Bis diese Analysen vorliegen, bleibt das Grab ein Hinweis darauf, wie leicht ein gewaltsames Ereignis Namen und Motive auslöschen kann.

Einordnung der Befunde

In einer einzigen kleinen Grube treffen zerbrochene Körper, mögliche Bestrafung und Zeichen von Behandlung aufeinander.

Während die Laborarbeit die Identität dieser Männer weiter eingrenzt, könnte Wandlebury zu einem wichtigen Bezugspunkt für Fragen von Rechtsprechung und Fürsorge werden.

Grundlage der Informationen ist eine Pressemitteilung der University of Cambridge.

Bildnachweis: David Matzliach, Cambridge Archaeological Unit / © University of Cambridge

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