In einem 6.500 Jahre alten Gebäude im Nordwesten Irans sind zwei ungeborene Babys entdeckt worden – bestattet in wiederverwendeten Haushaltskrügen.
Ihre Lage im Haus und die auffälligen Unterschiede zwischen den beiden Bestattungen deuten darauf hin, dass selbst innerhalb eines einzigen Haushalts Trauer nicht nach einem einheitlichen Muster verlief.
Im Inneren des Gebäudes
Unter dem Fussboden einer Wohnstruktur in Chaparabad, einer 6.500 Jahre alten Siedlung im Nordwesten Irans, kamen zwei Tonkrüge als Bestattungsgefässe zum Vorschein – nur etwa 3 Meter (10 Fuss) voneinander entfernt.
Mahdi Alirezazadeh von der Tarbiat Modares University (TMU) hielt bei der Dokumentation der Einbettung im Gebäude fest, dass der eine Krug (der Küchenkrug) in einem Bereich stand, der als Küche genutzt wurde, während der andere (der Vorratskrug) nahe einer Lagerzone lag.
An beiden Gefässen fanden sich Spuren früherer Alltagsnutzung, was die Todesfälle eng an die Abläufe des häuslichen Lebens bindet – statt an einen getrennten Friedhofsbereich.
Dass die Föten innerhalb des bewohnten Gebäudes verblieben, weist darauf hin, dass sich die Trauer im Haus selbst abspielte – eine Entscheidung, die weiterführende Fragen dazu aufwirft, wie Familien in dieser Zeit Verlust markierten.
Bestattung in einem Kochgefäss
Rauchspuren am Küchenkrug sprechen dafür, dass er zuvor sehr wahrscheinlich als Kochgefäss verwendet worden war. Russ und Hitze verdunkeln Ton über längere Zeit, sodass die Verfärbungen als Hinweis auf wiederholten Kontakt mit Rauch gelesen werden können.
„Die Bestattungsgefässe scheinen zuvor für alltägliche häusliche Tätigkeiten genutzt worden zu sein“, sagte Alirezazadeh.
Ein Alltagsbehälter als Grabgefäss könnte Trauer eng an Routine gebunden haben, ohne dass dafür ein eigens angefertigtes Objekt nötig war.
Eine Bestattung im Vorratskrug
Während im Küchenkrug tierische Knochen den Fötus umgaben, enthielt der zweite Krug, der neben Einrichtungen zur Getreidelagerung stand, keinerlei zusätzliche Beigaben.
In der Archäologie werden solche Zugaben als Grabbeigaben bezeichnet – Gegenstände, die Verstorbenen mitgegeben werden, um sie zu begleiten oder zu kennzeichnen.
Indem man auf Opfergaben verzichtete, behandelte die Bestattung den Körper als vollständig und in sich ausreichend.
Dieser scharfe Kontrast innerhalb eines einzigen Gebäudes setzt zugleich Grenzen für allzu glatte Erzählungen über Status oder Rang.
Schätzung des Gestationsalters
Die beiden Knochensätze weisen jeweils auf einen Todeszeitpunkt bei 36–38 Schwangerschaftswochen hin – so spät, dass die Familien vermutlich mit einer baldigen Geburt gerechnet haben dürften.
Zur Einordnung nutzten Forschende das Gestationsalter, also die in Wochen gemessene Dauer der Schwangerschaft, um beide Föten auf der Zeitleiste der Schwangerschaft zu verorten.
Da das Knochenwachstum vor der Geburt einem relativ gleichmässigen Verlauf folgt, lieferten lange Knochen und Gelenkstrukturen eine grobe Altersschätzung.
Trotz sorgfältiger Analyse kann die Abgrenzung um ein bis zwei Wochen verschwimmen, weshalb die Einordnung grundsätzlich näherungsweise bleibt.
Tierknochen als Opfergaben
Im Kochkrug lagen Knochen von Schaf oder Ziege nahe am Rand; zudem stand der Krug auf zerlegten Schlachtresten.
Bei der Zerlegung fallen viele Körperteile an, und die Mischung der Knochen zeigt, dass gezielt einzelne Stücke ausgewählt wurden, statt ein vollständiges Tier beizulegen.
Diese Auswahl verknüpft die Bestattung mit Tieren, von denen die Menschen abhängig waren – die Gabe war damit mehr als bloss Abfall.
Welche konkrete Botschaft dahinterstand, lässt sich archäologisch nicht sicher festlegen; die Anordnung zeigt dennoch eine bewusste, sorgfältige Behandlung der Reste.
Ein kleiner bearbeiteter Stein
Neben der Kochkrug-Bestattung lag ein bearbeitetes Steinfragment, wodurch ein von Menschen gefertigter Gegenstand in den Kontext des Gefässes eingebracht wurde.
Stein kann über Jahre scharfe Kanten behalten; selbst ein kleines Werkzeug kann daher auf Tätigkeiten wie Schneiden, Schaben oder Bohren hinweisen.
Ein solcher Gegenstand in der Nähe eines Fötus könnte die Bestattung mit Arbeit, Können oder der Identität einer betreuenden Person verbunden haben.
Ohne detaillierte Gebrauchsspurenanalyse oder ein passendes Set vergleichbarer Werkzeuge bleibt der Stein jedoch eher ein Hinweis als ein eindeutiger Beleg.
Bestattungskrüge der Dalma- und Pisdeli-Phase
Die Tonkrüge entsprechen Keramikstilen zweier lokaler Gemeinschaften, die vor rund 6.500 Jahren in dieser Region Irans lebten.
Eine Gruppe, die heute als Dalma-Kultur bezeichnet wird, fertigte robuste, rot engobierte Krüge wie jene, die für diese Bestattungen genutzt wurden.
Eine spätere Gemeinschaft im selben Gebiet, bekannt als Pisdeli, hinterliess ebenfalls ähnliche Haushaltskeramik, dekorierte sie jedoch anders – ein Hinweis darauf, dass sich Bräuche im Verlauf der Zeit wandelten.
„Variabilität in den Bestattungspraktiken von Säuglingen ist während der Dalma- und Pisdeli-(chalkolithischen) Perioden gut dokumentiert: Einige Säuglinge wurden mit Grabbeigaben bestattet, andere nicht“, sagte Alirezazadeh.
Siedlungsbestattungen erklärt
In weiten Teilen Südwestasiens wurden Säuglinge in manchen Gemeinschaften innerhalb von Siedlungen in Keramikgefässen beigesetzt, statt in separaten Gräberfeldern.
Verschlossene Krüge schützten die kleinen Knochen vor Zertreten und Erosion, und die stabilen Gefässwände hielten die Bestattung kompakt unter dem Fussboden.
Zugleich bot ein Krug eine praktische Fläche für einen Verschluss, sodass die Öffnung abgedeckt und die Bestattung ungestört belassen werden konnte.
Der Fund erweitert dieses Muster um fötale Überreste; die lokale Bedeutung bleibt jedoch an einen Kontext gebunden, den archäologische Daten selten vollständig erfassen.
Fragile Knochen lesen
An vielen Fundplätzen sind deutlich weniger Säuglingsbestattungen dokumentiert, als man erwarten würde – selbst dort, wo Gräberfelder intensiv untersucht werden.
Bodenfeuchte, Druck und Insekten treiben taphonomische Prozesse an, also natürliche Veränderungen, die Knochen nach dem Tod und während der Bestattung schädigen.
Gründlicheres Sieben und bessere Lagerung können die Fundzahlen erhöhen; fehlende Kinder spiegeln daher mitunter Bergungs- und Dokumentationsentscheidungen wider, nicht zwingend ein tatsächliches Fehlen.
In Chaparabad waren mehr als 90 Prozent eines Fötus erhalten, was den TMU-Forschenden seltene Details zur Lage und Behandlung der Überreste ermöglicht.
Archäologie der Trauer
Die Krugbestattungen von Chaparabad zeigen, dass häuslicher Raum zugleich alltägliche Arbeit und eine private Reaktion auf Verlust aufnehmen konnte.
Künftige DNA- und chemische Analysen könnten Verwandtschaft und Mobilität präziser fassen – doch welche persönliche Bedeutung jede einzelne Beigabe trug, wird sich wohl nur teilweise erschliessen lassen.
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